Burgspielschar feilt an ihrem Winterstück „Lametta“

Das Fest der Liebe als Feuerprobe

In Friedrichsdorf gibt es gleich eine ganze Reihe von Ensembles, die sich mit großer Verve dem Theaterspiel nachgehen. Eine davon ist die Burgspielschar aus Burgholzhausen, die sich auch im Januar noch Weihnachtlichem widmen.

Damit der gewünschte Dominoeffekt erzeugt wird, kommt es auf die richtige Verkettung verschiedener Ereignisse an, „auf das perfekte Timing“, weiß Regisseur Manfred Fels, „es ist wie eine Choreographie.“ Und an ebendieser arbeiten Regisseur und das Ensemble der Burgspielschar derzeit eifrig – es knirscht hier und da noch ein bisschen.

Am 27. Januar ist Premiere des Lustspiels „Lametta“ von Fitzgerald Kusz. Spätestens dann müssen die Abgänge passen, die Wortgefechte sitzen, die Handgriffe orchestriert ineinandergreifen. Die Schauspieler zeigen in ihrer Hochphase des Probens noch

Mut zur Lücke

und überspielen charmant verpasste Einsätze, fehlende Requisiten oder textliche Hänger – die richtigen Sätze flüstern ihnen die Souffleusen Elke Kaupp oder Ilona Kunz zu, und schon ist die Situation für den Moment gerettet. Das Ensemble der Burgspielschar hat Vertrauen in sein Können, an Engagement und Disziplin mangelt es den Akteuren sowieso keineswegs. Am Premierenfreitag, da sind alle zuversichtlich, wird das Publikum lachen über eventuelle postweihnachtliche Déjà-vu-Erlebnisse und über den Wirbel um das Weihnachtsfest. Turbulent wird es zugehen, so wie das auch vom Autor gewünscht ist, der das Fest der Liebe als Feuerprobe für die Beziehung der Patchwork-Familie gewählt hat.

In Kusz’ Stück wird mit viel Schabernack, Biss und Schadenfreude gezeigt, wie weit Wunschvorstellung und Realität auseinanderliegen können und wie spannungsgeladen ein Zusammenprall dieser beiden Welten sein kann. Alle diese Ereignisse werden sich auf der kleinen Bühne im Vereinszentrum „Alte Schule“ zutragen.

„Zu einem Zeitpunkt müssen acht Personen am Tisch sitzen“, sagt Fels. Doch den logistischen Alptraum der kleinen Bühne bereinigt Bühnenbauer Ottmar Kunkel. Er wird den Zuschauern ein passendes Familienwohnzimmer kreieren, mit den Möbeln am richtigen Platz und dem lamettafreien Weihnachtsbaum an prominenter Stelle.

„Wir haben uns Videos angeguckt“, fährt Fels fort, zur Unterstützung der Charakterarbeit. Jede einzelne Rolle wurde unter die Lupe genommen, sei sie noch so klein. Deswegen macht Fels sich in den jeweiligen Probedurchläufen immer viele Notizen, die er dann nach jeder Szene mit dem Team bespricht. Manchmal ist es ein Hüftschwung, ein Stolpern oder das Öffnen einer Türe. Oft ist es aber auch der Tonfall, die unterstreichende Mimik oder die passende Gestik, die einer kleinen Sequenz im Stück den nötigen Kick in die richtige Richtung verleiht. Diese kleinen Details sind es, die die Aufmerksamkeit der Zuschauer fesseln, die sie barrierefrei in die Bühnenrealität eintauchen lässt.

Regisseur und Ensemble legen bei der Wahl ihrer Winterstücke Wert darauf, dass die jeweiligen Inhalte einen greifbaren Bezug zur Lebensrealität haben, wenn auch einen leichtfüßigen und beschwingten. Und die Patchwork-Familie, dieses neumodische Familienkonstrukt, das unter vielen Dächern, an immer mehr Esstischen Platz findet, schien sich hervorragend dafür zu eignen.

Werner (Oliver Glaap) möchte seine Verlobte Babs (Elena Schunk) mit der Exfrau Rosy (Beate Hild) und seiner Mutter (Gabi Kunkel) an Heiligabend an einen Tisch setzen, natürlich zusammen mit den Kindern, mit Babs’ Tochter Nora (Ilona Haas) aus erster Ehe und mit Werners und Rosys Sohn Sebastian (Jan-Tore Ohlsen). Kann das wirklich gutgehen, wenn die Schwiegermutter ständig piesackt und nach dem aufgebügelten Lametta fragt, die Exfrau um Harmonie bemüht ist und die Neue ihre eigene Rolle noch sucht? Wenn der Sohn eine hormonelle Achterbahn fährt und die Tochter nur am Smartphone wischt und tippt? Und welche Rolle Babs’ Exmann Lutz (Dieter Kaupp) und seine neue Freundin Natascha (Franziska Hosseini) spielen, wird sich auch erst im Lauf des Stückes herauskristallisieren.

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