„Autopilot“ im Kopf: Das Gehirn hat niemals frei

Gewohnheiten sind ein Jahrtausende alter Trick unseres Gehirns. Aber man kann sie beeinflussen.

Von Christel Wösner-Rafael

Krisen beginnen und enden, das ist klar, doch wie können wir den richtigen Weg aus der Krise finden, wenn wir total am Boden sind? Susanne Schramm erklärte in den Friedrichsdorfer Gesundheitsgesprächen wie wir unsere Balance wiederfinden können. „Anhalten, durchatmen, Kraft schöpfen ist die richtige Methode, doch es erfordert Übung, und zwar schon vor der Krise, damit Sie resilient werden“, erklärte sie. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie nannte die 7 Säulen der Resilienz: Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Verlassen der Opferrolle, Übernahme von Verantwortung, Netzwerkorientierung, Zukunftsplanung. Dazu könne man noch Humor und Spiritualität zählen.

Wir wachsen nicht unbedingt am Glück, sondern an den Anforderungen, gab sie zu bedenken. „Ich kann traurig sein, zähneklappernd heulen, das ist legitim, doch ganz wichtig ist, mich damit auseinanderzusetzen, was ich verändern muss“, so Schramm. Sozusagen mein Leben wirklich in meine eigene Hand nehmen. Als Beispiel führte sie die Paralympics an. „Diese Sportler sind aus ihrer Opferrolle herausgegangen, haben bewiesen, zu welchen großartigen Leistungen jeder einzelne Mensch fähig ist.

Alte Gewohnheiten

Auch des menschliche Gehirn war ein Thema. Immer wieder ertappen wir uns dabei, dass unsere Gedanken abschweifen. Wir brüten über einer Arbeit und sind plötzlich bei der Planung des nächsten Urlaubs oder beim Autokauf. „Unser Gehirn hat einfach das Programm geändert und auf Autopilot umgeschaltet“, so Schramm. Es sei unserem Gehirn egal, welche Folgen dieser Modus für uns hat. Es funktioniert nach „alter Gewohnheit“.

Gewohnheiten sind ein Jahrtausende alter Trick unseres Gehirns, um über wiederkehrende Abläufe nicht jedes Mal nachdenken zu müssen. „Doch wenn du verstehst, wie sich die Gewohnheiten entwickeln, dann kannst du sie kontrollieren und ändern“, so die Referentin. Aber häufig wissen wir nicht mehr, welche Ressourcen wir in uns haben, unser Leben zu gestalten, wie viele Möglichkeiten uns offenstehen, wie gut wir unseren Alltag meistern können und wieviel Einfluss wir auf den Lauf unseres Lebens ausüben können.

Im Fokus: Netzwerke

In der Fachwelt wird seit einiger Zeit über verschiedene Netzwerke im Gehirn geforscht, die sich gegenseitig in ihrer Aktivität unterdrücken. Ist eines dieser ungefähr 20 Netzwerke aktiv, bleiben die anderen mehr oder minder stumm. Gerhard Roth, promovierter Philosoph und promovierter Neurobiologe sagt dazu: „Mein Gehirn erschafft meine Welt.“ Ein Forscher-Team des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin in Kooperation mit der Freien Universität Berlin und dem Universitätsklinikum Freiburg analysierte die Verbindungen zwischen insgesamt 40 000 kleineren Regionen des Gehirns. Mittels Kernspintomographie erkannten sie insgesamt 1,6 Milliarden möglicher anatomischer Verbindungen zwischen den Hirnregionen. Dabei verglichen sie diese mit dem durch die Nervenzellen tatsächlich hervorgerufenen Informationsfluss. Das Ergebnis: Tagträumerei, geistiges Vorstellungsvermögen und selbstbezogenes Denken sind komplexe Aufgaben für das Gehirn Einen Ruhezustand gibt es nicht.

Das nächste Gesundheitsgespräch findet nach den Sommerferien statt.

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