Trotz Abstandsregeln und limitiertem Einlass war die Sommerbrücke 2021 ein Erfolg.
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Trotz Abstandsregeln und limitiertem Einlass war die Sommerbrücke 2021 ein Erfolg.

Hoffnung auf entspannten Sommer

Feiern in Friedrichsdorf statt Corona-Blues

  • Klaus Späne
    VonKlaus Späne
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Hugenottenmarkt, Sommerbrücke, Dippe- und Brunnenfest: Für 2022 sind zahlreiche Veranstaltungen geplant

Friedrichsdorf -Kein "Frisch gepresst" am Freitag kommender Woche im Forum. "Da bis Februar keine Besserung der Corona-Situation zu erwarten ist und so ein unbeschwerter Musikabend mit Bewegungsfreiheit nicht möglich sein wird." So die Begründung in der Mail aus dem Rathaus, in der die Verschiebung des Auftritts der populären Band verkündet wurde.

Fängt ja gut an das Kultur- und Veranstaltungsjahr 2022, hätte man im ersten Reflex denken können. Ein Menetekel? Droht eine weitere kulturelle Durststrecke? Halten wir den Ball flach, denn die Absage klingt bei näherer Betrachtung dann doch weniger dramatisch.

"Frisch gepresst" bestehe aus Hobbymusikern, die nicht nur schnöde ihren Stiefel runterspielen, sondern die auch Spaß bei der Sache haben wollen, erklärt Heike Havenstein vom Kulturamt. Und man stelle sich den Spaß vor, wenn eine Band von der Bühne aus auf ein Publikum blickt, dass nicht ausgelassen zur Musik tanzt, sondern mit Abstand und vor allem hinter Masken das Geschehen Fuß wippend auf den Stühlen verfolgt. Grausige Vorstellung solch eine Zombie-hafte Kulisse.

Dennoch, zum schwarz Sehen besteht im Moment trotz gerade wieder rasant steigender Corona-Inzidenz kein Anlass. Das sei vorweg gesagt: 2022 verspricht zwar keine Rückkehr zum unbeschwerten Hedonismus, aber doch ein ein Jahr mit Lichtblicken zu werden - Feiern statt Corona-Blues.

Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Traditionsereignisse. An erster Stelle das Comeback des Hugenottenmarkts . Der Straßenfestklassiker soll Wiederauferstehung feiern, nachdem 2020 und 2021 jeweils Covid-19 einen Strich durch die Rechnung machte. Und 2019 wurde nix draus, weil es einige Kritik an der Entwicklung des Fests respektive keine Förderung gab.

Nun also der erneute Anlauf 2022. Das haben sich die Verantwortlichen des eigens zu diesem Zweck gegründeten Vereins Hugo e.v. fest vorgenommen. Nicht nur das. Es gibt schon erste konkrete Pläne. Zum einen der Termin: Vom 1. bis zum 3. Juli soll das Fest über die Bühne gehen, verrät Simone Rikert, Inhaberin des Baby- und Kindermodengeschäfts "Finchen's Boutique", Hugo-Vize und Mitglied im Orga-Team.

Was das Programm angeht, soll der "Hugomarkt" einen möglichst lokalen Charakter haben. Das heißt viele Vereine, Geschäfte und Institutionen wie Städtepartnerschaftsverein, Ausländerbeirat oder Heimatmuseum können sich beteiligen. Kontakte wurden bereits aufgenommen. Viele, wie etwa die Rotarier und auch andere, hätten ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisiert, sagt Rikert.

Im Falle der Vereine wird zudem die Möglichkeit des Stand-Sharings angeboten. Dies auch mit Blick darauf, weil gerade kleine Clubs eine solche dreitägige Präsenz allein personell gar nicht oder nur schwer stemmen könnten. Mit einem geteilten Stand aber hätten sie jedoch die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Vor allem interessant für die vielen Neuzugezogenen, die zugleich einen Ansprechpartner hätten. Abspielen soll sich das Sharing übrigens in der Professor-Wagner-Straße. Weitere Kandidaten für den Markt sind die alten Höfe und die Kirchen. Auch von dieser Seite wurde schon Interesse geäußert. Zum Beispiel ist ein ökumenischer Gottesdienst vorgesehen. Und die Mormonen sagten ihre Hilfe bei der Bewirtung zu.

