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Ende einer dreijährigen Durststrecke

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Von: Klaus Späne

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Flair und Leben: Das zeichnet den Hugenottenmarkt aus.Foto: ys
Flair und Leben: Das zeichnet den Hugenottenmarkt aus.Foto: ys © Yvonne Späne

Traditionelles, Exotisches, Leckeres, Historisches: In der Friedrichsdorfer Innenstadt wird am ersten Juli-Woche das Traditionsfest gefeiert.

Friedrichsdorf -Noch thront er in aristokratischer Distanziertheit in luftiger Höhe. Der landgräfliche Blick schweift gestreng und huldvoll zugleich über den Landgrafenplatz und darüber hinaus, dort wo sich die Hugenottenstraße langsam oberhalb des Rathauses verliert. Nichts deutet darauf hin, dass sich Friedrich II. bald inmitten des Orkans befindet. Menschenmassen, Musiklärm, Bratwurstduft, alles was zu einem volkstümlichen Ereignis dazugehört. Nicht zu vergessen die größte Impertinenz: ständig ein Glas Bier vor der hochherrschaftlichen Nase, die nicht mal gerümpft werden kann.

Andererseits ist es ja eine Art Ehrerbietung, dieses obligatorische Bier vor der Bürste des Stadtgründers, das traditionell als Startschuss für den Hugenottenmarkt dient. Am Freitag, 1. Juli, ist es wieder so weit: Punkt 17 Uhr stellt Sebastian Frank den Gerstensaft auf der Säule ab und läutet die dreitägige Sause zwischen Rathaus-Vorplatz und Hugenottenstraße, Ecke Talstraße ein.

Für manche ein neues Erlebnis

Für manche Neu-Friedrichsdorfer wird es ein ganz neues Erlebnis sein. Und auch für gestandene Hugenottenstädter steht es unter besonderen Vorzeichen, bedeutet es doch ein Wiedersehen mit einem schmerzlich vermissten Event. Drei Jahre sind ins Land gegangen, in denen Friedrichsdorf Hugo-Markt freie Zone war. Zwangsweise. Zunächst machte der Umbau des Landgrafenplatzes einen Strich durch die Rechnung. Dann verhinderte zweimal hintereinander Covid 19 größere Menschenansammlungen. Verständlich, dass das Ganze auch bei den Organisatoren beim Verein Hugo e. V., der sich eigens zur Wiederbelebung des Marktes gegründet hat, nicht spurlos vorbeigeht. "Wir sind langsam etwas aufgeregt, ob alles hinhaut", sagt Simone Rikert, die zum Organisations-Team gehört.

Aber Butter bei die Fische: Was erwartet die Besucher bei der 39. Auflage? Zunächst einmal ein buntes Spektrum von Ständen und Angeboten für alle Altersgruppen. Das wird allein beim Blick auf den Lageplan deutlich. Wie Perlen auf einer Schnur sind dort die Teilnehmer aufgereiht, rechts und links der Hugenottenstraße mit einem kleinen Schlenker in die Professor-Wagner-Straße nebst einer Ausbuchtung auf dem Landgrafenplatz.

Nur ein paar Beispiele: Die Närrischen Weiber und die Tanzgarde aus Rodheim sind ebenso am Start wie Dillinger Eck, Bistro Färberhäuschen, Montanara, Silvana Kaiser mit ihren Poffertjes und die Oberurseler Werkstätten für Behinderte oder Vereine wie DLRG oder die Musisch bildnerische Werkstatt. Letztere feiern ihr 40-jähriges Bestehen auf dem Markt mit Kaffee und Kuchen im Hof. An Bord sind auch die Kirchen und die Stadt (siehe Box), dazu mehrere Privatanbieter mit Verkaufsständen. Auch Neulinge sind dabei wie Tauna Tech mit einem Cocktail-Stand, das Café MoMo, das Restaurant Wasabi oder das Ristorantino Impuls Da Michele, um nur einige zu nennen.

Überhaupt wartet der Markt mit einem breiten kulinarischen Angebot auf. Die Palette reicht von nepalesisch à la Momo, marokkanisch über asiatisch und türkisch bis Balkanküche und der klassischen Bratwurst.

Keine Einschränkungenwegen Corona

Unterm Strich lässt sich sagen, dass fast alle Plätze vergeben und nur noch wenige frei sind. Kurzfristige Bewerbungen sind möglich auf der Webseite hugo-markt.de/bewerbung. Vor allem Kunsthandwerk hätte man gerne noch mehr. Auch was die Teilnahme von Vereinen betrifft, ist Luft nach oben. Hier warten offenbar einige noch ab, wie sich das Ganze entwickelt, um eventuell nächstes Jahr auf den Zug aufzuspringen. Corona-Einschränkungen gibt es übrigens keine auf dem Hugo-Markt 2022. Man habe aber drauf geachtet dass jeder Stand Sitzgelegenheit oder Stehtische hat, sagt Rikert.

Hugenottenmarkt-Profis wissen, dass das Straßen-Event auch mit Kultur und sonstiger Bespaßung aufwartet. So gibt es zum Beispiel ein Kinderprogramm mit Spielgeräten vor dem Standesamt sowie am Sonntag einen Kinderflohmarkt in der Philipp-Reis-Passage.

Zur Musik: Schauplatz ist einmal mehr der Landgrafenplatz. Am Freitag spielt die Bernd-Schütz-Band, am Samstag Solosänger Sahin Kuzera, Freihaus, 5 Minuten Ruhm und Actionteam. Zum sonntäglichen Frühschoppen spielen die Stadtkapelle Rosbach Harmonie und am Nachmittag bis zum frühen Abend Hat's and Stripes.

Schließlich wäre da noch der verkaufsoffene Sonntag, bei dem allerdings bis dato nicht ganz klar ist, wer alles teilnimmt. Generell wirkt die Wiederauflage des Hugenottenmarkts teilweise noch improvisiert. Bei all dem haben die Organisatoren Beachtliches vollbracht oder wie es Simone Rikert ausdrückt: "Wir mussten nahezu bei Null anfangen und auch ein komplett neues Sicherheitskonzept aufstellen."

Gut möglich, dass da im nächsten Jahr bei der 40. Auflage nachjustiert wird. Zum Beispiel könnte es eine Ausstellung zur Geschichte des Hugenottenmarkts geben. Und vielleicht schafft man es auch, bis dahin das gestalterisch wirklich sehr dünne Logo zu verbessern.

Alle Zeiten

Der Hugenottenmarkt startet am Freitag, 1. Juli, offiziell um 17 Uhr mit dem Bierfassanstich. Die Stände haben schon etwas früher geöffnet. Das Festgeschehen mit Live-Musik dauert an diesem Tag bis 24 Uhr.

Samstag beginnt das Fest dann um 10 Uhr. Zapfenstreich für die Musik ist ebenfalls um 24 Uhr. Der Sonntag wird mit einem Ökumenischen Gottesdienst eingeläutet. Ab 11 Uhr: Frühschoppen und Beginn verkaufsoffenen Sonntag. Ebenfalls ab 11 Uhr: Beginn Kinderflohmarkt in der Philipp-Reis-Passage und Ausstellung "Hugenotten" in der evangelischen Kirche. Livemusik bis 19 Uhr. Bis 20 Uhr werden am Finaltag Essen und Trinken verkauft. Details zum Programm auf hugo-markt.de.

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