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Wo vorher Kunden ein- und ausgingen, wird nun bei s.Oliver für den Räumungsverkauf geworben.

Aus für Damen-Modegeschäft

AWG startet Räumungsverkauf im Taunus Carré – was dabei problematisch ist

Das Ende vom Damen-Modegeschäft AWG  im Taunus Carré könnte schneller kommen als erwartet. Dieser Tage beginnt der Räumungsverkauf. Das ist aber nicht das einzige Problem im Einkaufszentrum.

Friedrichsdorf - Die Vorbereitungen im Taunus Carré laufen auf Hochtouren. Hunderte – und das ist wahrscheinlich sehr zurückhaltend geschätzt – von Blusen, Hosen, Jacken und sonstige Bekleidungsartikel müssen die Verkäuferinnen im AWG dieser Tage mit neuen, heruntergesetzten Preisen auszeichnen, um für den möglichen Ansturm der Konsumenten gerüstet zu sein. Was zunächst nach Aufbruch klingt, handelt in diesem Fall jedoch von Abwicklung. Genauer gesagt vom Einläuten des Endes des Modelgeschäfts AWG und der mit ihr verbunden Franchise-Läden von s.Oliver und Esprit im Carré. Dort beginnt am Mittwoch unter dem Motto „Alles muss raus“ der Räumungsverkauf, so Veit Mathauer, Sprecher von AWG während des aktuellen Insolvenzverfahrens. 

AWG ist Schauplatz der Schnäppchenjagd

Schauplatz der Schnäppchenjagd ist AWG. S.Oliver und Esprit sind bereits zu. Die Eingänge der zwei Geschäfte sind mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt, dahinter stehen Schaufensterpuppen, auf deren T-Shirts in dicken Buchstaben das Wort „reduziert“ prangt. AWG lockt die Konsumenten mit Rabatten von 20 bis zu 50 Prozent. Es geht nun, nachdem das Aus von AWG im Taunus Carré besiegelt ist, also auf einmal verdammt schnell. Und möglicherweise machen die drei Geschäfte noch vor dem offiziell anvisierten endgültigen Ladenschluss spätestens Ende Juni dicht. Das wiederum hängt nicht zuletzt davon ab, wie der Räumungsverkauf läuft. Bei der Suche nach möglichen Nachfolgern für die bald leerstehenden Verkaufsflächen gibt es bislang keine neuen Informationen.

Eine entsprechende Anfrage beim Carré-Betreiber, dem ILG Centermanagement in München, blieb jedenfalls unbeantwortet. Zuletzt hatte es geheißen, man arbeite „selbstverständlich an einem langfristigen Konzept, das den Kunden des Taunus Carré das bestmögliche Einkaufserlebnis bietet und gleichzeitig das Center selbst nachhaltig stärkt“. 

Schließung von AWG nur eines der Probleme

Unterdessen gärt es aber hinter den Kulissen, denn die AWG-Schließung ist offenbar nicht das einzige Problem im Friedrichsdorfer Einkaufszentrum. So wurde beispielsweise aus mehreren Quellen aus dem Kreis der Geschäftsleute von Ärger mit Jugendlichen berichtet. Beklagt wurden Ladendiebstähle, zu denen es immer wieder kommen soll. Dieser Tage soll außerdem ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes von einem Kunden tätlich angegriffen worden sein. 

Während die Tätlichkeit, falls tatsächlich geschehen, nicht polizeibekannt ist, sind es die Ladendiebstähle durchaus. „Das ist kein neues Problem“, sagte Johannes Neumann, Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen in Wiesbaden. Man sei bereits im vorigen Jahr auf das Thema aufmerksam geworden und habe seit längerer Zeit einen Fokus darauf. Daher habe man auch dort zusammen mit der Ortspolizei die Polizeipräsenz in Form von Fußstreifen erhöht Allerdings, sei das Carré in dieser Hinsicht kein Einzelfall. „Ladendiebstähle in Einkaufszentren sind normal“, relativierte Neumann seine Angaben. Wo viele Geschäfte sind, trieben sich auch viele Diebe herum. 

Friedrichsdorf: Ungewöhnlich viele Ladendiebstähle

Zudem verzeichne man keine ungewöhnlich hohe Anzahl von Ladendiebstählen in Friedrichsdorf. Insgesamt gab es dort 2018 laut polizeilicher Kriminalstatistik im Hochtaunuskreis 67 Fälle. Zum Vergleich: Sulzbach, Sitz des Main -Taunus-Zentrums, verzeichnete laut Neumann 2018 knapp 300. Bliebe noch ein weiteres Defizit im Taunus Carré, das aus Geschäftskreisen und auch von Außenstehenden genannt wurde: 

Schäden wie defekte Aufzüge und automatische Türen oder kaputte Kacheln würden oft nur zögerlich beseitigt. Er habe den Eindruck, dass die Instandhaltung nicht immer in dem Maße stattfinde, wie es sein sollte, sagte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Explizit bezog er sich auf eine Rolltreppe, die wochenlang kaputt gewesen sei und worauf er die ILG seinerzeit aufmerksam gemacht habe. Auch dazu war bislang keine Stellungnahme von der ILG zu erhalten. 

AWG steht nicht auf Agenda der Lokalpolitik

Noch einmal zurück zum Ende der AWG-Filiale. Dieses ist bisher nicht auf der Agenda der Lokalpolitik. „Was soll man machen? Wir haben da keinen Zugriff drauf“, sagte Burghardt. „Einschalten mit konkreten Maßnahmen kann sich die Politik nicht, bläst Evelyn Haindl-Mehlhorn, Fraktionsvorsitzender der FDP., ins selbe Horn. Man könne vonseiten der Verwaltung und der Politik darüber nachdenken, eine städtische Institution unterzubringen, die Frequenz bringe und eine zentrale Lage brauche. Aber die im Taunus üblichen Quadratmeter-Mietpreise seien für Friedrichsdorf nur schwer zu stemmen. Seit es keinen Centermanager mehr vor Ort gibt, ist der Kontakt relativ schwierig geworden“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Katja Gehrmann. „Esprit und s.Oliver waren ein gutes Aushängeschild, und die Mitarbeiter, die dahinter stehen und jetzt ihre Arbeit verlieren, tun mir sehr leid.“ „Es ist ein Problem, wenn ein Management außerhalb sitzt“, sagte FWG-Fraktionschefin Claudia Schlick. Das Angebot in den Geschäften sei wohl teilweise am Umfeld im Hochtaunuskreis vorbeigegangen, glaubt SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Brigl. Nun sei wichtig, dass etwas Neues hineinkomme. „Ein Leerstand über einen längeren Zeitraum ist immer fatal.“ 

Von Klaus Späne

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