Festgezurrt sind bereits Teile des Programms. Am Freitag, 1. Juli, soll die Bernd Schütz Band spielen. Die bekannte Partyband stammt aus dem Taunus. Am Sonntag, 3. Juli, wird der Musikverein Harmonie aus Rodheim auftreten. Auch ein Frühschoppen mit einer Blaskapelle ist geplant, später ein Tanztee inklusive Kuchen für Ältere. Weiter vorgesehen ist ein Kinderprogramm mit verschiedenen Sportgeräten auf dem Parkdeck des Rathauses plus eine Rallye über den Hugenottenmarkt. "Uns ist es ein ganz wichtiges Anliegen, dass der Hugenottenmarkt für Familien mit Kindern bezahlbar bleibt", sagt Rikert.

Damit nicht genug. Auch in eigener Sache will der Hugenottenmarkt etwas anbieten. Dies in Form einer Ausstellung über die Entwicklung des Festes. Das soll in einem Pavillon auf dem Landgrafenplatz über die Bühne gehen. Schließlich noch ein wichtiger Baustein der drei Tage im Juli: der verkaufsoffene Sonntag. Dieser ist bereits beantragt, nun hoffen die Macher auf einen positiven Bescheid.

Auch finanziell sind die Voraussetzungen gegeben, dass der Hugomarkt in diesem Jahr Wiederauferstehung feiert. Der Zuschuss der Stadt in Höhe von 14 000 Euro ist genehmigt. Ebenso ein Extrazuschuss in Höhe von 6000 Euro, falls Corona-Maßnahmen erforderlich sind. Und vielleicht hat man im Rathaus auch inhaltlich noch Ideen. Demnächst steht jedenfalls ein Gespräch mit Wirtschaftsförderin Charlotte Zippe an. Die ist bekanntlich nicht unkreativ.

Ein Prädikat, das auch für ihren Kollegen Jonas Steinert gilt. Der Kulturamtschef steckt derzeit mitten in der Planung für die diesjährige Sommerbrücke . Wie diese aussieht? "Vom Format her wie letztes Jahr mit ein paar Überraschungen", gibt er einen ersten groben Einblick. Das Ganze am letzten Juli-Wochenende und in den ersten drei Augustwochen.

Das läuft offenbar wieder auf ein System mit limitiertem Einlass hinaus, bei dem die Besucher zuvor personalisierte, kostenlose Karten buchen können. Und wohl auf die Aufteilung der Veranstaltungsorte auf Sportpark und Freilichtbühne in Burgholzhausen. Alles andere als ein Beinbruch wie voriges Jahr gezeigt hatte.

Da kamen insgesamt rund 4000 Besucher zu den 17 Veranstaltungen. Und das obwohl ein Event ausfallen musste und der Sommer teilweise seinem Namen nicht die größte Ehre gemacht hat. Petrus steht somit in einer Bringschuld, ob er sich dran hält, bleibt abzuwarten. Von einem aber ist Steiner felsenfest überzeugt: "Die Sommerbrücke findet statt."

Das steht hingegen bei der Kul(t)our noch nicht fest. Dahinter verbirgt sich bekanntlich die ebenfalls beliebte Musiknacht, bei der in den Höfen der Hugenottenstraße und an anderen Schauplätzen in der Innenstadt zahlreiche Bands auftreten. 2020 und 2021 fiel sie wegen der Pandemie ins Wasser. Zeitraum ist normalerweise um Fronleichnam herum, das wäre dieses Jahr am 16. Juni. Ob 2022 etwas daraus wird, darüber sei noch keine Entscheidung getroffen worden, sagt Steinert. Hänge von der Corona-Entwicklung ab.

