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Wie aus bescheidenen Anfängen eine Kulturinstitution wurde

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Von: Katja Schuricht

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Erst eine Bürgerinitiative, die für den Erhalt des Instituts Garnier gekämpft hat, dann eine Kreativwerkstatt und heute ein nicht mehr aus Friedrichsdorf wegzudenkender Kulturverein: Das ist die Musisch Bildnerische Werkstatt, die vor 35 Jahren gegründet wurde.

„Kultur in Friedrichsdorf? Fühlen Sie sich angesprochen?“ Diese beiden kurzen und knackigen Fragen standen auf der Einladung, der am Montag, 14. Juni 1982, viele interessierte Bürger ins Bürgerhaus Köppern gefolgt sind. 58 Namen fanden sich am Ende des Abends auf der Mitgliederliste des frisch aus der Taufe gehobenen Vereins „Musisch Bildnerische Werkstatt Institut Garnier“. Ideen für das erste Kursprogramm gab es genug: freies Malen im Freien, Stimmbildung, Gesangs- und Sprechtechnik oder Wir bauen Marionetten.

Kreativkurse für alle

„Die Idee war damals, im Institut Garnier ein Kulturzentrum einzurichten mit vielen Kreativkursen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Auch musikalische Früherziehung war ein Anliegen. Denn all das gab es damals in Friedrichsdorf nicht“, blickt Chris Schüppel zurück. Schüppel kennt die Geschichte der Musisch Bildnerischen Werkstatt (MBW) von Beginn an. Sie ist seit 1982 engagiertes Mitglied und seit vielen Jahren im Vorstand aktiv. Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann, dem Künstler Hem Schüppel, gehörte sie zu den Mitbegründern der MBW, ihr Mann war einer der ersten Dozenten der neuen Kunst-Werkstatt.

Jetzt feiert die MBW ihr 35-jähriges Bestehen, allerdings ohne großes Brimborium. „Es wird zu unserem Jubiläum eine Ausstellung im Rathaus geben“, sagt Vorsitzender Klaudius Hummel (siehe Infobox). „Da in diesem Jahr in Friedrichsdorf und Seulberg so viele andere große Veranstaltungen anstehen, wie die Friedrichsdorfer Künstlertage und die 1250-Jahr-Feier in Seulberg, bei denen wir auch mit von der Partie sind, haben wir keinen Festakt geplant“, erläutert Hummel.

Blickt der Vorsitzende zurück auf die MBW-Geschichte, dann stellt er fest: „Wir können immer auf die Unterstützung der Stadt zählen. Wir sind stetig gewachsen, haben heute 280 Mitglieder.“ Und: „Wir haben es geschafft, uns aus bescheidenen Anfängen zu einer erfolgreichen Kulturinstitution in Friedrichsdorf zu entwickeln.“ Das Leitbild für die Weiterentwicklung des Vereins ist laut Hummel noch immer: „Von Bürgern für Bürger!“ So sei man beispielsweise immer auf der Suche nach Seminarleitern, die einen mit ihren Themen begeistern wollen, sagt der Vorsitzende, der nach Professor Dr. Helmut Hucke (1982 bis 1985), Günter Billmeier (1985 bis 1992) und Marie-Louise Plassmann (1992 bis 2004) erst der vierte Vorsitzende in der langjährigen Vereinsgeschichte ist.

Offen für Impulse

Mittlerweile bietet die MBW 60 Kurse und Seminare im Jahr an, darunter sind Veranstaltungen wie Orgelkonzerte oder Lesungen. „Wir pflegen unsere Klassiker im Programm wie die Bridge-Kurse, die es seit 1984 gibt, oder unsere Wein-Seminare, die einen schon fast wissenschaftlichen Charakter haben“, führt Hummel aus. „Aber wir sind immer auch offen für neue Ideen und Impulse“, betont Hummel. Denn: Der Bedarf an Themen ändere sich, manches komme etwas aus der Mode, wie etwa Seidenmalerei oder Quilten. „Aber was wir feststellen, ist, dass unsere Klientel uns treu bleibt und der Anspruch in Sachen kulturellem Angebot auch wächst“, betont Hummel. Der Großteil der Kulturinteressierten, die das MBW-Angebot nutzen, kommt aus der Generation der Über-50-Jährigen. „Eine große Gruppe unserer Teilnehmer machen auch die Kinder- und Jugendlichen aus“, weiß Hummel. Beliebt beim Nachwuchs sind die Wochenendangebote und die Feriernkurse. Unter der Woche habe der Nachwuchs keine Zeit mehr.

