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„Pendler werden vergrault“: Wut im Taunus wegen erwartetem Bahn-Chaos

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Von: Harald Konopatzki

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Noch hat die Taunusbahn die Nase vorn, wenn es um die Zugverbindungen von Bad Homburg ins Usinger Land geht. Doch die S-Bahn liegt sinnbildlich in Lauerstellung. Fotos: Pieren
Drei monatelang fahren S5 und Taunusbahn nur mit massiven Einschränkungen. Im Hochtaunuskreis hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. (Archiv) © Pieren

Im Hochtaunuskreis reagieren Politik und Bürger mit Unverständnis auf die geplanten dreimonatigen Einschränkungen im Bahnverkehr Richtung Frankfurt.

Bad Homburg/Frankfurt -Dass es für Menschen aus weiten Teilen des Hochtaunuskreises in den kommenden Monaten wesentlich komplizierter wird, mit dem ÖPNV nach Frankfurt zu kommen, führt zu harschen Reaktionen bei Bürgern und Politik. Während sich die Kommentarspalten auf den sozialen Netzwerken munter füllen, fordert unter anderem die CDU/SPD-Koalition eine "Verbesserung des Notfallfahrplans der S5". Eigentlich sieht man sich in der Kurstadt als künftiger Bahn-Knotenpunkt und wartet bereits auf mehrere Projekte: Regionaltangente West, Elektrifizierung der Taunusbahn, Verlängerung der Regionalbahn von Friedberg in die Kurstadt. Nicht zu vergessen: die Verlängerung der U-Bahn von Gonzenheim zum Bahnhof.

Stattdessen gibt es - vermutlich bis Oktober - weitere massive Einschränkungen durch die im Januar beschädigte Bahnbrücke über die Autobahn zwischen Steinbach und Rödelheim. Im Zuge der Arbeiten sollen die Züge der S5 während der nächsten drei Monate nur auf einer verkürzten Strecke fahren.

Doppelter Umstieg zwischen Frankfurt und Taunus ist „erhebliche Erschwernis“

"Der in diesem Zusammenhang geplante zweimalige Umstieg für alle Fahrten zwischen Bad Homburg und Frankfurt-West (oder darüber hinaus) in Oberursel und Frankfurt-Rödelheim vom 2. Juli bis zum 30. September ist für die Pendler aus Bad Homburg, Friedrichsdorf und dem Usinger Land so nicht tragbar. Gerade für Fahrgäste aus dem Usinger Land, die ohnehin in Bad Homburg umsteigen müssen, bedeuten zwei weitere Umstiege eine erhebliche Erschwernis", resümiert der mobilitätspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dr. Roland Mittmann. Denn auch viele Direktfahrten der Taunusbahn nach Frankfurt sind vorerst gestrichen.

In den Augen der CDU/SPD-Koalition sei daher wichtig, diesem Umstand schnell entgegenzuwirken. Daher werde man im nächsten Mobilitätsausschuss am Mittwoch, 6. Juli, einen Antrag einbringen und den Magistrat bitten, sich bei den für den Notfallfahrplan der S5 verantwortlichen Behörden und Institutionen dafür einzusetzen, dass die S5 auch in den kommenden drei Monaten durchgehend zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und dem Bad Homburger Bahnhof verkehrt. "Sollte ein Umstieg in Frankfurt-Rödelheim zwingend nötig sein, wäre zumindest eine Verlagerung des Umsteigeortes von Oberursel nach Bad Homburg das Ziel. In jedem Fall sollte die lange Umsteigezeit in Fahrtrichtung Frankfurt in Oberursel deutlich reduziert werden," so Mittmann abschließend.

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SPD-Fraktionschef Tobias Ottaviani sieht ein fatales Signal: "Nach Einführung des 9-Euro-Tickets sollte die Nutzung des ÖPNV erleichtert und vor allem bezahlbar werden. Die Planungen erwirken nun das Gegenteil", kritisiert er. Für viele Menschen in Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis - unter anderem Pendler und Studierende - sei die Anbindung durch die S5 essenziell und notwendig. "Selbstverständlich müssen die Baumaßnahmen durchgeführt werden. Jedoch erschließt es uns nicht, warum Bad Homburg nach Oberursel nicht direkt befahren wird." Der SPD sei ein attraktiver Nahverkehr wichtig "und daher werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, um die Planungen zu verändern".

