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Mit Leib und Seele dabei: Chorleiter Benedikt Baum beim Abschiedskonzert des Ephata-Chors.

Wie geht es weiter?

Chor Ephata verliert seine beiden Leiter

Seit rund 20 Jahren gibt es den Chor Ephata der Evangelisch-methodistischen Kirche. Jetzt haben Benedikt Baum und Michael Braaz ihr Engagement in der Chorleitung beendet. Das Aus des beliebten und überregional bekannten Chores soll das aber nicht bedeuten.

Dynamisch und kraftvoll, dann wieder leise und zurückgenommen – das Konzert des Chores Ephata der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in der Wilhelmstraße am Samstagabend begeisterte viele Besucher. Das Können der rund 40-köpfigen Sängergruppe und die Freude an den modernen christlichen Liedern aus aller Welt ließ fast vergessen, dass dieser Auftritt eigentlich als Abschlusskonzert angekündigt war.

Denn Benedikt Baum hört nach acht Jahren als Dirigent auf. Michael Braaz, der von Anfang an dem Ensemble arbeitet und es am Klavier begleitet, wird ebenfalls nicht weitermachen. Benedikt Baum will sich künftig auf sein Referendariat als Grundschullehrer konzentrieren, das er bereits an der Hardtwaldschule in Seulberg begonnen hat.

Bei Braaz war es nach vielen Jahren intensiver Chorarbeit „einfach mal Zeit, auch um den Kopf frei zu bekommen“, wie er sagt. Ein paar schlaflose Nächte habe es da schon gegeben, gibt Braaz zu. Denn für beide ist der Chor mehr als ein wöchentliches Treffen zum gemeinsamen Singen.

„Er ist eine Gemeinschaft, in der man auch Hilfestellung für den Alltag findet.“ Gemeinsame Gebete in schwierigen Zeiten gehören ebenso dazu wie und die eine oder andere Hochzeit von Chormitgliedern. Die gemeinsame Arbeit haben beide geschätzt. „Da gab es keinen Knatsch. Wir beide verstehen uns musikalisch blind, das hat einfach gepasst“, bilanziert Braaz. Auch dadurch habe der Chor mit seinem Spirit Herzen geöffnet und Hoffnung gegeben, ergänzt Baum, der gleichzeitig weiß, dass „deshalb wohl niemand damit gerechnet hat, dass wir aufhören möchten.“ Trotzdem sei ihnen vor allem „viel Dankbarkeit und Verständnis“ für die Entscheidung entgegengebracht worden.

Tatsächlich war diese Nachricht für die Chormitglieder erstmal so was wie ein kleiner Schock. Denn sowohl Braaz als der „Mann am Klavier“ als auch Baum, der Ephata immer mit vollem Körpereinsatz dirigiert, werden für ihr musikalisches und pädagogisches Können sehr geschätzt.

Bei einigen Chormitgliedern seien deshalb Tränen geflossen, sagt Chorsängerin Jutta Springwald. „Wir haben viel geweint. Aber wir können die Motive der beiden gut verstehen. So einen Chor zu leiten kostet einfach viel Zeit und Kraft.“ Die aber gut investiert war. Über die Jahre ist aus Ephata, der als Jugendchor gegründet wurde, bereits unter den Vorgängern von Baum und immer mit Braaz eine fest Größe in der hiesigen Chorlandschaft geworden, die auch überregional gerne gehört wurde – im Inland und im Ausland, wie beispielsweise vor zehn Jahren in Südafrika. Zuletzt ging es auf Chorreise in den Schwarzwald.

Das Aus für den Chor soll der Abschied der beiden nicht bedeuten. Wie es weitergeht, ist zwar noch nicht klar, aber die Gemeinde ist bereits auf der Suche nach einer neuen Leitung für den Chor, dessen Bandbreite von modernen Kirchenliedern bis zu alten Chorälen reicht.

„Die Zeit wird zeigen, ob der Chor ein Projektchor wird oder ob es mit den wöchentlichen Proben weitergeht“, sagt Braaz. Irgendetwas aber werde kommen. Oder, um es mit Sängerin Jutta Springwald zu sagen: „Eine Tür geht zu und eine andere Tür geht auf“. Ephata heißt übersetzt „Öffne dich“. Mit dem Abschlusskonzert hat der Chor Ohren und Herzen geöffnet und vielleicht auch eine Tür in eine neue Zukunft.

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