Egal, ob ein Musikseminar zum Thema „Lieben Sie Dvorak“, ein Kurs in Aquarell- oder Acrylmalerei oder ein Seminar über den deutschen Impressionismus: Das Programm spiegelt ein hohes Niveau und einen gewissen Anspruch wider. „Wir sind kein Unterhaltungsverein“, bestätigt Klaudius Hummel.

Was sich im Laufe der Jahre geändert habe, sei, dass viele Leute gerne nach draußen gehen, stellt er fest. „Die Nachfrage nach Führungen im gesamten Rhein-Main-Gebiet zu Themen aus den Bereichen Kunst, Architektur und Geschichte ist groß“, erläutert der Vorsitzende.

Seit 25 Jahren bietet die MBW zudem mehrtägiges Reisen an. Imme wieder, so der Vorsitzende, sei die Nachfrage nach Konzerten oder anderen Musik-Kursen groß. „Aber da halten wir uns bewusst zurück, denn wir möchten nicht in Konkurrenz zur Musikschule Friedrichsdorf treten“, sagt er. Die Musikschule ist, daran erinnert Hummel gerne, auch aus der MBW-Keimzelle von 1982 entstanden. „Sie hat sich als eigenständiger Verein zehn Jahre nach Gründung der MBW abgespalten.“ Aber, verrät Hummel, „wir haben für uns in Sachen Konzerte eine Nische gefunden. Seit 2002 bieten wir einmal im Jahr ein Orgelkonzert in der Hugenottenkirche an.“

Dieses Konzert ist Teil des sozialen Engagements des Vereins: Der Erlös des Konzerts kommt dem Erhalt der Orgel zugute. „Die Pflege der 1300 Orgelpfeifen ist kostspielig“, meint Hummel. Soziales Engagement ist auch das Stichwort, wenn es um Kinder aus finanziell nicht so gut gestellten Familien geht: „Wir bieten diesen Kindern ab und an kostenlose Malkurse“, sagt Hummel.

Ziel: 300 Mitglieder

„Toll wäre es, wenn wir es in unserem Jubiläumsjahr schaffen könnten, unsere Mitgliederzahl auf 300 zu erhöhen“, erklärt er. „Bei uns gibt es übrigens auch eine Familienmitgliedschaft, das wissen vielleicht viele nicht“, ergänzt der Vorsitzende.

Was das Engagement in den eigenen Reihen betrifft, so Hummel, sei alles perfekt. „Unser Vorstand steht tipptopp da. Jeder bringt sich ein, wir sind ein tolles, gefestigtes Team“, schwärmt er. Auch die Raumsituation der Kulturwerkstatt ist seit 16 Jahren endlich geklärt: 2001 konnte die MBW ins ehemalige Mädcheninstitut Puttkammer in der Hugenottenstraße 90 ziehen. „Die Unterkunft war vor 2001 immer ein schwieriges Thema gewesen“, erinnert sich Chris Schüppel. Achtmal musste der Kulturverein im Laufe der Jahre umziehen – kurioserweise immer innerhalb der Hugenottenstraße. „Anfangs mussten wir uns die Räume mit der Volkshochschule teilen. 2001 konnten wir durchatmen – die Räume im ehemaligen Institut Puttkammer sind für uns ideal“, betont Schüppel.

„Das Einzige, was uns jetzt zum Glück fehlt, ist eine größere Werkstatt für Kinder. Da geht es etwas beengt zu. Mehr als acht Mädchen und Jungen können wir in unseren Kreativkursen leider nicht aufnehmen“, bedauert Hummel. „Uns mangelt es an Platz, um mit dem Nachwuchs Skulpturen machen zu können oder auch größere Leinwände bearbeiten zu können.“

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