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Dieses Foto aus dem Jahr 1899 zeigt die Klasse mit ihrem Lehrer Karl Walter Bender vor der alten Schule, die heute noch existiert. Repro: Appel

Historisch

Folge des plötzlichen Todes des Vaters: Wie ein 15-Jähriger Lehrer wurde

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In welche Schule die Laubacher Kinder gehen mussten, hing davon ab, ob sie links oder rechts des Bachs wohnten. Es ist ein Kuriosum des zweigeteilten Dorfes. Doch es gab noch ein weiteres.

Eine Kuriosität in Laubach ist die Teilung des Ortes in zwei Seiten: Die Kirchspieler (rechts des Laubachs) und die Stockheimer Seite (links des Laubachs). Beide Seiten unterstanden zwei verschiedenen Herrschaften. Und diese politische und kirchliche Trennung wirkte sich auch auf die Schule aus. Demnach gingen die Kinder der Kirchspieler Seite in die Kirchspielschule nach Grävenwiesbach, die wohl nach der Reformation (1517 – 1648) errichtet worden war. Ab 1685 mussten sie nach Heinzenberg laufen.

Die Eltern, die auf der Stockheimer Seite wohnten, schickten ihren Nachwuchs ab 1669 nach Niederlauken, wo die Schüler vom amtierenden Kaplan unterrichtet wurden. Aus alten Schriften ist zu erfahren, dass die Laubacher 1701 einen eigenen Schuldiener im Dorf haben wollten. Doch daraus wurde erst einmal nichts, weil die beiden Dorfseiten sich nicht einigen konnten. Hintergrund waren die Schulgebühren, die nach wie vor an die Kirchspieldörfer gezahlt werden sollten. 20 Jahre später hat es dann doch geklappt und 1721 zog Johannes Weigel aus Langenbach als erster Lehrer im Dorf ein. Die Einwohnerzahl lag damals bei etwa 200.

Wie auch in den meisten anderen Dörfern des Usinger Landes waren die Schulverhältnisse nicht befriedigend. Die Ausbildung der Lehrer war schlecht. Meist handelte es sich um Lehrersöhne, die sich das Unterrichten von ihren Vätern abgeschaut hatten. Und hier kommen wir zum nächsten Kuriosum in der Laubacher Geschichte – einem knapp 15-jährigen Lehrer. Johann Conrad Wölfinger war gerade 14 Jahre und 10 Monate alt, als sein Vater starb. Dieser war Lehrer in Laubach und der plötzliche Tod des Vaters führte dazu, dass der Sohn vom 10. Januar 1752 bis zum 21. Februar 1752 die Kinder, teils im selben Alter wie er, weiter unterrichtete.

Doch zurück zu den schlechten Schulverhältnissen: Vielfach mussten Lehrer nebenher noch ein Handwerk ausüben, weil der Sold für den Unterricht zu gering war, um davon leben zu können. Unterricht fand aus diesem Grund nur im Winter statt. Und ein eigenes Schulhaus gab es anfangs auch noch nicht. Einen Vorteil hatte es allerdings, Lehrer zu sein: Er brauchte keine Frondienste leisten.

Aus dem Jahr 1751 wird berichtet, dass auch Kinder der Gemündener Kirchspieler Seite nach Laubach in die Schule gingen. 1783 bekam das Dorf endlich seine eigene Schule, 62 Jahre nachdem der erste Schulmeister ins Dorf eingezogen war. Der letzte Lehrer von Gemünden war gerade gestorben und der Unterricht fiel aus, da es keinen Ersatz gab. Aus dieser Not heraus entschlossen sich Laubach und Gemünden nach langen Verhandlungen, ein gemeinsames Schulhaus in Laubach zu bauen. Die Kosten wurden zu zwei Drittel von Laubach und zu einem Drittel von Gemünden übernommen.

Im Erdgeschoss befand sich das Schulzimmer und ein Flur, im ersten Stock eine kleine Lehrerwohnung. Das Gebäude wurde am 25. Juli 1783 eingeweiht.

1839 baute Gemünden eine eigene Schule und der Verband der beiden Dörfer wurde nach 56 Jahren aufgelöst. Die 46 Laubacher Kinder blieben in ihrer Schule am Ort. Die entsprach bald nicht mehr den Anforderungen, weshalb 1864 die Grundsteinlegung für das neue Schulgebäude erfolgte, das am 27. August 1865 eingeweiht wurde. Diese Gebäude steht noch heute. Es erhielt 1889 einen neuen Turm und eine Uhr, die 650 Mark kostete, und eine neue Glocke für 698,48 Mark. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der Schulbetrieb in Laubach relativ unverändert. Allerdings tauchte zu dieser Zeit die erste Lehrerin in der Laubacher Schulgeschichte auf: Fräulein Zilm (1944 – 1945). Zuvor gab es nur männliche Lehrer. Allein in der 1819 entstandenen Industrieschule durften auch Lehrerfrauen und Frauen aus dem Dorf unterrichten, nämlich Handarbeit.

Ab 1946 wurde eine zweite Klasse eingerichtet, wobei zunächst im Schichtbetrieb unterrichtet wurde. Erst 1951 kam ein zweites Klassenzimmer dazu. Im Juli 1967 wurde die Schule aufgelöst, die Grundschüler gingen zunächst nach Niederlauken, dann nach Rod an der Weil, heute werden sie Grävenwiesbach unterrichtet.

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