Gehen wir zeitlich noch mal etwas zurück in den Frühling. In Friedrichsdorf schon traditionell mit dem " Frühlingserwachen " gefeiert. 2020 hätte eigentlich die zehnte Auflage des Familienfests auf dem Houiller Platz gefeiert werden sollen - aber Pustekuchen. Nicht so 2022. Justament diese Woche habe man angefangen zu planen, sagt Stefanie Adamovic, die Sprecherin der Händlergemeinschaft. Als Zeitraum für das Fest habe man Samstag, 30. April, auserkoren. Nächste Woche soll die Genehmigung eingeholt werden. Die Chancen dafür könnten nicht schlecht stehen, erwacht der Frühling doch immer im Freien auf dem Platz.

Schließlich noch ein Schlenker nach Seulberg. Der Stadtteil ist normalerweise Mitte August Schauplatz des Dippe- und Brunnenfests . 2019 und 2020 mussten die Seulberger jedoch wie an vielen anderen Orten in die Röhre schauen. Auch ein schwerer Schlag für die Vereine, für die das Fest ebenso wie der Weihnachtsmarkt ein wichtiger Einnahmefaktor ist, um die ehrenamtliche Arbeit zu finanzieren. 2022 könnte das Stadtteilfest rund um die evangelische Kirche nebst Handwerkermarkt aber stattfinden. "Wir planen damit", sagt Vereinsringvorsitzender Fabian Höhn. Dies aber noch mit aller Vorsicht. Man habe im Vorjahr gesehen, wie sich die Situation innerhalb von wenigen Tagen ändern könne. Demnächst nach der Rückkehr der Verantwortlichen in den Vereinen aus der Weihnachtspause will man sich austauschen.

Zum Schluss noch ein Blick nach Dillingen, seit Jahren ein Epizentrum für Festivitäten. Die Dillinger Kerb lässt grüßen. Nicht aber in den letzten zwei Jahren, in denen der inoffizielle Stadtteil darben musste. Und 2022? "Planen auf jeden Fall!!", lautet die Antwort von Frank Knoblich von den Dillinger Freunden - mit zwei Ausrufezeichen. Wiedervorlage in ein paar Monaten.

2022 ist das Jahr der Jubiläen in Friedrichsdorf. Und zwar nicht irgendwelche Jahrestage, die krampfhaft zum Jubiläum hochgejazzt werden, sondern richtige Hochkaräter. Das wichtigste steht in Burgholzhausen an. Erste urkundliche Erwähnung des Dorfs war im Jahr 1222 als "castra Holzhusin". 800 Jahre später verdient das entsprechend gefeiert zu werden. Blöderweise macht in diesem Jahr Spaßbremse Corona einen Strich durch die Rechnung. Dennoch: "Das Festwochenende wird voraussichtlich Mitte Juni 2023 stattfinden", sagt Vereinsring-Vorsitzender Hans Struwe.

Besser sieht's beim kleineren Pendant aus. 50 Jahre Gesamtstadt Friedrichsdorf heißt es dieses Jahr. Verschiedenes ist angedacht. Zum Beispiel eine 70er-Jahre-Party - mit Schlaghose, wie der Bürgermeister kürzlich im Interview sagte. Dazu vielleicht auch das eine oder andere Event auf der Sommerbrücke.

Philipp-Reis-Haus

Die Friedrichsdorfer dürfen sich in diesem Jahr auf ein weiteres Ereignis freuen: Das neu gestaltete Philipp-Reis-Haus soll eröffnet werden, nachdem das schon fürs vorige Jahr geplant war. Wann und in welcher Form steht noch nicht fest. "Es wäre schade, das Museum im Stillen zu eröffnen - ohne eine größere Eröffnungsfeier", sagt Erika Dittrich, die für Museen und Archiv der Stadt zuständig ist.

Kein Jubiläums-Fest in Castra Holzhusin

Last but not least will in Köppern die Feuerwehr endlich ihren 100. Geburtstag feiern. Das Fest war ursprünglich schon im vorigen Jahr geplant, musste aber abgesagt werden. Nun der erneute Anlauf. Am zweiten Wochenende im Juli und in der Festwoche davor geht die Post ab im Stadtteil. Mit Zelt und diversen Veranstaltungen am Gerätehaus, verrät Wehrführer Jürgen Reeh. Dafür gibt es dieses Jahr kein Batschkappenfest. Von Klaus Späne

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