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Kaminöfen sind bei Hauseigentümern beliebt. Allerdings gelten immer strengere Bestimmungen für die Abgase.

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Feinstaub kann Ärger machen: Strengere Regeln fürs Heizen

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Die schlimmste Kälte für diesen Winter dürfte vorbei sein. Kamin- oder Kachelöfen haben häufig wohlige Zusatzwärme gespendet. In der Übergangszeit genießen viele weiterhin die gemütliche Atmosphäre eines Holzfeuers und lassen die Heizung aus. Aber alte Holzöfen müssen nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Holz ist der älteste und natürlichste Brennstoff und gehört zu den erneuerbaren Energien. Nicht zuletzt wegen steigender Öl- und Gaspreise boomte bis 2010 das Heizen mit Holz. Immer mehr Haushalte haben sich bis dahin einen Kamin- oder Kachelofen angeschafft.

Für die meisten ist der Ofen bis heute eine zusätzliche Wärmequelle zum bestehenden Zentralheizsystem. Wenn es knackig kalt ist, bringt der Holzofen schnell ein paar Grad Zimmertemperatur mehr. In der Übergangszeit kann man die Heizung außer Betrieb lassen. Ein Kamin schafft außerdem eine schöne Atmosphäre.

Dann kam die Bundesimmissionsschutzverordnung, weil Holzfeuerstätten nachweislich den Feinstaubgehalt in die Höhe treiben. Feinstaub sind Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer. „Die sind optisch nicht wahrnehmbar“, sagt Bezirksschornsteinfeger Rolf Schmidt und erläutert: „Feinstaub besteht nicht aus Rußpartikeln, sondern ist vergleichbar mit Zigarettenrauch.“ Staub dieser Größe dringt bis in die feinsten Lungenbläschen vor und kann Krankheiten wie Asthma, Herzbeschwerden und Lungenkrebs begünstigen. Außerdem steigt die Kohlendioxidemission, die für die Erderwärmung verantwortlich gemacht wird.

Nach einem Stufenplan sind in Abhängigkeit von Baujahr und Bauart bis 2024 alle Modelle, die die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht einhalten, generationenweise nachzurüsten oder auszutauschen.

Wie der Bezirksschornsteinfeger, der rund 2800 Häuser in Neu-Anspach betreut, auf Anfrage mitteilte, sind in seinem Bezirk rund 1600 sogenannte Einzelraumfeuerstätten in Betrieb. Im ersten Schritt mussten bis Ende 2014 ganz alte Öfen, die vor 1974 gebaut wurden, stillgelegt oder nachgerüstet werden, erklärt Schmidt. Die nächste Frist endete im Dezember 2017. Wer einen Kaminofen hatte, der bis einschließlich 1984 installiert wurde, musste bis dahin aktiv handeln.

„Viele Holz- oder Kohleofen aus dieser Zeit hatte ich in Neu-Anspach nicht, aber kaum einer konnte die Grenzwerte einhalten“, so Schmidt. Pro Kubikmeter Abgas dürfen nicht mehr als 0,15 Gramm Staub oder mehr als vier Gramm Kohlenmonoxid ausgestoßen werden. In den meisten Fällen rentierte sich eine Nachrüstung nicht.

Denn elektrostatisch geregelte Filter hätten eingebaut werden müssen. Das größere Problem sei meist eine geänderte Führung der Verbrennungsluft gewesen. „Das macht nur Sinn bei Großanlagen, aber einen neuen Zimmerkaminofen gibt es heute schon ab 1500 Euro“, so der Fachmann. So viel müsste man für eine Nachrüstung ausgeben und hätte dann immer noch einen alten Ofen.

Moderne Geräte haben nämlich nicht nur einen Emissionsausstoß, der bis zu 85 Prozent unter dem der alten Öfen liegt. Die moderne Technik habe auch einen höheren Wirkungsgrad und eine bessere Energieeffizienz. Denn Heizen mit Holz ist nach Aussage des Schornsteinfegers nach der aktuellen Preislage nichts für Sparfüchse.

Gehacktes Scheitholz in guter trockener Qualität bis zur Haustür geliefert koste derzeit genauso viel wie die im Brennwert vergleichbare Menge an Gas oder Öl.

Mit einem Blick in die Zukunft meint Schmidt, die Politik wolle bis zum Jahr 2030 weg von fossilen Brennstoffen. Die Auflagen für Heizen mit Holz würden ständig erhöht. Das betreffe nicht nur die Emissionswerte, sondern auch die Abstandregelungen. Wer mit dem Kaminschornstein nicht 15 Meter vom Nachbarfenster wegbleibt und diese nicht mindestens einen Meter überragt, hat schlechte Karten für eine Genehmigung. Wie Schmidt abschließend mitteilte, häufen sich auch Beschwerden wegen Geruchsbelästigung über Hausbesitzer, die ihren Kamin zu häufig benutzen.

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