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Die kranke Emilia lässt sich von Claudia Zwermann verwöhnen.

Tierhof

Hier grasen Pferde, Ziegen, Schafe und hüpfen Kängurus

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Wer von Eschbach kommend die Ortsgrenze von Wernborn erreicht, der trifft meist, je nach Tageszeit und Wetterlage, auf einen für den Taunus eher ungewöhnlichen Anblick: Zwischen Pferden, Ziegen, Schafen und Eseln grasen zudem Alpakas und Kamele. Dazwischen hüpfen sogar munter Kängurus umher.

Ein Besuch bei Claudia und Uli Zwermann, den Eigentümern des von rund 200 Tieren bevölkerten Hofes am Ortsrand, erinnert an den Besuch eines Zoos. Oder an die Arche Noah. Empfangen von einer freundlichen Hundemeute passiert man zuerst ein Gebäude, in dem penibel beschriftete Eimer mit Gemüse, Brot oder Körnermischungen aufgereiht stehen. Die Mahlzeit der Tiere ist dort schon vorbereitet. Dahinter reihen sich Volieren mit Papageien und der Unterstand für Hängebauchschweine aneinander. Inmitten des geräumigen Hofes wird ein kleiner Teich von verschiedenen Enten bevölkert, drum herum schieben laut schnatternde Gänse Wache.

Ungeplanter Zuwachs

Im von weiteren Stallungen umgebenen Hof wartet eine kleine Schar Esel. Das tierliebe Paar vom Gnadenhof „Casa Zwermann“ hat nämlich zu all den betagten oder heimatlos gewordenen Eseln, die nun in Wernborn ihr Gnadenbrot erhalten, vor einiger Zeit einen Hengst in Pflege genommen. „Sein vorheriger Besitzer fand es nicht nötig, ihn zu kastrieren“, erklärt der Hausherr den darauf folgenden ungeplanten Zuwachs an Jungtieren.

Zwar ungeplant, aber alles andere als unerwünscht half das Paar der Eselin Bruni durch die Tragzeit und die Geburt. Der jüngste Zuwachs kam im Januar dieses Jahres auf die Welt. Zum Andenken an seine zur selben Zeit verstorbene Mutter gab Uli Zwermann dem Neugeborenen den Namen Bärbel. Emilia indes erblickte schon im März vergangenen Jahres das Licht der Welt – mit einem Loch im Herzen. „Es hat lange gedauert, bis wir dahinter kamen, warum sie dauernd kränkelte“, sagt Claudia Zwermann. Nun aber bekomme Emilia Medikamente, und ihr Herz werde alle drei Monate in der Tierklinik der Gießener Unikliniken kontrolliert. „Dafür haben wir uns eigens einen Pferdeanhänger gekauft.“

Die kranke Emilia lässt sich von Claudia Zwermann verwöhnen.

Emilia scheint von dem Aufwand, den sie ihren Besitzern beschert, nichts zu ahnen. Munter wie die anderen Esel stapft sie auf dem Hof umher und hält vor allem nach Spielzeug Ausschau. Dem Reißverschluss einer Jacke etwa oder dem losen Gurtende einer Tasche kann das Tier nicht widerstehen. Als ob man in einem Kindergarten gelandet wäre, wird man von der Eselschar umzingelt und zum Mitspielen aufgefordert.

Dabei sind Bärbel und Emilia mit ihren Müttern sowie einer Eselin, die vor kurzem eine Fehlgeburt hatte, von den anderen Eseln abgeschottet. So haben sie ihre Ruhe vor der übrigen Herde. Vier Esel der vom Aussterben bedrohten Rasse Poitou sowie acht weitere Grautiere genießen ihr Dasein inzwischen auf der Weide mit Alpakas, Kamelen, Ziegen und Schafen. Gut geht es ihnen allemal, wie selbst für Laien ersichtlich ist. Keines der Tiere reagiert argwöhnisch, wenn sich ihnen Menschen nähern. Im Gegenteil, sobald sie die Stimmen von „Herrchen“ oder „Frauchen“ vernehmen, kommen sie flugs herbeigetrottet oder gerannt. Das gilt für alle Vierbeiner. Bloß manche Vögel benehmen sich laut, aber auch nur, weil das in ihrer Natur steckt.

Ersten Esel mit 16

Uli Zwermann hatte schon als Kind eine besondere Affinität zu Tieren, besonders zu Eseln. „Den ersten hab ich mir mit 16 Jahren gekauft“, erzählt der Gärtnermeister. Das Tier sei 37 Jahre alt geworden. Jetzt ist Benjamin, den er im Alter von einem Jahr erstand und der nun ebenfalls schon die 30 überschritten hat, sein liebster Vierbeiner.

Dem Ehepaar ist nur das eine wichtig. „Dass es den Tieren gut geht.“ Das funktioniert, weil beide dazu bereit sind, ihre Freizeit neben ihren Festanstellungen komplett den Bewohnern ihrer Arche zu widmen. Und weil jeder Schritt, jeder Handgriff praktisch minutiös sitzt. „Sonst wäre das alles nicht zu schaffen“, sagt Claudia Zwermann.

Etliche Helfer unterstützen das Paar ehrenamtlich wie beispielsweise Peter Sommerlad, der täglich auf den Hof kommt. Vom Bachbäcker und vom Usinger Rewe-Markt gibt’s zudem Brot- und Gemüsespenden. „Ein paar Sponsoren haben wir auch“, sagt Zwermann. „Manchmal wünschte ich, es wären mehr.“

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