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Die alten Philipp-Reis-Schul-Gebäude werden bald einer Wohnsiedlung weichen. An der Stelle der Sporthalle (rechter Bildrand) soll ein Parkplatz gebaut werden.

Altes Schulgebäude können abgerissen werden

In Friedrichsdorf entsteht eine neue Wohnsiedlung für rund 200 Menschen

Wohnraum für rund 200 Menschen soll auf dem 33 000 Quadratmeter großen Areal „Hoher Weg Süd“ entstehen. Die alten Schulgebäude dort können jetzt endlich abgerissen werden. Einem Vorschlag, dort auch Sozialwohnungen zu bauen, folgte das Stadtparlament nicht.

Friedrichsdorf - Geschafft: Das alte Philipp-Reis-Schul-Gelände darf bebaut werden. Am Donnerstag verabschiedete das Friedrichsdorfer Stadtparlament mit großer Mehrheit den Städtebaulichen Vertrag und den Bebauungsplan für das 33 000 Quadratmeter große künftige Wohngebiet „Hoher Weg Süd“. Das heißt auch, dass die hässlichen Ruinen der früheren Schulgebäude endlich abgerissen werden können.

Wohnraum für 196 bis 258 Menschen soll dort entstehen. Gebaut wird das neue Stadtviertel von der BPD-Immobilienentwicklungs GmbH aus Frankfurt. Sie hat das Areal vom Hochtaunuskreis, dem das Schulgelände gehörte, gekauft. Insgesamt 30 Gebäude mit 85 bis 112 Wohneinheiten sind vorgesehen. Und zwar 17 Einzel- und Doppelhäuser (für je eine oder zwei Familien), 8 Reihenhäuser (für je eine Familie) und drei Mehrfamilienhäuser (mit insgesamt 60 bis 70 Wohneinheiten). Auf der Fläche der alten Schul-Turnhalle soll bis Ende Oktober 2023 ein Parkplatz entstehen.

Bebauungsplan und Vertrag hätten eigentlich schon 2017 beschlossen werden sollen. Bereits seit Beginn 2012 ist die Schule in den neuen Gebäuden an der Färberstraße. Aber dann gab es Probleme mit dem Lärmschutz. Die künftigen Bewohner der geplanten neuen Häuser müssen nämlich vor dem Schwimmbad-Lärm von nebenan geschützt werden. Dafür sollten die Stadtverordneten dem Bau einer Mauer zustimmen, die quer durchs Freibad gebaut werden sollte. Acht Meter hoch und 50 Meter lang sollte sie sein. Die Alternativ-Mauer entlang des Mirabellenweges wäre noch schlimmer gewesen: 55 Meter lang und 14 Meter hoch.

Aber dann hatten die Friedrichsdorfer unerhörtes Glück: Ein Bundesgesetz zum Lärmschutz wurde geändert und beseitigte sämtliche Mauer-Pläne. Der Lärmschutz in der Mittagsruhezeit von 13 bis 15 Uhr an Sonn- und Feiertagen gilt zwar noch. Jetzt sind aber dafür bauliche Maßnahmen direkt an den Häusern möglich. Dazu gehören verglaste Balkone und Fenster, die nicht geöffnet werden dürfen.

Einen Ergänzungsantrag zum Städtebaulichen Vertrag hatte der Stadtverordnete der Linken, Dirk Hoff, auf die Tagesordnung setzen lassen. Er wollte darin eine Verpflichtung für den Investor festschreiben lassen, wonach dieser auf dem Areal 20 Prozent bezahlbaren Wohnraum hätte schaffen müssen.

9,78 Millionen Euro

In seiner Begründung trug er vor, der Hochtaunuskreis habe 9,78 Millionen Euro an Einnahmen aus dem Verkauf des Geländes in seinem Haushalt eingeplant. Bei ähnlichen Immobilien-Verkäufen habe die große Koalition auf Kreisebene die Investoren dazu verpflichtet, jeweils 20 Prozent bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Als Beispiele nannte der das Altes Kreiskrankenhaus und die frühere Georg-Kerschensteiner-Schule in Bad Homburg sowie das alte Krankenhausgelände und die ehemalige Konrad-Lorenz-Schule in Usingen. In Friedrichsdorf gebe es eine Warteliste mit 376 Einwohnern, die ein Anrecht auf geförderten Wohnraum hätten, so Hoff weiter. Die Anzahl der Sozialwohnungen in der Stadt sei dagegen in den vergangenen 15 Jahren um 86 gesunken. Zudem sprach sich Hoff, beim Thema Bebauungsplan, für mehr Geschosswohnungsbau aus. Die geplanten Häuser könnten sich, „bei 4000 Euro pro Quadratmeter wie in der Ökosiedlung“, nur die wenigsten Menschen leisten. Der Plan sei nur auf Gewinnmaximierung des Investors ausgerichtet. Für beide Themen fand der Politiker jedoch keinen Unterstützer.

Zuvor hatte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) erklärt, bei der Zusage an den Kreis, dass das Gelände mit Wohnhäusern bebaut werden dürfe, sei damals kein sozialer Wohnungsbau vorgesehen gewesen. Denn die Zusage liege schon sehr viele Jahre zurück. Damals war die Situation auf dem Wohnungsmarkt entspannter. Würden die Vorgaben für die Bebauung jetzt geändert, wären der Vertrag hinfällig und der Preis nicht haltbar. „Das fände ich unredlich“, so Burghardt weiter.

Mehr mehrgeschossige Wohnhäuser seien schon aus wassertechnischen Gründen dort nicht möglich, fuhr der Rathauschef fort. Im Übrigen habe das Stadtparlament immer eine Angleichung an die benachbarte Bebauung des Dillinger Hangs (Friedrichsdorfs wohl teuerste Wohngegend) gewollt. Durchmischt sei das Gebiet aber trotzdem. Die Stadt habe dort auch Sozialwohnungen.

von Christiane Paiement-Gensrich

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