Ansprechpartner für Geflüchtete

Flüchtlingshilfe sucht dringend Übersetzer für Arztbesuche

Eine Helferin beklagt die Lücke, die durch den Wegfall von zwei städtischen Ansprechpartnern für Geflüchtete entstanden sei. Nach dem Auslaufen der beiden befristeten Stellen gebe es nun einen Engpass bei der sprachlichen Unterstützung von Geflüchteten vor allem bei Arztterminen. Diese hätte es jedoch so gar nicht geben dürfen.

Eben mal für Flüchtlinge beim Arzt übersetzen? So einfach geht das nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn die Übersetzungshelfer zwar städtische (wenn auch befristete) Hilfsstellen haben, aber keine ausgebildeten oder vereidigten Übersetzer sind. Trotzdem war es in Friedrichsdorf bis vor Kurzem offenbar noch anders. Die beiden Hilfskräfte, die in den vergangenen zwei Jahren die Stadtverwaltung als Ansprechpartner für Flüchtlinge stundenweise, respektive in Teilzeit unterstützten, haben immer wieder Flüchtlinge zu Arztterminen begleitet, um bei Verständigungsproblemen zu helfen. Eine Kraft stammt aus Afghanistan, die andere aus Syrien. Beide sind weder Dolmetscher noch Übersetzer.

Jetzt sind die beiden städtischen Stellen, die von Anfang an auf zwei Jahre befristet waren, ausgelaufen. Für die ehrenamtlich engagierte Flüchtlingshelferin Birgit Merklein, die seit dem Jahr 2014 mit ihrem Ehrenamtler-Team das Spendenlager und die Fahrradwerkstatt in der Herrenhofstraße und in der Max-Planck-Straße aufgebaut hat, ist dadurch eine empfindliche Lücke entstanden. Sie sagt: „Einige Flüchtlinge brauchen nach wie vor solche Begleiter, um richtig zu verstehen, was beim Arzt besprochen wird.“ Mit diesem Anliegen ist sie zuletzt beim Ausländerbeirat der Stadt vorstellig geworden und berichtete von der problematischen Situation in dessen öffentlicher Sitzung am vergangenen Dienstag. Der Ausländerbeirat will nun eine entsprechende Anfrage an den Magistrat der Stadt stellen.

Zuvor hatte sich Birgit Merklein in der Angelegenheit an Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) gewandt. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte der Friedrichsdorfer Verwaltungschef, dass die Einrichtung der beiden Stellen vor zwei Jahren „ein Teil des Krisenmanagements“ gewesen sei, als viele Flüchtlinge gekommen sind und einfach schnell reagiert werden musste. „Wir waren seinerzeit auch auf der Suche nach einer zweiten Sozialarbeiterin, haben aber niemanden bekommen.“ Die Beschäftigung der beiden Hilfskräfte auf Zeit sei damals eine Lösung gewesen.

Jetzt, zwei Jahre später, sehe die Sache anders aus, erklärte Burghardt weiter. Eine zweite Sozialarbeiterstelle habe inzwischen besetzt werden können. Eine weitere Beschäftigung der beiden Hilfskräfte sei auch deshalb nicht möglich, weil eine Verlängerung eine Entfristung der Verträge, also eine dauerhafte Anstellung bedeuten würde. Dafür aber fehle die „sachliche Entscheidungsgrundlage“. Dies kann durchaus auch so verstanden werden, dass die Stadtverwaltung derzeit keinen weiteren Bedarf für solche Stellen sieht.

Ganz anders sieht das naturgemäß Birgit Merklein. Sie berichtet, dass sie wiederholt von Ärzten aus Friedrichsdorf und Umgebung angerufen worden sei, weil diese für die Behandlung von Geflüchteten Hilfestellung bei Sprachproblemen benötigen. Doch genau diese bisher angewendete Übersetzungsleistung ist die Crux: Denn bei den beiden Hilfskräften, so Bürgermeister Burghardt, habe es sich eben nicht um professionelle Übersetzer gehandelt. Insofern hätte es solche Leistungen „eigentlich“ gar nicht geben dürfen – jedenfalls nicht im Rahmen der städtischen Anstellung. Bürgermeister Burghardt: „Hätte ich früher gewusst, dass die beiden Flüchtlinge als Übersetzer bei Arztterminen begleitet haben, hätte ich das direkt unterbunden.“ Denn, so erklärt Burghardt weiter, für Übersetzungen in diesem sensiblen Bereich seien die beiden städtischen Hilfsstellen „nie vorgesehen“ gewesen.

Da es zur Zeit auch keine hauptamtlich bei der Stadt Beschäftigten gibt, die bei solchen Arztterminen eingesetzt werden könnten, verweist der Verwaltungschef auf die gut funktionierende, ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Hier gebe es Ansprechpartner, um auf privater Ebene eine sprachliche Unterstützung zu organisieren. Außerdem, so Burghardt weiter, hätten sich die Flüchtlinge in der Zwischenzeit untereinander recht gut vernetzt, um sich selbst um eine entsprechende Hilfe kümmern zu können.

Damit liegt der Ball jetzt wieder bei der Flüchtlingshelferin Birgit Merklein. Der Tipp von Bürgermeister Burghardt, sich an den Hochtaunuskreis zu wenden, hat nach ihren Angaben bislang noch zu keinem Ergebnis geführt. Sie erklärt weiter: „Ich habe auch bei der Ausländerbehörde nachgefragt. Dort sagte man mir, dass es auf Kreisebene keine Sprachlotsen oder Übersetzungshelfer gibt, die angefordert werden könnten.“ Auch eine Anfrage dieser Zeitung bei der Kreisverwaltung hat bislang kein anderes Ergebnis gebracht. Dies bedeutet, dass – abgesehen von schwierigen Fällen, in denen sozusagen von Amts wegen professionelle Übersetzer zum Einsatz kommen – Flüchtlingen mit Übersetzungsbedarf nur der Weg über die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe oder die Selbsthilfe bleibt.

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