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Brücke fertig, dafür fehlen Lokführer

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Auf der Bahnverbindung zwischen Friedrichsdorf und der Wetterau ist der Wurm drin. Erst stoppten Bauarbeiten die Züge, jetzt kommt es schon wieder zum Stillstand auf der Strecke, dieses Mal ist der Faktor Mensch dafür verantwortlich.

Es war nur ein kurzes Vergnügen für die Bahnreisenden zwischen Friedrichsdorf und der Wetterau. Nachdem seit Dienstag die Züge der Hessischen Landesbahn (HLB) nach dem Neubau der Eisenbahnbrücke bei Burgholzhausen wieder rollten, herrscht seit dem heutigen Montag wieder Stillstand auf der Strecke. Dieses Mal sind aber nicht Bauarbeiten verantwortlich, dieses Mal fehlt es an Lokführern.

Betroffen sind mehrere Linien, darunter auch die Verbindung RB 16 zwischen Friedberg und Friedrichsdorf. Bis zum Fahrplanwechsel am 8. Dezember soll dort nun kein Zug mehr rollen. Stattdessen werden von Montag bis Samstag Busse eingesetzt.

„Die Verlässlichkeit des Verkehrsangebotes (...) ist seit einigen Wochen nicht zufriedenstellend“, teilte die HLB mit und präzisierte: Wegen des kurzfristigen Ausfalls von Triebfahrzeugführern komme es häufig zu kurzfristig bekanntgegebenen Ausfällen, hieß es von der HLB. Konkret klagt das Unternehmen derzeit nach eigenen Angaben über einen Krankenstand von 20 Prozent unter den insgesamt etwa 250 Lokführern, die es am Standort Butzbach gibt. Darunter seien auch langfristige Erkrankungen. Normalerweise liege die Quote nur bei sieben bis acht Prozent, sagte HLB-Sprecherin Sabrina Walter und fügt hinzu: „So eine Krankheitswelle hatten wir noch nie.“

Die Gründe für den massiven Ausfall und die damit verbundenen Engpässe beim Fahrpersonal sind offenbar vielfältig. Eine Grippewelle liege nicht vor, sagte die Unternehmenssprecherin. Zum einen werde der Fachkräftemangel gerade im wirtschaftlich pulsierenden Rhein-Main-Gebiet immer spürbarer. Zum anderen wachse der Personalbedarf mit jeder Fahrt, „die wir zusätzlich bestellen“, sagte die HLB. Darüber hinaus führt das Unternehmen sogenannte suizidale Unfälle an, also mit Menschen, die sich vor einen Zug werfen, um Selbstmord zu begehen. Solche Vorfälle führten häufig zu einer mitunter dauerhaften Arbeitsuntüchtigkeit des betroffenen Fahrpersonals, hieß es von der HLB.

Ein weiteres Problem ist, dass die Ausfälle nicht ohne weiteres durch neues Personal kompensiert werden können. „Aufgrund der Arbeitsmarktlage können entstehende Stellen nicht immer vollständig nachbesetzt werden“, sagt das Unternehmen.

„An der Bezahlung bei der HLB liegt es nicht“, erklärte Sprecherin Walter. Dieses liege bei 2600 Euro brutto. Vielmehr seien es Faktoren wie Schichtdienst, Wochen- und Feiertagsarbeit, die offenbar für viele abschreckend wirkten. Dies ist jedoch ein Problem, von dem nicht nur die HLB betroffen ist, sondern auch andere Unternehmen in Deutschland. „Der Arbeitsmarkt für Lokführer ist leergefegt“, sagte Walter.

Dennoch suche man weiter intensiv nach ausgebildeten Triebfahrzeugführern, beeilt sich die HLB zu versichern. Gleichzeitig investiere man erfolgreich in die Ausbildung neuer Mitarbeiter, die in diesen Beruf wechseln möchten. Acht neue Kollegen würden demnächst auf den betroffenen Strecken ihren Dienst antreten.

„Natürlich bedauern wir die Einschränkungen. Das ist nicht die Zuverlässigkeit, die von uns erwartet werden kann“, hieß es von dem Unternehmen, dessen Eigentümer das Land Hessen ist und das seinen Hauptsitz in Frankfurt hat. Aber man wolle nun zunächst den Fahrgästen eine verlässliche Verkehrsleistung anbieten, auf die sie sich einstellen können. „So wird es uns auch gelingen, in die normale Bedienung der Fahrten per Bahn zurück zu wechseln“, sage Veit Salzmann, Geschäftsführer der HLB.

Was die Strecke zwischen Friedberg und Friedrichsdorf und andere Linien betrifft, so bietet man einen Schienenersatzverkehr durch Busse in beide Richtungen an. Diese steuern die jeweiligen Bahnhöfe an. Allerdings müssen die Fahrgäste dabei längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Im Schnitt betragen diese laut HLB 40 Minuten. Zwischen Rosbach und Friedrichsdorf etwa sollten die Kunden Verzögerungen von rund 20 Minuten einkalkulieren.

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