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Yannik Schulwitz aus Frankfurt hat es genossen, dass am Sonntag nur wenige Motorradfahrer rund um den Großen Feldberg unterwegs waren.

Erster Verstoß am Sonntagmittag

Strecken am Feldberg für Biker gesperrt: Das ist die Bilanz nach dem ersten Wochenende

Biker, Behörden und Anwohner haben mit Spannung der erstmaligen Sperrung beliebter Zufahrtswege zum Großen Feldberg für Motorradfahrer entgegengeblickt. Es geht darum, neue Erkenntnisse über die Verkehrsflüsse zu gewinnen. Das erste Wochenende wird aber wohl nicht allzu aussagekräftig sein.

Hochtaunus - Der Besucherdruck auf die Feldbergregion ist im Mai und Juni für gewöhnlich enorm. Doch am Wochenende war alles anders. Statt eines zu dieser Jahreszeit üblichen Ansturms von Ausflüglern war die Zahl der Erholungssuchenden ziemlich überschaubar. Es hatten sich am Samstag und Sonntag auch nur wenige Motorradfahrer auf den Weg gemacht. Auf dem Plateau herrschte gestern Nachmittag bei Sonnenschein und Temperaturen von unter zehn Grad große Gelassenheit, gepaart mit einer recht frischen Frühlingsbrise - eine Atmosphäre, die Biker Jannik Schulwitz aus Frankfurt bereits bei der Anfahrt über Königstein und das Rote Kreuz mit dem Motorrad geradezu genossen hat.

"Alles war heute total entspannt. Ich konnte meine eigene ordentliche Linie fahren, ohne Angst haben zu müssen, dass mir in einer Kurve ein Heizer entgegenfliegt. Die gibt's unter Bikern ebenso wie unter Autofahrern. Die einen haben Rennmaschinen, die anderen getunte Sportwagen", sagte Schulwitz, als ihn der TZ-Reporter nach seinen Erfahrungen mit Motorrad-Rowdys fragte, die mit überhöhter Geschwindigkeit und aufjaulenden Motoren durch den Taunuswald rasen.

Nichts mitbekommen

Kurz zuvor hatte sich Marc aus Mainz, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte, mit seiner Aprilia Tuono V4 1100 RR wieder auf den Rückweg gemacht. "Von der Sperrung habe ich gar nichts mitbekommen, weil ich mich von Google Maps über einen Helmkopfhörer habe leiten lassen", sagte der 27-Jährige und lobte, dass die Kurven rund um den Feldberg zum Schutz der Biker mit einer doppelten Leitplanke ausgestattet sind, um Motorradfahrer bei Stürzen zu schützen.

Ernst Scholsching war auf dieses erste Wochenende der teilweisen Feldberg-Sperrung für Biker gespannt. "Motorradfahrer machen rund 80 Prozent meiner Kundschaft aus. An schönen Frühlings-Wochenenden sind es mehrere Hundert, die bei uns eine Tasse Kaffee, eine Bockwurst, Pommes oder Eis bestellen", sagt der Pächter des Kiosks am Fuße des Aussichtsturms. Der Große Feldberg sei in der Biker-Szene ein Magnet, ein internationaler Treffpunkt, der an schönen Wochenenden von Motorradfahrern aus Nah und Fern angesteuert werde. Zusammen mit Gästen diskutierte er am Sonntag natürlich über Sinn und Unsinn der Sperrung.

"Problem wird verlagert"

"Wenn ich eine Straße sperre, verlagert sich das Problem eben auf eine andere", meinte ein Biker an seinem Kiosk. "Das ist doch wie mit der Drogenszene in Frankfurt. Um gegen Lärmbelästigung durch Raser vorzugehen, müsste man mehr mobile Blitzer einsetzen. Nur verstärkte und mobile Kontrollen regeln das Problem." Auf die Bürger eines Schmittener Ortsteils ist er nicht gut zu sprechen. "Die Leute von der Hegewiese haben sich gegen die geplanten Windkraft-Anlagen ebenso erfolgreich gewehrt wie gegen die Sommer-Rodelbahn", sagt der Biker. "Nun wollen sie auch noch uns Motorradfahrer verbannen."

Eigentlich war die Straße Richtung Sandplacken gesperrt. Mancher Biker bemerkte das offenbar erst auf dem Parkplatz hinter dem Ortsausgang Oberursel.

Im Restaurant am Sandplacken sieht man die probeweise Sperrung der Kanonenstraße (L 3004) für Biker gelassen. "Wir haben fast keine Motorradfahrer unter unseren Gästen. Die meisten fahren ohne Stopp hinauf zum Feldberg. Vielmehr ärgern sich Gäste auf unserer Terrasse über den Lärm der Raser", sagt Rada Trifan vom Team des Ausflugsrestaurants.

Die Polizei bestätigte, dass Ausflugsverkehr und Zahl der Motorradfahrer viel geringer waren als üblich. Sie hatte diverse Kontrolldienste mit Pkw und Motorrädern auf den gesperrten Straßenabschnitten im Einsatz, aber keine speziellen Straßensperren errichtet.

Zehn Bußgelder verhängt

"Am Samstag war kein Motorradfahrer unterwegs. Am Sonntag hat erstmals um 12 Uhr ein Motorradfahrer die Sperrung nicht befolgt", teilt dazu Uwe Schweitzer, der Leiter der Polizeistation Oberursel, mit. "Bis Sonntag um 16 Uhr haben wir nur zehn Bußgelder wegen Ordnungswidrigkeiten verhängen müssen."

Bei der Sperrung der Kanonenstraße und einiger anderer Strecken für Motorradfahrer handelt es sich um einen Verkehrsversuch, den der Hochtaunuskreis initiierte und der von der Straßenbehörde Hessen Mobil und der Polizei begleitet wird. Die beiden Sperrphasen erstrecken sich jeweils über neun Tage und beinhalten jeweils zwei Wochenende.

Der erste Testlauf hat am Samstag begonnen und dauert noch bis einschließlich kommenden Sonntag. Erst in der Nacht zu Montag werden die Verbots- und Umleitungsschilder wieder demontiert. Die nächste Sperrung ist dann für den Zeitraum vom 7. bis 15. September geplant. Betroffen sind jeweils die L 3004 zwischen Oberursel und Schmitten (Kanonenstraße), die L 3024 ab Sandplacken bis zur Feldbergzufahrt aus Richtung Sandplacken sowie die L 3276 zwischen Sandplacken und Oberreifenberg.

Vor, während und nach den Sperrungen gibt es zahlreiche Kontrollen und Verkehrszählungen. Die "ergebnisoffene" Auswertung soll dann ergeben, wie sich ein Motorradverbot auf den Verkehr rund um den Großen Feldberg auswirkt.

Der Bundesverband der Motorradfahrer befürchtet, dass die beiden Testläufe nur Vorboten für eine dauerhafte Sperrung für Biker sein werden, und hat für den 16. Juni zu einer Protestveranstaltung am Landratsamt geladen.

mak

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