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180 Wohnungen sollen aufs Friedrichsdorfer Rühl-Gelände

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Von: Olivera Glicoric-Fürer

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Blick von der Professor-Wagner-Straße aufs Rühl-Gelände: Hier könnten bald Wohnungen entstehen.
Blick von der Professor-Wagner-Straße aufs Rühl-Gelände: Hier könnten bald Wohnungen entstehen. © ogf

"Philipps Quartier" mit mehrgeschossigen Häusern auf 1,7 Hektar großem Areal geplant

Friedrichsdorf -Das Wohnbauprojekt hat einen Namen, der ziemlich gut zu Friedrichsdorf passt: "Philipps Quartier". Denn Philipp Reis hat in der Stadt, als Lehrer am Institut Garnier, um 1860 das Telefon erfunden. Das neue Wohnviertel könnte auf einem Teilbereich des Geländes der Firma Rühl entstehen, das sich zwischen Houiller Platz und Hugenottenstraße befindet. In der Nähe des Instituts Garnier also und des Philipp-Reis-Museum, das im früheren Wohnhaus des Telefonerfinders eingerichtet ist. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Mobilität und Stadtentwicklung (UMS) wurde das neue Bauvorhaben jedenfalls von den Architekten Hannah Geskes und Holger Grobe von der Firma "Planquadrat" vorgestellt.

Doch die Pläne ernteten nicht nur Beifall. Auf dem 1,7 Hektar großen Areal sollen mehrgeschossige Wohnhäuser entstehen, mit viel Begrünung zwischen den Gebäuden und auf den Dächern. Die Wege würden regenwasserdurchlässig, ein Mobilitäts- und Energiekonzept seien in Planung. Das Gelände solle weitestgehend autofrei gehalten werden, die Autos sollen über zwei Zufahrtswege in eine Tiefgarage gelangen. Ein Teil der Gebäude solle gewerblich nutzbar sein, etwa durch Praxen, Cafés und Läden. Die 20 Prozent Sozialraumquote halte man ein und barrierefreie Wohnungen gehörten ebenfalls zum Konzept.

"Urplötzlich fällt etwas vom Himmel", entrüstete sich Stephan Schlocker (CDU). Er habe gedacht, dass man sich diesem Areal langsam annähere, mit der Firma Rühl ins Gespräch komme, Bürger am Entstehungsprozess beteilige, analog zur Planungswerkstatt Houiller Platz. "Wir haben keinen zeitlichen Druck", findet Schlocker und fügte an, dass das geplante Philipps Quartier eine "Inselbetrachtung" sei und die Innenstadt stark treffe.

Ganzheitliches Innenstadtkonzept

Bürgermeister Lars Keitel (Grüne) erinnerte jedoch daran, dass das Philipps Quartier zum Fördergebiet des ISEK (integriertes Stadtentwicklungskonzept) gehöre, welchem ein ganzheitlich betrachtetes Innenstadtkonzept zugrunde liege. Und dass das Philipps Quartier daher keine isolierte Einzelbetrachtung sei. Es sei immer als Teil des gesamten Innenstadtbereichs betrachtet und in die Planung einbezogen worden. Ferner erläuterte Keitel, dass durch die Integration des derzeitigen Rühlgeländes, die seit Jahren geforderte Verbindung zwischen Houiller Platz und Innenstadt entstehen könne, weil die Fläche dann für Fußgänger passierbar sei. Aktuell ist das Grundstück eingezäunt. "Das ist eine große städtebauliche Chance", ergänzte der Bürgermeister, auch weil die obere Hugenottenstraße aufgrund der vorgesehenen Durchwegung durch das Quartier damit verbunden wäre.

Daniela Fox (Grüne) begrüßte die Pläne, fragte jedoch, ob die derzeitige Infrastruktur ein Mehr an Bevölkerung bewältigen könne. "Durch den Zuzug von Familien werden zum Beispiel weitere Kitaplätze benötigt", sagte sie. Und Guido Barthels (FDP) brachte die Trinkwasserproblematik auf den Tisch: "Friedrichsdorf kommt an seine Grenzen", auch wenn bislang noch kein Trinkwassernotstand ausgerufen worden sei. Er habe ferner Bedenken wegen des verdichteten Wohnraums und der großen Wohnblöcke. Es sollen drei- bis fünfgeschossige Häuser mit insgesamt etwa 180 Wohneinheiten und einem Wohnungsmix aus kleinen und großen Wohnungen entstehen.

Auch Schlocker glaubte, dass die Mehrgeschossigkeit der Häuser das Stadtbild stören könne und bezeichnete den Quartier-Entwurf als "maximale Grundstückswertausnutzung".

Dem widersprach Birgit Brigl (SPD), sie sehe durch die Bäume eine schöne Auflockerung der Fläche. Auch begrüße sie, dass in die Höhe gebaut werde, weil dadurch weniger Bodenfläche versiegelt werde. Die 20 Prozent Sozialraumquote wurde noch auf den Prüfstand gestellt: Im städtebaulichen Vorvertrag mit der Firma Kukuun, einer von Rühl beauftragten Projektentwicklungsfirma, stehe, dass sich die Sozialraumquote auf 20 Prozent der "Anzahl der Wohneinheiten" beziehe - und nicht auf die Wohnfläche, wie Barthels und Schlocker bemerkten. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, dem Vertrag die Änderung beizufügen, wie sie von Brigl vorgeschlagen wurde: 20 Prozent der Wohnfläche und 20 Prozent der Anzahl der Wohnungen sollen unter geförderten Wohnungsbau fallen. Außerdem wurde noch Fox' Anmerkung zum infrastrukturellen Ausgleich als Ergänzung aufgenommen. Die Beschlussvorlage wurde schließlich mit den beiden Anpassungen mehrheitlich angenommen, die CDU stimmte dagegen, die FDP enthielt sich. Am Donnerstag steht das Philipps Quartier auf der Tagesordnung zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung.

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