+
Stein des Anstoßes: Das Grundstück Alte Grenzestraße 11?13, wo bezahlbarer Wohnraum entstehen soll.

Streit

Am Bauvorhaben in der Alten Grenzstraße scheiden sich die Geister

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen ist doch eine gute Sache, sollte man meinen. Dennoch sorgt das Megathema derzeit für Streit in der Stadtpolitik. Ein Zankapfel ist ein Projekt in der Alten Grenzstraße in Dillingen.

Eigentlich eine gute Sache: Sechs Sozialwohnungen inklusive zwei barrierefreien Wohnungen im Erdgeschoss mit insgesamt 493 Quadratmetern sollen in Dillingen auf dem städtischen Grundstück Alte Grenzstraße 11–13 entstehen. Dort stehe zur Straße hin bereits ein Haus, das Bestandschutz habe, wie Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau, Umwelt und Verkehr erläuterte.

Laut vorgelegter Machbarkeitsstudie sei geplant, vier größere Wohnungen mit knapp über 90 und zwei kleinere Wohnungen mit rund 58 Quadratmetern zu bauen. Diese sollen in zweiter Reihe im Garten des Grundstücks entstehen. Dabei wird laut Burghardt auch ein Antrag auf Landesförderung gestellt.

„Das ist keine Machbarkeitsstudie“, sagte Stephan Schlocker (CDU). Unter einer solchen Studie verstehe er eine Auflistung verschiedener Möglichkeiten zu einem Vorhaben und nicht, wie in diesem Falle, einen fast fertigen Bauantrag. „Hier fehlen Alternativen.“ Ferner kritisierte Schlocker die hohen Kosten, die mit 1,1 Millionen Euro, also 2231 Euro je Quadratmeter, aufgeführt sind. „Wir müssen die Baukosten runterbringen und kostengünstiger bauen“, forderte der CDU-Politiker und schlug vor, beispielsweise den Keller zu streichen.

„Wenn wir den Keller weglassen, geht das zulasten der Wohnfläche“, widersprach das Stadtoberhaupt, und Heinz Reinhardt (FWG) machte darauf aufmerksam, dass es sich bei dem Grundstück um Hanglage handele, was jedoch in Schlockers Augen keine Preisreduzierung bedeutet.

Er verwies auf die Stadt Rosbach. Dort habe man Sozialwohnungen zu 1500 Euro pro Quadratmeter gebaut, „und die Häuser sehen schick aus“, reagierte er auf Burghardts Einwand, dass man den Baustil dem bestehenden Bestand anpassen wolle: „In Dillingen gibt es keinen schlichten Wohnungsbau.“ Außerdem gehe aus der Sachdarstellung nicht hervor, dass ein Antrag auf Landesförderungen gestellt werden solle, sagte Schlocker. Ohnehin, so seine Vermutung, könnten die vier großen Wohnungen wegen der Größe als nicht förderwürdig eingestuft werden, weil für vier Personen eine Wohnfläche von bis zu 90 Quadratmetern laut Wohnungsschlüssel zugewiesen werden könnten – die besagten Wohnungen lägen alle flächenmäßig darüber.

Keine neue Studie

Dirk Hoff (Die Linke) wollte sich vergewissern, ob auch nach Ablauf des Förderplans des Landes die Mietpreise niedrig blieben.

Burghardt konnte hier nichts versprechen, weil es sich um eine Zeit weit in der Zukunft handle.

Guido Bartles (FDP) hinterfragte den Parkplatzschlüssel: Für sechs Sozialwohnungen reichen sechs Stellplätze, doch es könne an Parkplätzen mangeln, wenn die Wohnungen nicht als Sozialwohnungen gefördert werden, die Stellplatzverordnung sehe einen anderen Schlüssel vor. Burghardt verwies darauf, dass man sich nach einem Architekten umgeschaut habe, der sich im sozialen Wohnungsbau auskenne, und er ergänzte: „Um Fördermittel zu beantragen, müssen die Pläne zu dem Bauvorhaben vollständig sein.“

Entsprechende Änderungsanträge der CDU – die Machbarkeitsstudie neu aufzulegen und die Architekten nach Leistungsphasen zu beauftragen, um als Bauherr Kontrolle über die Bauphasen zu haben – lehnten die Koalitionsfraktionen von FWG, Grüne und SPD ab.

Parteiübergreifend war man sich dann einig, die Prüfung des Daches auf Tauglichkeit für eine Photovoltaikanlage in den Antrag mit aufzunehmen, wie Lars Keitel, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Leiter des Ausschusses, formuliert hatte. Vorausgesetzt, so Hartmut Ulmschneider (SPD), die Prüfung verzögere nicht den Baufortschritt. Die Machbarkeitsstudie liegt der Stadtverordnetenversammlung vor, die diesen Donnerstag tagt.

von OLIVERA GLIGORIC-FÜRER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare