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Flucht aus der Ukraine endet in Neu-Anspach

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Sascha Poth mit seiner Freundin Genia und deren ältesten Tochter Mascha in seiner Wohnung in Neu-Anspach. © Red

Die Freundin des Neu-Anspachers Sascha Poth ist mit ihren Töchtern sicher in der Kleeblattstadt angekommen. Sie hat Schreckliches erlebt.

Neu-Anspach. Mit vier Personen und einem Hund ist es eng geworden in der Wohnung von Sascha Poth in Neu-Anspach. Doch der 46-Jährige ist froh, dass seine ukrainische Freundin Genia Rieznikova und deren beiden Töchter Dascha (5 Jahre) und Mascha (15 Jahre) jetzt bei ihm in Sicherheit sind. Schon einen Tag nach Kriegsausbruch hatte die 36-Jährige das Nötigste zusammengepackt und sich in Kiew im Auto, einem kleinen Daewoo, auf den Weg gemacht. Genias Eltern wollten zunächst zusammen mit ihr flüchten, sind dann aber geblieben.

Sechs Tage bis zur Grenze

Es sollte sechs Tage dauern, bis Genia und ihre Töchter an der Grenze waren. In der Zwischenzeit haben sie im Auto übernachtet bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius. Genug zu essen hatten sie zum Glück dabei. Nicht nur, dass Genia die einzige Fahrerin war, zehrte an ihren Kräften. Unterwegs erfuhren sie, dass der Patenonkel von Dascha im Dienst an der Waffe getötet wurde. Dazu kam die Angst um Verwandte und Freunde, die in der Ukraine geblieben sind, und die sie bis heute nicht loslässt.

Doch sie blieb stark, schaffte auch die Autofahrt bis nach Neu-Anspach. Poth hatte mehrere Tage im gepackten Auto bei Freunden in Lublin in Polen auf sie gewartet, um auf Abruf die letzten 100 Kilometer zur Grenze zu fahren und sie abzuholen und sicher nach Neu-Anspach zu eskortieren. Der Zusammenbruch mit anhaltenden Weinkrämpfen kam bei Genia erst in der Geborgenheit von Poths Wohnung. »Während der Flucht hatte ich keine Gefühle, ich musste einfach funktionieren und wusste nur, dass ich meine Kinder in Sicherheit bringen muss«, sagt Genia und ergänzt: »Ohne meine Kinder wäre ich in der Ukraine geblieben und hätte um unser Land gekämpft.«

Obwohl sie selbst gerade erst angekommen ist, gönnt sie sich keine Zeit, länger mit ihrem eigenen Schicksal zu hadern. Stattdessen hilft sie Verwandten und Freunden, die ebenfalls ihre Heimat verlassen. Und sie kämpft von hier aus für diejenigen, die in der Ukraine bleiben. »Nur die Politik kann Putin stoppen«, ist sich Genia sicher. Aber sie weiß: »Humanitäre Hilfe können wir alle leisten.«

Am besten private Unterkünfte

»Sie hat bei mir jetzt ihr Zuhause«, sagt Poth, der seine Freundin unterstützt. Per Mobiltelefon steht Genia in ständigem Kontakt mit Bekannten aus der Ukraine, lotst sie nach Frankfurt, um sie in der Nähe von Neu-Anspach unterzubringen. Es gehe auch darum, dass gewachsene persönliche Verbindungen auch hier in Deutschland bestehen bleiben, wenn schon alles andere entwurzelt ist. So vergeht kein Tag, an dem die beiden nicht jemanden vom Hauptbahnhof abholen. Poth sammelt bei Nachbarn und Bekannten Kleidung und sagt: »Das Wichtigste sind Unterkünfte, am besten private.«

Bekannte von Genia haben schon eine Wohnung in Usingen, Verwandte von ihr wohnen jetzt ebenfalls in Anspach. Eine weitere Familie hat vorübergehend bei Poth übernachtet und ist inzwischen in Rod am Berg untergebracht. »Das ist besser als große Sammelunterkünfte«, sind sich die beiden einig. Und Genias Töchter, die kein Deutsch sprechen, sind froh, wenn sie sich mit Landsleuten unterhalten können. »Sie können ja nicht den ganzen Tag mit dem Hund spazieren gehen«, so Poth.

Einsatz in NGO Women of Ukraine

Er und Genia versuchen außerdem, von hier aus den Ukrainern zu helfen. Genia ist Botschafterin der »NGO Union of Women of Ukraine« (UWU), eine Nichtregierungsorganisation mit 10 000 Mitgliedern, die sich für die Entwicklung und Unterstützung von Frauen und ihren Familien engagieren und jetzt dafür einsetzen, mit Lebensmitteln, Medikamenten, Grundversorgung und finanzieller Unterstützung zu helfen. Die Organisation hat ein Netzwerk von vertrauenswürdigen Menschen in der ganzen Ukraine, die sich bestens in dem vom Krieg betroffenen Gebieten auskennen. Das ermögliche Hilfe auch in den Städten und Orten, auch an der Ostgrenze zu Russland, die die großen Hilfsorganisationen, wie das Rote Kreuz oder Caritas, nicht erreichen. UWU hat hierfür ein Spendenkonto eingerichtet. Jede Spende wird ausschließlich für humanitäre Hilfe und keinesfalls für den Kauf von Waffen verwendet. Das Spendenkonto der »Union of Women of Ukraine« ist bei der Bank: JSC »Ukrsibbank«, SWIFT: KHABUA2K, USREOU code: 20065987, Account: UA26 3510 0500 0002 6003 8789 49582, Verwendungszweck: Spende.

Wer eine vorübergehende Unterkunft oder sogar für längere Zeit eine Wohnung anbieten kann, kann sich bei Sascha Poth melden per Mail unter sascha.poth@t-online.de oder per WhatsApp unter (01 63) 8 47 07 08.

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