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Alte Bäume wachsen weiter, Autos bleiben unter der Erde

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Von: Katja Schuricht

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Karin Kleiner vom Architekturbüro Baufrösche (2. v.li.) stellte bei der Tour durch die Ökosiedlung das Konzept der Gartenstadt-Häuser vor. Unter dem Platz befindet sich die Tiefgarage. Foto: Schuricht
Karin Kleiner vom Architekturbüro Baufrösche (2. v.li.) stellte bei der Tour durch die Ökosiedlung das Konzept der Gartenstadt-Häuser vor. Unter dem Platz befindet sich die Tiefgarage. Foto: Schuricht © ksp

Beim Spaziergang durch die neue Ökosiedlung in Friedrichsdorf können Interessierte Details zur entstehenden Ökosiedlung erfahren

Friedrichsdorf -Auf dem großen Platz zwischen den Häuserreihen spielen Kinder Fangen oder fahren auf ihren Fahrrädern oder Dreirädern umher. "Hier muss sich niemand Sorgen um Autoverkehr machen. Wenn wir aus der Haustür gehen, ist das einzige Risiko, von einem Bobbycar angefahren zu werden", scherzt ein Teilnehmer der Führung. Er weiß, wovon er spricht. Schließlich war er vor gut zwei Jahren mit seiner Familie unter den ersten, die in die frisch fertiggestellten Gartenstadt-Häuser der Ökosiedlung gezogen sind. Jetzt nahm er mit rund 40 anderen Friedrichsdorfern an einer Führung durch die neue Siedlung teil. Bei diesem Spaziergang stellte Karin Kleiner vom Architekten- und Stadtplaner-Team "Baufrösche", die im Auftrag der ausführenden Baufirma Frank und Frieda die Häuser geplant haben, das Konzept vor. Anlass für die einstündige Tour durch die Gartenstadt-Häuser in der Catharina-Dörrien-Straße war der hessenweite Tag der Architektur.

Der autofreie Charakter ist eine der Besonderheiten des neuen Stadtteils. "Ihre Autos und auch Fahrräder stellen die Bewohner in der Tiefgarage ab, die unter den Gartenstadthäusern liegt. Zudem gibt es an jedem Stellplatz bereits eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge pro Haus", informiert Kleiner. Sie bittet die Teilnehmer auch, auf Details zu achten: "Wenn Sie an einigen Fassaden der Häuser hochblicken, sehen Sie, dass dort bereits Nistkästen für Singvögel und Fledermäuse integriert wurden."

Die "Ökosiedlung" folge dem Leitbild "grüne Nachbarschaften", so Kleiner. Auch der alte Baumbestand wurde in einem Baumkataster erfasst. "So hatten alle Bäume die Chance, wenn es möglich war, erhalten zu bleiben und weiter zu wachsen", meint die Architektin. Die Gartenstadt-Häuser, die zwischen 110 und 170 Quadratmeter Wohnfläche haben, sind mit 51 Gebäuden um einen Quartiersplatz auf dem ehemaligen Sportplatz "An der Plantation" angeordnet. Sie bilden eine Wohnungseigentümergemeinschaft.

Ganz bewusst wurden die Häuser in den Reihen unterschiedlich, je nach Größe und Höhe, zusammengestellt. "Je nach Typ sind die Häuser 5,0 6,0 oder 6,5 Meter breit. Manche sind mit, manche ohne Dachgeschoss." Durch dieses bewusst nicht gerade geschlossene Reihen ergeben sich auch immer andere Durchblicke in die Nachbarschaft - auch zu den Bestandsbauten, betont Kleiner. Sie informierte auch über die Gestaltung der Putz- beziehungsweise Holzfassaden. "Dabei wurde regionaler Naturstein verwendet, bei der Gestaltung des Bereichs der Holzverkleidung konnten die Käufer zwischen drei Farbtönen - Lavendel, Schiefer oder Lava - wählen."

Quartierspark kommt noch

Fußwege führen in die Nachbarschaft und irgendwann auch zum Quartierspark, der hinter den Häusern und dem Eisspeicher entstehen wird. "Das ist noch Zukunftsmusik", sagt Kleiner. Auch der unterirdische Eisspeicher sei noch nicht in Betrieb, wird jedoch nach seiner Fertigstellung dann einer der größten seiner Art in Deutschland sein und für umweltfreundliche Heizenergie sorgen. Im Winter wird 1,8 Millionen Litern (1800 Kubikmeter) Wasser mittels einer Wärmepumpe die benötigte Energie entzogen. Dadurch friert der Speicher langsam zu. Im Sommer wird das Eis durch Solarenergie wieder aufgetaut. Die meisten Bewohner der Gartenstadt-Häuser, schildert Architektin Kleiner, sind entweder aus Friedrichsdorf oder aus Frankfurt in die Ökosiedlung gezogen. Sie erinnert daran, dass die Stadt bereits 1997 erste Überlegungen angestellt habe, ein neues Quartier zu bauen.

"2006 begann das Planverfahren, 2016 konnte der Bebauungsplan beantragt werden. Damals sind wir in den Prozess mit eingestiegen", blickt Kleiner zurück und erzählt, dass die Stadt für dieses Projekt einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben hatte, bei dem die Baufrösche den ersten Platz belegt haben. "Unser Entwurf ist auch genauso umgesetzt worden." Ziel sei damals gewesen, flächensparend Wohnraum für verschiedene Bevölkerungsgruppen gemeinsam in einem Quartier zu schaffen.

Von den Gartenstadt-Häusern ging es zum Anschluss der Führung auf den großen Platz am Eingang der Ökosiedlung, der von der Seniorenwohnanlage eingerahmt wird. "Hier gibt es einen Bäcker, eine Kindertagesstätte und einen Nachbarschaftstreff", erklärt Karin Kleiner.

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