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Fischers Fritz schmunzelt...

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Usingen (bur). Da hat auch der Vorsitzende des Fischereivereins Usingen zwei mal hingeschaut. PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), die große Tierschutzorganisation, hat Kontakt zu ihm aufgenommen - in dieser Woche. Denn Rainer Fritz und seine Mitstreiter locken am morgigen Sonntag nach der Corona-Pause wieder an ihr Vereinsheim am Hattsteinweiher zum Fischerfest.

Und, wie der Name es schon sagt: Es gibt Fisch. Backfisch aus Seelachs, um genauer zu sein. Und geräucherte Forellen. Und Würstchen. Kaffee und Kuchen - alles ab 10 Uhr.

Nicht aber, wenn es nach PETA geht. Also gefeiert werden können soll schon, aber in der veganen Variante. Und um den Verein zu motivieren, künftig Fische Fische sein zu lassen, bot PETA an, 500 Portionen veganes Sushi zu spendieren. Nach den Tierschützern geht es aber nicht, denn sie sind nun deutlich zu spät mit ihrem Angebot eingetrudelt. »Wir haben doch längst eingekauft, Plakate gedruckt und Werbung gemacht. Das kann ich doch jetzt nichts alles über den Haufen werfen«, sagte der Vorsitzende. Selbst die Aussicht, von PETA auch kostenlos Rezepte für vegane Kost zu erhalten, lockt die Fischer nicht so recht hinter dem Weiher hervor. »Das wäre was: Wir kündigen Backfisch an und verkaufen veganes Sushi. Da möchte ich mal die Gesichter unserer Fans sehen«, stellt Fritz schmunzelnd fest.

Ein Zeichen von Mitgefühl

Generell ist der Fischers Fritz von einem veganen Konzept nicht so recht überzeugt: »Wer Sushi will, geht sicher in entsprechende Restaurants.« Und überzeugte Sushi-Fans sind in der Mehrzahl sicher auch keine Freunde für einen Mix aus Gemüse, Sesam und Reis, was zu einer Paste angerührt wird und wie Fisch aussehen soll, sondern bevorzugen Lachs oder Thunfisch. Immerhin die Algenblätter sind bei der Variante original. Aber PETA zeigt auch Humor. Denn sollte der Verein auf das Angebot eingehen, müsste natürlich auch der Name geändert werden - in »Vischerfest«: V für Vegan, nicht für Vendetta.

PETA meint das Angebot tierernst, pardon, spinaternst, und wirbt für Ozeangeschmack ohne Fisch, denn: »Fische sterben für eine kurze Mahlzeit, dabei muss Fischgeschmack nicht von Tieren sein«, findet Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. »Werden Algen- und Gemüse-Sushi, pflanzliche Fischstäbchen oder vegane Lachsfilets auf dem Fest serviert, würden die Menschen aus Usingen unzählige Tierleben retten - das wäre ein großartiges Zeichen von Mitgefühl für alle Wasserbewohner und hätte bundesweite Vorbildfunktion.«

Und was ist mit Kuchen?

Keine Angebote gibt’s von PETA für die Würstchen oder gar die Kuchen - das müsste auch alles vegan sein, also Soja-Grundlage bei der Worscht, Eier- und Milch/Sahne-Ersatz bei den Kuchen. Auch das würde der Fischereiverein in den verbleibenden 24 Stunden nicht mehr organisiert bekommen. Fritz ist sich zudem sicher, dass die Gäste des beliebten Festes Fisch erwarten, keinen Fisch-Ersatz. »Deswegen haben wir ja so einen guten Zulauf. Es ist das einzige Fest hier, bei dem dieser besondere Fisch angeboten wird.« Was nicht bedeutet, dass die Fischer veganes Leben ablehnen - das Konzept wollen sie aber nicht übernehmen.

Dennoch ist das Ansinnen der Tierschutzorganisation nicht ohne Hintergrund, wenngleich bei einem solchen Fest eventuell eher deplatziert. Denn jährlich werden ein bis zwei Billionen Fische mit Netzen und Angelhaken gefangen und getötet. Mehr als 500 Milliarden Fische werden getötet, um aus ihnen Fischmehl und -öl für die Fütterung der 51 bis 167 Milliarden Fische herzustellen, die weltweit in Aquakulturen gezüchtet werden. PETA weist auch auf eine Umfrage hin, nach der 41 Prozent der 2103 befragten Personen mehr pflanzliche Fisch-Alternativen im Handel und der Gastronomie möchten. Stellt sich bei solch einem Ergebnis die Frage, warum der Marktanteil der Angebote nicht auf dem gleichen Wert steht. Nur rund 3,2 Prozent der Bürger leben derzeit vegan, 4,4 Prozent vegetarisch. Zum Fisch-Schutz könnte schon etwas mehr Genussbewusstsein helfen - frischer Fisch statt Fischstäbchen, und das seltener.

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