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Der ehemalige Revierförster Hans-Jörg Sommer (Mitte) machte auf die massiven Schäden durch Borkenkäfer an unzähligen Fichten im Wald zwischen Dillingen und Köppern aufmerksam. 

"Buche kann Wasserbedarf nicht decken"

Unzählige Buchen sterben an der Trockenheit - und der Wald hat zwei weitere Probleme 

Wie steckt der Wald den Klimawandel weg? Welche Auswirkungen haben die heißen Sommer mit zu wenig Niederschlag schon jetzt? Diesen Fragen ging der ehemalige Revierförster Hans-Jörg Sommer nach.

Friedrichsdorf - Das Experiment, zu dem Hans-Jörg Sommer die Teilnehmer seiner Waldführung auffordert, ist einfach und aufschlussreich zugleich: "Reiben Sie Ihre Hände und berühren Sie die unterschiedlichen Baumstämme. Dann sagen Sie mir, welche der Baumrinden sich kalt anfühlt." Der ehemalige Friedrichsdorfer Revierförster ist im Königsteiner Forstamt für Naturschutz zuständig. Er hatte zur Führung unter dem Motto "Unser Wald im Klimawandel" eingeladen.

Friedrichsdorf: Buche leidet unter Trockenheit 

Über 20 Interessierte haben sich angeschlossen. Der Rundgang, der die Gruppe in den Wald zwischen Dillingen und Köppern führt, ist Teil des umfangreichen Programms der Friedrichsdorfer Umweltwoche, die das städtische Umweltamt gemeinsam mit dem Institut zur Nachhaltigkeit organisiert hat.

"Der Baum, der sich kalt anfühlt, ist die Buche", verrät Sommer. "Die Rinde fühlt sich kalt an, weil die Buche der einzige Baum ist, der über den Stamm Wasser verdunstet." Diese Eigenart werde der Buche, die als heimischer Baum unsere Wälder dominiere, zum Verhängnis: "Durch den zweiten extrem trockenen Sommer in Folge hat sie einen besonders hohen Wasserbedarf, den sie nicht decken kann." Das sei ein großes Problem.

"Oberhalb des Kirdorfer Feldes stirbt der Wald", stellt Sommer fest. Wenn die Buche unter den heißen Temperaturen und der andauernden Trockenheit leide, müsse man sich auf die Suche nach Alternativen machen. "Unser Ziel muss sein, für die kommenden Generationen Bäume in möglichst großer Auswahl zu pflanzen, die es in einem geänderten Klima schaffen können", meint Sommer.

Eiche steckt Klimawandel besser weg 

Doch gibt es überhaupt so etwas wie einen klimastabilen Wald? "Prognosen sind schwierig; es weiß ja auch keiner genau, wie es mit dem Klima weitergeht", sagt er. Dennoch müssten Förster jetzt waldbauliche Entscheidungen in Sachen Baumartenwahl treffen, die langfristig wirkten.

Wie es mit der Eiche aussehe, will ein Teilnehmer wissen. "Die Eiche schafft es im Moment gerade noch, da deren Wurzeln etwas tiefer in die Erde gehen als die der Buche", antwortet der Forstexperte. "Doch die Frage ist, ob die Eiche es auf Dauer schafft, sich zu regenerieren, wenn auch die künftigen Sommer trocken und heiß werden." Welche Baumart eine Option wäre? "Die Esskastanie beispielsweise kommt mit Trockenheit wunderbar zurecht", so Sommer.

Aber: "Die Dürre ist das eine, das andere sind aber Krankheiten und vor allem Insektenbefall", schildert Sommer. "In diesem Jahr gibt es wieder Massen von Borkenkäfern." Beim Rundgang macht er vor einem großen Waldstück auf dem Hauptwaldweg zwischen Dillingen und dem Köpperner Waldkrankenhaus Halt. Die Stämme der Fichten sind, so weit das Auge reicht, mit roter Farbe markiert. "Die Bäume müssen alle gefällt werden", sagt Sommer. "Bis sie geerntet sind, werden viele weitere dazukommen, die jetzt noch gar nicht markiert sind." Denn durch Hitze und Trockenheit sei die Borkenkäferpopulation rasant gestiegen.

Friedrichsdorf: Krankheit und Insekten weitere Probleme neben Trockenheit

"Fichten im Umkreis von bis zu 800 Meter werden in diesem Stück Wald gefällt werden müssen." Es gebe in diesem Jahr gleich mehrere Generationen der Käfer, die sich am liebsten durch die Rinde der Fichten fressen. "Die Hitze verhindert zudem, dass die Fichten Harz produzieren. So haben die Borkenkäfer leichtes Spiel, markieren den Baum mit ihrem Botenstoff und locken so andere Borkenkäfer an", schildert Sommer den Teufelskreis. Nach dem Fällen der Fichten werde es auch in diesem Abschnitt des Waldes eine große freie Fläche geben - so wie auch schon ein Stück weiter unten in Richtung Köppern. "Oder denken Sie an die riesigen Freiflächen, die es im Wald unterhalb des Herzbergs in Bad Homburg gibt. Das ist eine richtige Katastrophe", sagt Sommer.

Beim Anlegen neuer Baumkulturen werde es künftig nicht nur um die Frage gehen, welche Baumsorten man pflanzen könne. "Eine Herausforderung wird auch der ausgetrocknete Boden sein." Einen Lichtblick gebe es dennoch: "Die Taunus Sparkasse plant, mit ihren Mitarbeitern einen ,Social Day' durchzuführen und möchte an der großen Freifläche Richtung Waldkrankenhaus Eichen pflanzen." Doch da dort vorher Fichten standen, werde man darüber nachdenken müssen, wie man dann die Eichen vor Wild schütze. Entweder müsse eine Zaun gebaut werden. "Oder man schießt mehr Rehe." Denn für sie seien junge Eichen ein Leckerbissen.  Von Katja Schuricht

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