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Philipp-Reis-Schüler präsentieren im Heimatmuseum die Ergebnisse ihrer Projekttage.

Philipp-Reis-Schule

Flucht aus der Heimat: Wenn sich Menschen auf den Weg machen

Bei einem Kooperationsprojekt der Philipp-Reis-Schule mit den beiden Friedrichsdorfer Museen lernten Hauptschüler viel über die Geschichte.

Die Hugenotten wurden vor mehr als 300 Jahren wegen ihres Glaubens in Frankreich verfolgt, viele von ihnen flohen nach Deutschland. Hier wiederum waren, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert, ebenfalls Frauen und Männer verfolgt worden, nicht weil sie protestantisch waren, wie die Hugenotten, sondern weil man sie für Hexen hielt. Um Weggehen und Ankommen geht es beim Schulprojekt „Migration und Integration“, einem Kooperationsprojekt der Philipp-Reis-Schule mit den beiden Friedrichsdorfer Museen. 25 Schüler der Klasse 8 h des Hauptschulzweigs haben drei Tage lang ein Thema zur Friedrichsdorfer Migrations-Geschichte erarbeitet. Am letzten Projekttag stellten sie ihre Projektergebnisse im Seulberger Heimatmuseum vor.

„Die Kooperation mit der Schule besteht schon seit einigen Jahren“, berichtet Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich, die das Projekt koordiniert. In Vierer-Gruppen beschäftigen sich die Schüler mit Texten aus dem Stadtarchiv und führen Interviews mit Zeitzeugen oder Spezialisten. Angeleitet wurden die junge Leute von Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins.

Die Hugenotten-Gruppe arbeitete unter der Regie von Barbara Kuhn im Philipp-Reis-Haus, wo auch eine Hugenotten-Abteilung zu finden ist. Denn Friedrichsdorf wurde von französischen Glaubensflüchtlingen gegründet. Der Homburger Landgraf hatte ihnen Asyl gewährt und ein Stück Land geschenkt. Ulrike Brossog unterdessen berichtete ihren Schülern von den Esskastanien, die Römer hier eingeführt haben. Die jungen Leute lernten die römischen Ziffern kennen und sie stellten den römischen Frischkäse-Brotaufstrich Moretum her. Mit dem Thema Gastarbeiter und Arbeitsmigration beschäftigte sich eine Gruppe unter der Leitung von Brigitte Arnold. Interviewpartner war der Friedrichsdorfer Teppichhändler Hadi Farzian.

Beim Thema Hexenverfolgung hörten die Schüler die Geschichte der Seulbergerin Anna Becker, der es gelang, aus dem Gefängnis im Bad Homburger Rathausturm zu fliehen. Sie seilte sich ab und rettete sich in den Rheingau. Trotzdem ging die Geschichte schlecht aus, denn sie kehrte zurück, weil sie ihre Kinder wiedersehen wollte – und wurde erneut gefangengenommen. Jessica Schmittner betreute diese Gruppe. Vom übereifrigen Pfarrer Zahnius und den Hexenkindern von Seulberg berichtete Uschi Flacke den Schülern. Sie hatte dem Thema einen historischen Roman gewidmet.

Interviewpartner für die Gruppe „Heimatvertriebene von 1944 an“ war Alfred Mück vom Bund der Vertriebenen. Alexander Weisgerber leitete hier die Schüler an. Das Thema Judenverfolgung bearbeitete eine Gruppe unter der Regie vom Erika Kühlmeyer und Erika Becker. Die jungen Leute durften den Lokalhistoriker August Will aus Köppern befragen. „Er kannte eine jüdischen Familie, deren Mitglieder in der Nazizeit fliehen mussten“, berichtet Dittrich.

Beliebt: Rätsel und Bilder

Doch nicht nur die Schüler erfahren bei ihrem Museums-Besuch Neues. „Wir als Museum lernen, welche Themen und Inhalte junge Leute interessieren und welche Methode zur Wissensvermittlung besser, und welche schlechter geeignet ist. Die Erfahrungen fließen zudem in die Hessische Museumsarbeit ein“, so Dittrich, die auch Vorsitzende des Arbeitskreises Wissenschaftler an hessischen Museen ist.

„Texte in einfacher Sprache lohnen sich kaum“, berichtet sie. Wer nicht gerne lese, für den seien spielerische Elemente wie Rätsel und Medienstationen mit Bildern und kurzen Filmen interessanter. „Bildunterschriften werden gern gelesen.“ Texte mit kurzen Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen dagegen verschreckten Museumsbesucher, die tiefergehende Informationen erwarteten.

von CHRISTIANE PAIEMENT-GENSRICH

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