Frisch entstandene Werke öffentlich präsentiert

Wie eine Aktzeichnung entsteht

Beim Workshop „Freies Aktzeichnen“ konnten sich fortgeschrittene Maler am Samstag in der musisch bildnerischen Werkstatt mit dem Zeichenstift beweisen. Anschließend wurden die Bilder gleich ausgestellt.

Von EVA KATERNBERG

Aktzeichnen ist sicherlich eine der Königsdisziplinen des Zeichnens und sehr lehrreich für den Maler. „Man lernt gut Formen zu sehen“, findet Workshop-Teilnehmerin Waltraut Bartl. „Und weil man sich nur auf die Formen konzentriert, ist es auch nicht komisch, einen nackten Menschen zu zeichnen.“ Helga Winnen ist der gleichen Meinung: „Aktzeichnen schult das Auge. Wer Malerei ernst nimmt, für den ist Aktzeichnen ein Muss.“ Sie malt seit 16 Jahren, erst Aquarell, dann Akt und Porträt. „Das Zeichnerische liegt mir“, sagt die ehrenamtliche Helferin im Tierheim. Auch Waltraut Bartl ist schon lange dabei. Seit acht Jahren fertigt sie vor allem Ölgemälde an. Workshop-Leiterin Britta Hansa gibt normalerweise Tipps beim Malen. Nicht so heute. „Die fortgeschrittenen Aktzeichner konnten einfach kommen und zeichnen, ohne dass ich eingreife. Wir haben nur den Raum und das Modell zur Verfügung gestellt“, sagt sie. So konnte sie sogar selbst mitmachen. Zur Ausstellung sagt Hansa: „Die dient vor allem dazu, auch mal jemandem zu zeigen, der sich nicht traut, zu den Kursen zu kommen, dass die entstandenen Bilder nicht alle perfekt sind.“

Zwei Minuten

Die Kunstwerke könnten unterschiedlicher nicht sein. Manche sind farbig, andere nicht. Manche sind sehr detailliert, andere eher skizzenhaft. Das liegt unter anderem an der Dauer, die das Modell eine Pose gehalten hat. Britta Hansa erklärt: „Manche Posen werden nur ein oder zwei Minuten gehalten. Andere Posen werden für zehn bis fünfzehn Minuten gestanden. Da können die Zeichner sich mehr Zeit nehmen, ins Detail zu gehen.“

Die Zeichnungen reichen von Kreide über Bleistift bis hin zu Tusche. Waltraut Bartl hat Zeichnungen in Grün-Blau angefertigt, während Helga Winnen sehr detaillierte Zeichnungen in Brauntönen gefertigt hat. Auch Katrin Ohme hat teilgenommen und findet: „Jeder hat seinen eigenen Stil oder probiert auch mal einen neuen aus.“

Modell gestanden hat Bettina Jäger. Sie macht hauptberuflich Führungen im Städel und empfindet den Nebenjob auch als eine Bereicherung für ihren Beruf: „Man kann Aktbilder besser erklären, wenn man selbst auch Aktmodell ist.“ Zu der ungewöhnlichen Nebentätigkeit ist sie durch Zufall gekommen, als sie Teilnehmerin in einem Zeichenkurs war: „Ein Modell kam nicht, da bin ich eingesprungen.“ Damals war sie 17 Jahre alt. Heute hat die 50-Jährige 20 Jahre lang fast jede Woche Modell gestanden. In den vergangenen Jahren allerdings immer weniger und eher für private Künstler. Die Nacktheit sei für sie nie ein Problem gewesen: „Das kommt auf die Erziehung an. Meine Eltern waren Anhänger der Freikörperkultur.“

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