Am ehemaligen Sportplatz

Dioxin auf der Öko-Baustelle

Bevor die Bauarbeiten für die Ökosiedlung starten können, muss erstmal der Boden des ehemaligen Sportplatzes saniert werden. Teile davon sind mit Dioxin belastet. In den Akten der Stadt hatte dagegen etwas anderes gestanden.

Böse Überraschung bei den Vorbereitungen für die Bauarbeiten an der künftigen Ökosiedlung an der Plantation: Die Frank-Gruppe, die als Investor auftritt, hat bei Bodenuntersuchungen Dioxin gefunden. „Niedrig belastet war der frühere Hartplatz, stärkere Belastung haben wir auf der ehemaligen Laufbahn festgestellt“, berichtete der Pressesprecher der Frank-Gruppe, Clemens Thoma, gestern. Das Problem heißt Kieselrot. „Das ist Kupferschlacke. Sie wurde bis in die 1960er Jahre häufig als Belag für Sportplätze und Spielstätten verwendet“, erklärte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne).

Anfang der 1990er Jahre wurden viele Sportstätten wegen der erhöhten Dioxinkonzentration im Kieselrot-Belag gesperrt und saniert. Nur in Friedrichsdorf nicht. Warum: „Unseren Akten zufolge wurde auf den Sportplätzen nicht Kieselrot, sondern Gelsenrot verwendet“, so Burghardt. Letzteres sei harmlos.

Weil aber das, was in den Akten stehe, offenbar nicht immer stimme, werde die Stadt jetzt auch alle anderen Hartplätze und Laufbahnen engmaschig untersuchen lassen. Und zwar in Seulberg, Köppern und Burgholzhausen. Direkt nach Pfingsten sollen die Proben entnommen werden. Gesperrt würden die Sportanlagen aber deswegen jetzt nicht. Es gebe keine akute Gefahr. Die Frank-Gruppe zitiert dazu eine Studie von 1994, bei der Kinder, Sportler, Anwohner und Platzwarte, die auf einem Sportplatz mit Kieselrot in Kontakt gekommen waren, untersucht wurden. Bei diesen Personen sei keine auffällige Dioxinkonzentration festgestellt worden. Eine andere Studie habe ergeben, dass Kieselrot nur gefährlich sei, wenn es längere Zeit über den Magen aufgenommen werde.

Eine Gefahr für das Grundwasser bestehe aber nicht, weil Dioxin nicht wasserlöslich sei und daher auch nicht ins Grundwasser sickern könne. Trotzdem ist Dioxin ein Umweltgift, es entsteht bei Verbrennungen und kann die Abwehr des menschlichen Körpers gegen Krebszellen verschlechtern.

Die Ergebnisse der Untersuchungen der Sportanlagen in den Stadtteilen erwartet Burghardt nach etwa vier Wochen. Insgesamt würde die Sache 16 000 Euro kosten. Das Regierungspräsidium in Darmstadt, das Gesundheitsamt und das Amt für Arbeitsschutz seien schon über die Kieselrot-Belastung an der Plantation informiert. Das kritische Gelände ist eingezäunt.

„Ein Gutachter hat bereits in unserem Auftrag ein Entsorgungs- und Sanierungskonzept entwickelt, das jetzt dem Regierungspräsidium zur Genehmigung vorliegt“, so Thoma. Demnach müssten 10 bis 30 Zentimeter Boden abgetragen und zum Teil auf einer Deponie für gefährliche Abfälle fachgerecht entsorgt werden. Die Arbeiter müssen dazu Schutzanzüge und Atemmasken tragen. Damit sich der Stoff nicht per Staub über die Luft verteilt, wird die Erde vor dem Ausbaggern befeuchtet, und es wird nur an windarmen Tagen gearbeitet.

„Insgesamt 2000 Kubikmeter belastetetes Material kommen so zusammen“, erklärte Projektsteuerer Jürgen Steverding. Zum Abtransport werde es in sogenannte „Big Bags“ verpackt. „Anschließend, wenn alles sauber ist, kann die fünf Meter tiefe Grube für die künftige Tiefgarage ausgehoben werden.“

Der Baubeginn für die Ökosiedlung verzögere sich damit zwar um einige Wochen. Am Vertriebsstart im Herbst halte die Frank-Gruppe aber fest, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Marc Schauenburg. Dann könnten sich Interessenten anschauen, wie die künftigen Häuser dort aussehen sollen.

Anwohner, Schulen und Sportvereine der Plantation erhielten gestern Informationsschreiben zu dem Kieselrot-Problem und der baldigen Sanierung des früheren Sportplatzes. „Wir legen Wert auf Transparenz“, so Thoma.

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