Gefährliche Schieflage: Wie im Lochmühlenweg sieht es an einigen Stellen in den Wäldern um Friedrichsdorf herum aus. Fotos: privat

Versperrte Wege

Nach dem Sturm: Darum ist aktuell ein Spaziergang im Taunus gefährlich

Wenige Tage nach dem heftigen Sturm sind im Friedrichsdorfer Wald die Spuren noch sichtbar. Bis alle Schäden beseitigt sind, dauert es eine Weile. Der Forst ist derzeit ein Hochrisikozone.

Friedrichsdorf - Eva Kirchler war gerade beim Aufräumen rund um das Forsthaus im Rotlaufweg, als es passierte. Zuerst habe sie ein Knacken gehört, berichtet Friedrichsdorfs Revierförsterin. Dabei blieb es nicht, denn kurz danach beobachte sie, wie die Krone einer Eiche abbrach. Vom Forsthaus habe sie dann beobachten können, wie sich aus Richtung Altkönig etwas zusammenbraute.

Sturm brachte massive Verwüstungen: Vier Stadtteilfeuerwehren im Dauereinsatz

Die Folge des Wettergebräus war eine Gewitterfront, begleitet von Sturmböen, die am Mittwochabend über Hessen fegten und massive Verwüstungen anrichteten. Auch Friedrichsdorf war betroffen. Und zwar nicht zu knapp. Davon konnten beispielsweise die vier Stadtteilfeuerwehren ein Lied singen, waren sie doch bis kurz vor Mitternacht im Dauereinsatz, um die ersten Schäden zu beseitigen.

Welche Gewalten bei dem "Blow Job" der Natur am Werk waren, zeigte sich aber auch noch am gestrigen Freitag in den Wäldern um Friedrichsdorf herum. Reihenweise umgestürzte, zerbrochene Bäume, überall kleinere und größere Äste, die Waldwege an vielen Stellen wie etwa dem zentralen Lochmühlenweg nahezu unpassierbar. Mancherorts wirkte es, als habe die Natur Mikado und Domino mit Eichen, Buchen und Fichten gespielt und hinterher den Müll der stürmischen Party liegen lassen.

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Von großen Schäden in den Forsten von Friedrichsdorf, Bad Homburg und Rosbach spricht Eva Kirchler. "Circa 2000 Festmeter Hartholz sind betroffen", schätzt sie in einer ersten groben Bestandsaufnahme für den Friedrichsdorfer Stadtwald. Davon seien etwa ein Drittel Laub-, der Rest Nadelholz.

Friedrichsdorf nach dem Sturm: Spießwald geräumt

Dazu muss man wissen, dass nicht der gesamte Wald um die Hugenottenstadt herum der Stadt gehört. Teile gehören beispielsweise Frankfurt, andere sind in Privatbesitz oder grenzen an Bad Homburg und Rosbach. Im Prinzip sei der ganze Stadtwald betroffen, sagt Kirchler. Beim Hardtwald jedoch eher die Bad Homburger Seite.

Ein Schwerpunkt sei aber der Bereich oberhalb des Taunus-Quarzitwerks. Dort gebe es Erweiterungsflächen, in die der Wind zuschlagen konnte. Auch entlang des Thomaswegs habe es große Schäden in den Nadelholzbeständen gegeben. Was den erwähnten Lochmühlenweg betrifft, so gehört dieser zu Frankfurt. Eine entsprechende Information habe sie schon an die Kollegen weitergeben.

Wann der Weg freigeräumt sein wird, kann Kirchler nicht sagen. Die Kollegen seien im Moment im Gebiet der Hohen Mark am Aufräumen. Apropos. Auch in Friedrichsdorf sind die Forstarbeiter derzeit dabei, die Sturmschäden zu beseitigen. Beispielsweise im Spießwald zwischen Köppern und der Kernstadt. "Unsere Leute haben dort heute aufgeräumt, damit er wieder begehbar ist", sagt Kirchler am Freitag. Dies auch, weil viele Schulkinder den Wald als Schulweg benutzen. Als nächstes sei dann der Hardtwald dran. Den werde man aber wahrscheinlich nicht mehr an diesem Tag schaffen. Auch der Rotlaufweg bleibe über das Wochenende gesperrt. "Vielleicht schaffen wir das nächste Woche", sagt die Försterin. Dort hatte sich am Mittwoch eine Eiche über eine Stromleitung gelegt. Ein beauftragtes Unternehmen sei angerückt, um den Baum per Kran zu beseitigen.

War Sturm Folge des Klimawandels?

Fragt sich, ob die Zerstörungen in den Wäldern dem Klimawandel geschuldet sind, der nach Meinung von Experten zu einer Häufung von Extremwetterphänomenen sorgt. Auffällig sei, dass viele Bäume nicht umgeweht, sondern abgebrochen seien, sagt Kirchler. Das wiederum liege daran dass alle Bäume durch die Trockenheit geschwächt seien. Hinzu komme, dass die Buchen gerade ausgetrieben hätten und der Wind somit eine Angriffsfläche gehabt habe.

Die heftigen Sturmböen sind zwar vorbei, dennoch warnt Friedrichsdorfs Revierförsterin Eva Kirchler davor, in den nächsten Tagen in den Wald zu gehen, bevor nicht alle Wege geräumt sind. Aber auch wenn die Pfade wieder frei sind, drohen im Forst selbst noch Gefahren. Grund: Viele Bäume stehen nicht mehr stabil, in einigen hängen noch abgebrochene Äste, die herunterfallen können. Ein großes Problem für die Aufräumarbeiten sind laut Kirchler Zeitgenossen, die Absperrungen ignorieren und in betroffenen Zonen herumspazieren. ks

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