Einen der Hebel könnten die Bad Homburger Genossen direkt in Wiesbaden ansetzen. Denn auch Landtagsabgeordnete Elke Barth hat sich in der Sache zu Wort gemeldet und bezeichnet die "erneute Verschlechterung des S-Bahn Verkehrs im Hochtaunus" als "unzumutbar!". Barth fordert die Landesregierung auf, "alles zu unternehmen, um diese schlechteste aller Lösungen zu verhindern". Etliche Pendler würden so gezwungen, wieder den Individualverkehr zu nutzen.

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Sie erinnert daran, dass der Takt seit Anfang des Jahres ausgedünnt wurde. "Neben der Tatsache, dass seitdem jede zweite Bahn entfällt, sind zudem häufige Verspätungen die Folge. Erst sollte der Schaden im Mai behoben sein, einen Zeitplan der aufgrund von Materialengpässen für die Brückensanierung nicht gehalten werden konnte, so dass die unzulängliche Situation noch bis Ende September andauern sollte", kritisiert Barth.

Eigentlich bedeutet das runde Schild am Bad Homburger Bahnhof "Durchgang verboten". Angesichts der anstehenden Einschränkungen im Bahnverkehr lässt sich aber auch gut ein resigniertes Schulterzucken erkennen. Foto: Konopatzki
Eigentlich bedeutet das runde Schild am Bad Homburger Bahnhof "Durchgang verboten". Angesichts der anstehenden Einschränkungen im Bahnverkehr lässt sich aber auch gut ein resigniertes Schulterzucken erkennen. Foto: Konopatzki © hko

Nun komme es "knüppeldick", damit werde "wirklich der letzte Pendler vergrault". Auch sei es, so Barth, "wohl ein Treppenwitz", eine höhere Pünktlichkeit als Begründung anzuführen, wenn man dafür zusätzlich zwei bis drei Mal umsteigen müsse, was auf dem Weg nach Frankfurt zu einer satten Fahrtzeitverdopplung führe, auf dem Rückweg immerhin noch elf Minuten länger dauere. Einzig der von der Bahn angeführte höhere Sicherheitsaspekt sei eine ernstzunehmende Begründung. Es müsse jedoch andere Möglichkeiten geben, die Sicherheit der Fahrgäste weiter zu gewährleisten, ohne eine derartige Geduldsprobe.

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Auch die Friedrichsdorfer FWG fordert die Bahn zum Umdenken auf. Die Linienunterbrechung sei "inakzeptabel", heißt es in einer Mitteilung. "Wir verstehen, dass Unfälle passieren und die Beschaffung von Baustoffen schwierig sein kann. Für weitere Einschränkungen haben wir indes kein Verständnis", beklagt FWG-Fraktionschefin Claudia Schlick. "Wie kann man mehrfaches Umsteigen und eine Verdopplung der Fahrzeit als einen Mehrwert an Zuverlässigkeit verkaufen?", entrüstet sich Schlick. Die Befahrung mit nur einem Pendelzug auf einer eingleisigen Strecke möge zwar den Verkehr sicherer machen, die Bahn scheue jedoch wohl eher den bisherigen höheren Personal- und Zeitaufwand, der ohne den Pendelzug entstehen würde, mutmaßt sie. Anstatt Fahrgäste in Oberursel 24 Minuten auf den Anschluss nach Rödelheim warten zu lassen, könnte man die S-Bahn in Friedrichsdorf später losfahren lassen. Das könnte die Fahrzeit um rund 20 Minuten verkürzen, so der FWG-Vorsitzende und Stadtverordnete Jens Witte.

Man fordere die Bahn auf, die Planungen rückgängig zu machen. Zudem solle über eine Entlastung der Pendler gesprochen werden, etwa durch eine Wiederaufnahme des 15-Minuten-Taktes bis Oberursel, um eine direkte Anbindung an die U 3 zu schaffen. Auch ein Schnellbus könne zur Entlastung beitragen. (Harald Konopatzki)

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