Kulturamtschef Jonas Steinert besuchte nicht nur fast alle Sommerbrücke-Events, sondern sammelte auch fleißig mit dem schwarzen Zylinder Spenden.
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Kulturamtschef Jonas Steinert besuchte nicht nur fast alle Sommerbrücke-Events, sondern sammelte auch fleißig mit dem schwarzen Zylinder Spenden.

Sommerbrücke Friedrichsdorf

Ein Festival für Friedrichsdorfer

  • Klaus Späne
    VonKlaus Späne
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Guter Besuch, gute Mix, gute Stimmung: Die Friedrichsdorfer Sommerbrücke war trotz manch widriger Umstände eine runde Sache

Friedrichsdorf -Nicolai Friedrich hat bereits sein Gastspiel gegeben. Ebenso Kabarettistin Sarah Hakenberg und die Sickpack Goldsinger. Am Sonntag zaubert Pit Hartling im Forum. Und bereits einen Tag zuvor spielen Kai Strauss & the Electric Blues Allstars in der Reihe Mike's Blues Time. Kein Zweifel, die Zeichen stehen wieder auf Musik, Kabarett, Theater und Magie und was sich sonst noch im Universum der schönen Künste tummelt. Oder auf Friedrichsdorf heruntergebrochen: Kulturzeit und Garniers Keller sind am Start.

Wie stark das Bedürfnis nach Kultur nach der Pandemie-Zwangspause ist, zeigt die Bilanz der diesjährigen Sommerbrücke. Insgesamt 4000 Besucher verzeichnet Kulturamtsleiter Jonas Steinert bei den 17 Veranstaltungen im Sportpark und in der Freilichtbühne Alte Burg in Burgholzhausen. Rund 3000 weniger als bei der letzten Auflage im Jahr 2019, als man rund 7000 Besucher verzeichnete. Aber ok, Vor-Corona-Zeit und 22 Veranstaltungen. Hinzu kam, dass wetterbedingt 2021 der Poetry Slam ausfallen musste. Abgesehen davon, dass der Sommer 2021 eh durchwachsen war, gelinde gesagt.

Von daher kann sich das Open-Air-Event unterm Strich sehen lassen. Umso mehr als es von einem großen Handicap begleitet war. Der Einlass war limitiert, die Besucher mussten zuvor personalisierte, kostenlose Karten buchen. Also nichts mit nach dem Prinzip "mal sehen, was da läuft" einfach hingehen wie in früheren Zeiten. Aber auch davon ließen sich die Leute nicht abschrecken.

In anderen Worten: Die Veranstaltungen waren in der Regel schnell ausgebucht. Auch bei der schrittweisen Aufstockung des Kartenkontingents, zu dem sich Steinert & Co. nach der ersten und noch einmal nach der zweiten Veranstaltung entschlossen, nachdem sich gezeigt hatte, dass das Hygienekonzept funktioniert. Nur bei manchen Acts dauerte es etwas, bis sich Sportpark oder Freilichtbühne füllten. Generell klaffte gelegentlich eine Lücke zwischen gebuchten Tickets und tatsächlichen Besuchern. Die Unverbindlichkeit der kostenlosen Karten führte nicht immer zu entsprechenden Stornierungen.

Bei einem differenzierten Blick auf das Sommerbrücken-Angebot stellt sich heraus, dass vor allem Veranstaltungen mit gewissem Partycharakter besonders beliebt waren. Allen voran die Band Niteshift. "Das war ratzfatz weg", sagt Steinert. Und natürlich die Kultband The 2nd Generation - ein Mega-Zugpferd.

Lokale Künstler

als Markenzeichen

Aber auch andere Formate liefen gut. Zum Beispiel der ausgefallene Poetry Slam in der Freilichtbühne - 237 mal gebucht, bei einer Begrenzung auf 250. Oder der Klassik-Abend mit 270 Besuchern und die Matinee mit Sven Claussen & Friends, die mit 237 Gästen so voll war, dass die an wesentlich kleineres Publikum gewöhnten Jazzer ziemlich verblüfft waren. Schließlich die beiden Abschluss-Acts mit Artistik- und Zirkus, die zwei Mal auftraten - einmal vor vollem, das andere Mal vor fast vollem Haus.

Kein Wunder also, dass Steinert zufrieden auf die erste Sommerbrücke blickt, die er programmatisch eigenverantwortlich organisiert hat. Auch die Eingrenzung des Sportparkgeländes habe sich nicht negativ ausgewirkt. "Rein optisch hat mir das gut gefallen." Nur die Niedrigschwelligkeit der früheren Sommerbrücken ginge dadurch verloren. Aber es sei im zweiten Corona-Jahr gar keine andere Wahl geblieben. Überhaupt sei das Hygienekonzept aufgegangen. Den Sicherheitsdienst habe man nicht großartig einsetzen müssen. "Die Leute haben aufeinander aufgepasst und hatten trotzdem Spaß."

Und wie sieht's inhaltlich aus? "Die Mischung hat gestimmt", sagt der Kulturchef. Neben den Party-Acts seien viele ruhigere Sachen dabei gewesen. Es gehe darum, eine kulturelle Vielfalt zu bieten und verschiedene Bevölkerungsgruppen anzusprechen. Nichts was gefehlt hat? "Unter anderen Bedingungen hätte man noch etwas machen können, was lauter ist."

Noch eine Erkenntnis: Die Sommerbrücke zieht überwiegend Einheimische an oder wie es Steinert ausdrückt: "Das ist wirklich ein Festival für Friedrichsdorf. Festgestellt anhand der Kontaktlisten. Weiterer Pluspunkt: Die Spenden sind mit 12 000 Euro recht hoch ausgefallen. Zum Vergleich: 2019 landeten in dem Hut, der bei den Veranstaltungen umgeht, 17 000 Euro. "Prozentual gesehen kann man ganz zufrieden sein", sagt Steinert.

Der richtet bereits den Blick auf 2022. Es gebe schon viele Ideen, auch das eine oder andere Gespräch mit Künstlern. Ein Anliegen sei ihm, auch lokale Künstler sichtbar zu machen und damit ein Bewusstsein und eine Wertschätzung zu schaffen. "Man hat hier richtig gute Leute. Das ist ein wertvolles Gut, das eine städtische Gemeinschaft hat." Er könne sich vorstellen, das als Marke zu etablieren. VON Klaus Späne

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