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Verkehrskollaps auf dem Feldberg: Sperrung für Autos und Motorräder denkbar?

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Von: Evelyn Kreutz

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Am Großen Feldberg kommt es nicht selten zum Verkehrskollaps. (Archivbild)
Am Großen Feldberg kommt es nicht selten zum Verkehrskollaps. (Archivbild) © imago images/Jan Eifert

Studentinnen bringen nach Untersuchungen und Befragungen Einschränkungen für den Individualverkehr auf dem Feldberg-Plateau ins Spiel.

Hochtaunus - Ist ein komplett auto- und motorradfreies Feldbergplateau denkbar? Der höchste Berg im Taunus lockt bei herrlichem Wetter die Ausflügler in Scharen an. Direkt um den Gipfel kommt es dann nicht selten zum Verkehrskollaps. Daher stellt sich die Frage nach neuen Wegen.

Der Hochtaunuskreis arbeitet unter Beteiligung der Gemeinde Schmitten und des Naturparks Taunus inzwischen an einem Tourismuskonzept für den regionalen Nah- und Tagestourismus im Taunus. Das Verkehrs- und Besucherlenkungskonzept für das Plateau mit Fokus auf Parkraumbewirtschaftung ist dabei Aufgabe der Gemeinde Schmitten und bereits in Arbeit.

Darüber hinaus hat die Gemeinde in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn vier Studentinnen des Masterstudiengangs Nachhaltige Tourismusentwicklung für eine ergänzende Studie gewonnen. Hannah Markert, Amanda Wilhelm, Anna Fock und Lara Knopp haben aus wissenschaftlich untermauertem Blickwinkel das Umfeld des Frankfurter Hausbergs erkundet. Und sie haben an einem Wochenende im April mit der Befragung von 101 Besuchern die Besucherstruktur und die Bedürfnisse der Ausflügler ermittelt.

Sollte der Feldberg-Gipfel für motorisierten Individualverkehr gesperrt werden?

Das Ergebnis ihrer Untersuchung und daraus entwickelte Ideen haben die Vier in einem Workshop im Martin-Niemöller-Haus vorgestellt. In der Abschlussdiskussion stellten sie in den Raum: "Vielleicht macht eine Sperrung des Gipfels für den motorisierten Individualverkehr das Plateau sogar attraktiver." Mit einer solchen extremen Position hatten Schmittens Bürgermeisterin Julia Krügers und der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Hartmut Müller (beide CDU) sowie Carolin Pfaff, die stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Naturparks Taunus, und Sarah Menzebach, Fachbereichsleiterin Tourismus im Hochtaunuskreis und stellvertretende Geschäftsführerin des Taunus Touristik Service (TTS), nicht gerechnet.

Vier Studentinnen der Hochschule Heilbronn (Masterstudiengang Nachhaltige Tourismusentwicklung) stellen in einem Workshop Ideen zur Besucherlenkung in der Feldbergregion vor. Foto: Kreutz
Vier Studentinnen der Hochschule Heilbronn (Masterstudiengang Nachhaltige Tourismusentwicklung) stellen in einem Workshop Ideen zur Besucherlenkung in der Feldbergregion vor. Foto: Kreutz © Evelyn Kreutz

Krügers geht davon aus, dass eine Schranke an der Spitzkehre, wo Fahrzeuge nur durchkommen, wenn es noch freie Parkplätze am Gipfel gibt, das Problem lösen kann. Aktuell wird nur an Tagen mit extremem Andrang die Zufahrt zum Plateau gesperrt. Krügers meinte: "Eine generelle Sperrung ist noch nicht vorstellbar." Vor allem für Veranstaltungen und Gesellschaften im neuen Feldberghaus müsse die Anfahrt gewährleistet bleiben und Parkplätze vorgehalten werden.

Als Vertreter des Taunusklubs konnten sich der stellvertretende Vorsitzende des Stammklubs, Wolfgang Lenz, und Sigfried Diehl, der Vorsitzende des Zweigvereins Niederreifenberg, spontan mit einer Sperrung des Gipfels anfreunden, wenn zeitgleich der öffentliche Personennahverkehr verbessert und ein Shuttle eingerichtet würde. "Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, müssen wir auch einmal anders denken", ist Lenz überzeugt. Nicht zuletzt der Klimawandel verlange ein Umdenken, erhöhe aber die Akzeptanz einer solchen Maßnahme, meinte Wilhelm. Professorin Martina Shakya regte an, seitens der Gemeinde dazu eine Bürgerbefragung durchzuführen.

Sperrung des Feldberg-Gipfels: Weniger Müll, mehr Sitzplätze

Die vier Studentinnen lieferten aber noch jede Menge anderer Ansätze und nahmen Anregungen von den Workshop-Teilnehmern auf. So könnte die Aufenthaltsqualität auf dem Gipfel erhöht werden durch noch konsequentere Pflege und Müllbeseitigung, mehr Sitzmöglichkeiten und Geräte für Kleinkinder auf dem Spielplatz. Eine Infotafel mit Hinweisen, welche Angebote es auf dem Plateau und welche Erlebnispunkte es in der näheren Umgebung gibt, fehle. Vor allem der Falkenhof müsse besser beworben werden.

Auch die Beschilderung der Wanderwege und der Parkplätze unterhalb des Gipfels ließe sich verbessern und ergänzen durch konkrete Hinweise für weitere sehens- und erlebenswerte Ziele. Wanderzeichen alleine reichten nicht aus.

Ausgearbeitet haben die Studentinnen einen Rundwanderweg, der über 4,86 Kilometer und jeweils 140 Höhenmeter auf- und abwärts in knapp zwei Stunden rund um und bis zum Gipfel führt. Der Einstieg soll an verschiedenen Parkplätzen möglich sein. Außerdem könnte es Empfehlungen geben für Abstecher zu Sehenswürdigkeiten wie dem römischen Feldbergkastell am kleinen Feldberg. Einen besonderen Charme könnte dieser Rundwanderweg erhalten durch Infotafeln und/oder QR-Codes, über die man mehr zu verschiedenen Themen erfahre. Das könnten Elemente eines Naturlehrpfades sein, Wissenswertes zum Klimawandel und dessen Auswirkungen oder zur Historie.

Für die komplette Feldbergregion sei als Anreiz und zur Besucherlenkung etwa analog zur Harzer Wandernadel ein Stempelheftsystem denkbar. Gedanken, wie das alles finanziert werden kann, haben sich die Studentinnen auch gemacht. Ihren kompletten Projektbericht wollen sie abschließend der Schmittener Gemeindevertretung übergeben. (Evelyn Kreutz)

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