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Babynahrung und Konserven aus Friedrichsdorf für Kriegs-Flüchtlinge

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Von: Katja Schuricht

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Das Team der ökumenischen Diakoniestation hat Spenden sortiert und in Kisten gepackt sowie Listen für den Zoll geschrieben.
Das Team der ökumenischen Diakoniestation hat Spenden sortiert und in Kisten gepackt sowie Listen für den Zoll geschrieben. © ksp

Mitarbeiter der Diakoniestation bringen Spendenpakete zur ukrainischen Grenze nach Polen

Friedrichsdorf -Sie packen und sortieren im Akkord. Sigrun Fischbach stapelt Haferflockenpackungen, Schokolade, Packungen mit Tee und Keksen, Konserven und andere haltbare Lebensmittel in die Kartons. Claudia Birth ist für die Listen zuständig. Sie dokumentiert den Inhalt. Wiola kommt ins Spiel: Die 22-Jährige beschriftet jeden fertig gepackten und nummerierten Karton und schreibt auf Polnisch den Inhalt drauf. Die drei gehören zum Team der Helfer, das am vergangenen Samstag das große Hilfspaket für die Menschen in der Ukraine geschnürt hat. Fast alle, die in ihrer Freizeit mithelfen, sind Mitarbeiterinnen der ökumenischen Diakoniestation. Sie helfen ihrem Kollegen, Altenpfleger Jörg Klunker, dabei, seine Hilfsaktion für die Menschen in der Ukraine umzusetzen.

"Ich musste einfach etwas tun", sagt Klunker. "Wir denken in dieser schweren Zeit an die Menschen, die vor dem Krieg flüchten", sagt der 58-Jährige, der sich freigenommen hat, um mit seiner Frau Ewa die Spenden aus Friedrichsdorf nach Polen zu bringen.

Am Montagabend sind sie mit dem vollbepackten Transporter der Diakoniestation losgefahren, Ziel: das 640 Kilometer entfernte Legnica (Liegnitz). "In Liegnitz lebt die Tochter meiner Frau", so Klunker. "Außerdem haben wir viele Freunde in Polen, mit denen wir im Austausch stehen, wie dort die Situation der ankommenden Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet ist." Es sei so, wie man es in den Nachrichten sieht. "Die Menschen sind teilweise über 100 Kilometer zu Fuß zur polnischen Grenze geflüchtet, ihre Autos haben sie einfach irgendwo stehen gelassen. Viele von denen, die in Liegnitz angekommen sind, haben dort, beispielsweise in der Turnhalle, Unterschlupf gefunden." Er und seine Frau haben erfahren, dass immer mehr ukrainische Flüchtlinge, vor allem Kinder, in Liegnitz ankommen.

Die Spendenpakete, die jetzt in der Diakoniestation gepackt wurden, sollen von der polnischen Stadt direkt in die Ukraine gebracht werden. "Allerdings dann nicht von uns", stellt Klunker klar. "Wir liefern die Spenden an ein Ärztezentrum in Liegnitz", berichtet er. "Damit mit dem Weitertransport hoffentlich alles reibungslos klappt, haben wir die Kisten durchnummeriert und Listen mit dem jeweiligen Inhalt erstellt", erklärt er. "Zudem haben wir den Warenwert geschätzt und alle Informationen zum Ärztezentrum gemailt. So können sich die Helfer auch schon um nötige Dinge wie Zoll und auch um eine Versicherung kümmern."

Über Moldawien in die Südukraine

Die Spenden aus Friedrichsdorf sollen, so der Plan, dann von einem Team polnischer Helfer mit weiteren Hilfslieferungen in drei Reisebussen über Moldawien in die Südukraine gebracht werden. "Die Busse fahren diese Route, das scheint die weniger gefährlichere Strecke zu sein", meint Klunker. Die Busse sollen nicht leer zurück nach Liegnitz fahren. "Bei ihrer Rückfahrt wollen die Helfer Kinder mitnehmen, um diese nach Liegnitz in Sicherheit zu bringen", erläutert Klunker. Eins ist dem engagierten Mitarbeiter der Diakoniestation vor seiner Abreise noch wichtig: "Ich möchte allen, die uns unterstützt und unseren Hilfstransport möglich gemacht haben, Danke sagen. Auch der Gruppe polnischer Mütter aus Friedrichsdorf, die uns in letzter Minute noch für unseren Transport vier Pakete mit Babynahrung vorbeigebracht haben", betont er.

Verletzte brauchen Desinfektionsmittel

"Die Spendenbereitschaft und der Zuspruch waren sofort riesig", blickt Jörg Klunker auf die letzten Tage zurück. "Mir war schnell klar, dass wir einen größeren Transporter benötigen." Also hat er Matthias Kantenwein, Leiter der ökumenischen Diakoniestation, gefragt, ob er den Diakoniebus dafür nehmen könne. Er habe sofort Ja gesagt, erzählt Kantenwein. "Der Bus ist ohnehin zurzeit nicht im Einsatz. Er dient sonst für Fahrten für unser Projekt EPFA (Entlastung pflegender Angehöriger), das Corona-bedingt ruhen muss." Altenpfleger Klunker, seit elf Jahren im Team der Diakoniestation, ist froh, dass sich sein großer Wunsch, den Menschen im Kriegsgebiet zu helfen, realisieren lässt. "Unterstützung hatten wir von vielen spendenfreudigen Klienten der Diakoniestation, aber auch von Friedrichsdorfern, die von der Aktion gehört haben. Was auch toll ist: Jemand hat sich bei den Spritkosten für die Fahrt beteiligt." Der Einsatz der Mitarbeiter am vergangenen Wochenende hat sich gelohnt: Sie alle haben dafür gesorgt, dass am Montag der Hilfstransport mit 80 Kartons von Friedrichsdorf aus in Richtung Polen starten konnte. "In den Kisten befinden sich nicht nur Decken, Bettwäsche und warme Kinderkleidung, sondern auch Hygieneartikel, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und Nahrung", so Klunker. "Desinfektionsmittel wird besonders benötigt, da es viele Verletzte gibt."

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