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Entschleunigtes Tuckern auf dem Porsche in Friedrichsdorf

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Von: Olivera Glicoric-Fürer

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Ein Fendt aus dem Jahre 1956 und ein Hanomag, Baujahr 1959, gehören unter anderem zum Fuhrpark von Helmut Dietz, der im Fahrersitz Platz genommen hat. Seine Mitstreiter in Sachen alte Landmaschinen sind (von links): Adolf Schweitzer, Klaus Katzer, Achim Neuser, Karlheinz Becker und Heinz Reinhardt.
Ein Fendt aus dem Jahre 1956 und ein Hanomag, Baujahr 1959, gehören unter anderem zum Fuhrpark von Helmut Dietz, der im Fahrersitz Platz genommen hat. Seine Mitstreiter in Sachen alte Landmaschinen sind (von links): Adolf Schweitzer, Klaus Katzer, Achim Neuser, Karlheinz Becker und Heinz Reinhardt. © ogf

Freunde alter Landmaschinen halten ihre historischen Traktoren eigenhändig in Schuss

Friedrichsdorf -Sie werden gehegt und gepflegt, bestaunt, und wenn es an der Zeit ist ausgefahren. Dann brummen und knattern die alten Traktoren durch die Straßen, ihre unverkennbare Duftnote hinter sich herziehend. "Das Fahren ist entschleunigt und langsam", beschreibt Helmut Dietz, Vorsitzender des Clubs "Freunde alter Landmaschinen", das Reizvolle an diesem Hobby und ergänzt: "Es ist ein Kulturgut, das darf nicht verloren gehen."

Vor 20 Jahren wurde der Verein von sieben Männern aus der Taufe gehoben, "beim Schröder Hannes", ergänzen die Mitglieder: "Dort traf man sich früher", weiß Adolf Schweitzer. Und vermutlich haben die meisten Burgholzhäuser Vereine dort ihre Anfänge, bei einem Schoppen, in der ersten Etage der damaligen Gaststätte "Darmstädter Hof". Einen stillen Geburtstag feiern die Traktorenfreunde in diesem Jahr: Das jährliche Treffen im Hessenpark, die 800-Jahrfeier von Burgholzhausen werden sie bei manchen Aktionen begleiten, einige Ausfahrten hier und da, nichts Großes. Ihre Vorstandssitzung fand auch in aller Ruhe statt, inklusive der Vorstandswahl: Helmut Dietz wurde als Vorsitzender und Karl-Heinz Becker als Stellvertreter gewählt. Achim Neuser ist Kassenwart, Klaus Katzer Schriftführer und Achim Schweitzer Beisitzer. Aktuell zählt der Verein 33 Mitglieder, davon 18 Aktive, die bei den Ausfahrten oder regelmäßigen Treffen, sofern das pandemische Geschehen dies zulässt, dabei sind. "Wir sind ein kreisübergreifender Club", die Mitglieder kommen aus dem Hochtaunuskreis und der Wetterau.

Was bei den Treffen passiert? "Wir tauschen uns aus über die alten Maschinen", wie man sie zusammenschraubt, wo man Ersatzteile findet, wo man vielleicht einen alten Trecker gesichtet hat. "In einer alten Scheune", erzählt Katzer, habe er unlängst einen Trecker, Baujahr 1949, zufällig entdeckt: "Der hatte 40 Jahre lang nur rumgestanden und ist sofort angesprungen", laut und staubspuckend zwar, aber der Motor lief.

"Das gibt es bei heutigen Modellen nicht mehr", ergänzt Heinz Reinhardt, Ortsvorsteher von Burgholzhausen und Vereinsmitglied. "Zu viel Elektronik, wenig Mechanik." Hobbyschrauber könnten kaum noch selbst Hand anlegen, bedauern die Treckerfreunde.

Ein Pflug wie ein Museumsstück

Was so faszinierend sei an ihrem Hobby? Die Traktorenfreunde sind in ihrem Element, sie erzählen, wie die alten Maschinen früher in der Landwirtschaft genutzt wurden, wie die Technik und der Traktor die Landwirtschaft von einst revolutionierten. Auf Helmut Dietz' Hof steht eine alte Hackmaschine aus den 1950er Jahren. "Das war früher noch richtig Handarbeit", mit dem Gerät die Erde umzuwühlen, erklären sie. Dann betrachten sie einen alten Pflug - auch dieser in einwandfreiem Zustand wie ein Museumsstück - und beschreiben, wie der Pflug in den 1930er-Jahren von Pferden übers Feld gezogen wurde.

Fast bildet man sich ein, die gestandenen Männer freuten sich jungenhaft. Sie schwelgen in Erinnerungen, einige von ihnen kennen manche der Landmaschinen noch aus ihrer Kindheit, sie scheinen die Langsamkeit wieder für sich zu entdecken. Doch an den alten Porsches, Fendts, Hanomags, 11er-Deutz' können sie noch was reparieren, ölen, festdrehen, ersetzen. Die ehrwürdigen Trecker glänzen in Grün, Rot oder Türkisblau, hübsch anzusehen und im Vergleich zu den modernen Maschinen wirken sie schlicht, aber solide.

Katzer mäht und mulcht mit seinem Trecker noch seine Streuobstwiesen. Es gibt eine jährliche Trecker-Weltmeisterschaft am Großglockner in Österreich: "Bis zu 700 Schlepper werden dort ausgestellt", die Treckerfreunde reisen aus aller Welt an, mit dem großen Zuspruch hatten die Organisatoren damals gar nicht gerechnet, erinnert sich Dietz.

Jetzt freuen sich die Friedrichsdorfer und Wetterauer Freunde zunächst darüber, dass sie sich wieder in regelmäßigen Abständen nicht nur virtuell treffen können. Und das nächste Event steht im September an: Das Treckertreffen im Hessenpark.

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