Die Flucht der Familie Nuri

Die kleine Nasila sitzt auf dem Schoß ihres Papas in dem bescheidenen Köpperner Wohnzimmer. Sie trägt ein Kleidchen mit Schmetterlingen und Blumen und kaut gedankenverloren auf einem Kaugummi herum.

Die kleine Nasila sitzt auf dem Schoß ihres Papas in dem bescheidenen Köpperner Wohnzimmer. Sie trägt ein Kleidchen mit Schmetterlingen und Blumen und kaut gedankenverloren auf einem Kaugummi herum. Zwei Jahre und sieben Monate alt ist das Mädchen. Das Kind wurde, wie seine Brüder Nazir (7) und Nasir (5) in Afghanistan geboren.

„Meine Eltern und zwei meiner Brüder sind durch Kampfhandlungen in Afghanistan gestorben“, sagt Familienvater Azim Nuri (42). Zum Beweis für die deutschen Behörden hat er Fotos von der Leiche seines Bruders dabei und von der Sterbeurkunde. Während seine Frau, eine geschickte Näherin, in der afghanischen Stadt Baghlan lebte, arbeitete er in einem Restaurant in Pakistan. Aber die Lage in Afghanistan sei immer gefährlicher geworden. Abgesehen davon, dass er schon als 13 Jahre alter Jugendlicher zwei Mal von Landminen verletzt worden sei. Seine Hände kann er seitdem nicht mehr richtig bewegen. Die Familie jedenfalls beschloss, Afghanistan zu verlassen und ging in den Iran. „Dort war es schwer, Job und Wohnung zu finden“, berichtet er. Die Familie habe sich deshalb an die dortigen Behörden gewandt. Die Antwort sei gewesen, die Familie könne eine Wohnung bekommen, unter der Bedingung, dass der Vater für den Iran in den Krieg ziehe, nach Syrien. Da floh die Familie nach Deutschland. Zwei Monate war sie unterwegs. Baby Nasila hatte sich der Vater vor den Bauch gebunden, seinen jüngeren Sohn trug er auf den Schultern. Seine Frau Bebuni (29) und der ältere Sohn mussten laufen, sehr viel laufen. Ihr Weg führte sie über die Türkei und Griechenland, durch Mazedonien und Serbien nach Ungarn und Österreich. Am 15. September 2015 schließlich kamen die Nuris in Deutschland an. Zuerst waren sie in einem Erstaufnahmelager in Hanau untergebracht, am 30. November 2015 konnte sie in eine Friedrichsdorfer Asylbewerberunterkunft ziehen. Am 22. November 2016 erhielt die Familie das Bleiberecht. Seit 1. März wohnt sie in einer Wohnung in Köppern – und erwartet Nachwuchs. In wenigen Tagen sollen Nasila, Nasir und Nazir ein Brüderchen bekommen. cg

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