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Bad Homburger Finanzamt

Das Finanzamt der Zukunft

Es ist eine Herausforderung: Ein 70 Jahre altes Gebäude soll nach den neuesten Anforderungen, die sich das Land Hessen auferlegt hat, saniert werden, aber gleichzeitig auch dem Denkmalschutz Genüge

Es ist eine Herausforderung: Ein 70 Jahre altes Gebäude soll nach den neuesten Anforderungen, die sich das Land Hessen auferlegt hat, saniert werden, aber gleichzeitig auch dem Denkmalschutz Genüge tun – die 1951 (wieder-)errichtete einstige Kaserne steht unter Ensembleschutz (siehe auch „Zum Thema“). Das Finanzamt Bad Homburg ist zudem Pilotprojekt für das CO2-Minderungs- und Energieeffizienzprogramm (COME) des Landes Hessen. 90 Tonnen CO2 sollen pro Jahr eingespart werden – das sind laut COME-Berechnungen 60 Prozent weniger als vorher. Den Umbau lässt sich das Land rund 12,3 Millionen Euro kosten.

Die 360 Mitarbeiter des Haupthauses arbeiten seit knapp einem Jahr im Ober-Eschbacher „Exil“. Sie sollen wie geplant Anfang 2018 zurück an die Kaiser-Friedrich-Promenade ziehen können, verspricht COME-Projektleiterin Melanie Hampl: „Wir werden sicher Ende 2017 fertig.“ Die Innen-Demontage beider Gebäudeteile sei nahezu abgeschlossen; parallel wird außen die Fassade saniert. Das soll Ende des Jahres geschehen sein. Anschließend rückt man dem Anbau zu Leibe.

Das Finanzamt erfährt eine energetische Sanierung: Das Dach wird neu gedeckt, die Fenster dreifachverglast. Statt der energiefressenden alten Lampen werden LED-Leuchten angebracht. Der Sitzungssaal und innenliegende Nebenräume werden belüftet, Brandschutztüren eingebaut. Die Heizung soll weniger Energie verbrauchen. Im Keller wird ein Blockheizkraftwerk eingebaut. Es erzeugt Strom und Wärme: Die Abwärme geht nicht verloren, sondern wird direkt in die Heizung oder Warmwasserversorgung des eigenen Gebäudes eingespeist.

Die öffentlichen Bereiche werden komplett barrierefrei: Im neuen Lift kommen die Steuerzahler künftig in die Finanzservicestelle (siehe unten); der alte Aufzug war altersschwach und nicht barrierefrei. Der Zugang dorthin und zum Sitzungssaal wird mit Bodenindikatoren ausgestattet – Rillen, Streifen oder Erhebungen, die sich farblich und haptisch vom restlichen Bodenbelag absetzen. Das Behinderten-WC wird umgebaut und künftig beidseitig mit einem Rollstuhl erreichbar sein. Türen, die zu öffentlichen Räumen führen, werden mit motorischem Antrieb ausgestattet.

Aus der Ferne konnte man in den vergangenen Wochen gut beobachten, wie die Dachdecker Stück für Stück vorankamen. Rechtzeitig vor dem Wintereinbruch ist das Dach des Altbaus so gut wie fertig; Thomas Eßmann und Mahmut Balta vom Architekturbüro Eßmann Gärtner Nieper lassen prüfende Blicke über das frisch gedeckte Dach walten. „Die Gebäudehülle wird energetisch geschlossen“, erläutert Melanie Hampl, Teamleiterin der Projektgruppe COME. „Deshalb erneuern wir auch die komplette Dachhaut.“ Das Dach wurde neu mit rotem Biberschwanz eingedeckt – das Dach leuchtet rot wie seit eh und je. Biberschwanz ist typisch für die Eindeckung eines solchen Gebäudes. Weil diese glatten Ziegel weniger Überlappung aufweisen wie zum Beispiel Falzziegel, wurden eine Konterlattung und eine diffusionsoffene Vordeckung eingebaut. Die Dachflächen sind gegen die benutzten Räume im Dachgeschoss gedämmt, ebenso ist die Zwischendecke wärmeisoliert.

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