Wie Playmobil-Figuren wirken die Bauarbeiter in der riesigen Grube. In den nächsten Monaten geht's in die Höhe.
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Wie Playmobil-Figuren wirken die Bauarbeiter in der riesigen Grube. In den nächsten Monaten geht's in die Höhe.

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Große Baustelle in Friedrichsdorf nimmt Fahrt auf – Nicht alle sind begeistert

  • Klaus Späne
    VonKlaus Späne
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Zeit mal wieder einen Blick auf Friedrichsdorfs derzeit wohl größte Baustelle zu werfen. Denn dort tut sich in diesen Tagen eine ganze Menge.

Friedrichsdorf -Zunächst einmal sticht das riesige Loch ins Auge. Nicht so sehr wegen der Tiefe, die über den Daumen gepeilt circa drei Meter im Verhältnis zu dem daneben verlaufenden Weg beträgt. Beeindruckend ist die Dimension, erstreckt sich die rechteckige Grube doch auf rund 7300 Quadratmeter.

Auch im Innern spielt sich eine Menge ab. Der Boden ist weitläufig mit Baustahlgittern ausgelegt, was von oben betrachtet wie ein kleiner See aus Metall wirkt. Ein See, aus dem zwei gelbe Kräne in den Himmel ragen, und in dem Männer mit orangefarbenen Plastikhelmen zugange sind. Sie wirken angesichts der über 32 Meter hohen Metallmonster mit ihren 55 Meter langen Querauslegern wie Playmobil-Figuren.

Baustelle in Friedrichsdorf nimmt Fahrt auf

Schauplatz ist das Gelände südlich des Hohen Wegs. Dort wo einst ein Teil der alten Philipp-Reis-Schule stand, nimmt nach dem Spatenstich im Frühjahr dieser Tage das Wohnbauprojekt Hoher Weg Süd sichtlich Fahrt auf. Genauer gesagt haben die Rohbauarbeiten begonnen.

Bevor aber davon die Rede ist noch ein Rückblick mit Feodora Wolff, Projektentwicklerin des Bauherrn BPD aus Frankfurt, auf die Erdarbeiten, auch wenn diese mittlerweile weitestgehend abgeschlossen sind. Interessant ist das deshalb, weil es dabei eine besondere technische Herausforderungen des Bauvorhabens zu bewältigen galt.

Hoher Weg in Friedrichsdorf : Parkplätze fürs Schwimmbad

Genauer gesagt geht es um einen Höhenunterschied von sieben Metern auf dem Gelände. Dieser schwankt auf dem Areal des ersten Bauabschnitts zwischen 221 und 214 Meter ü.NN. Die Abkürzung steht für "über Normal Null", also vereinfacht gesagt über dem Meeresspiegel. Abgesehen davon, dass solche Abweichungen am Taunushang naturgegeben sind, führt es dazu, dass die Häuser nicht auf einem einheitlich Höhen-Niveau, sondern leicht gestuft stehen. Das macht sich schon bei der Tiefgarage bemerkbar.

Auf zwei Ebenen ist diese untergebracht, sagt Wolff und weist auf die unterschiedlich hohen Flächen, die in der Grube zu sehen sind. Etwa 120 Stellplätze sind dort vorgesehen. Draußen respektive oberirdisch gibt es noch einmal 14 Parkplätze. Überhaupt ist die Stellplatz-Sache ein Thema, das auch für die Öffentlichkeit interessant ist. Dazu später noch mehr und zurück zum Rohbau.

Der läuft ganz systematisch ab. Installation der Bodenplatten, Vorbereitung der Schächte für die späteren sieben Aufzüge, danach gehts nach oben, beginnend bei Haus eins. Etwas zeitlich versetzt werden aber auch die anderen drei Häuser in Angriff genommen. Gebaut wird Stein auf Stein. Stein? Richtig gelesen, Kalksandstein. Beton kommt zwar auch zum Einsatz, aber nur dort, wo Erdkontakt besteht.

Und wie sieht's mit dem Zeitplan aus? Sieht sehr gut aus, sagt Wolff. "Der Rohbau wird einige Monate in Anspruch nehmen - gut bis in den Winter." Danach geht's das nächste Jahr an die Innengewerke. Und nein, unter dem grassierenden Baumaterialmangel habe man noch nicht gelitten. Der betreffe vor allem Holz. "Hier wird nicht so viel Holz verwendet", sagt Wolff.

Baugebiet Hoher Weg: 60 Prozent der Wohnungen schon verkauft

Und wie sieht's mit dem Verkauf der Wohnungen aus? 60 Prozent seien im unteren Bereich weg, sagt Thomas Gölker vom BPD-Vertriebsmanagement. Hinzu kämen etwas mehr als zehn Prozent Reservierungen.

"Wir haben noch jede Menge Zeit, liegen aber sehr gut in der Vetriebsgeschwindigkeit", ergänzt Feodora Wolff. Und das obwohl in Corona-Zeiten keine öffentlichen Besichtigungen möglich sind, sondern Einzeltermine ausgemacht werden müssen. Auch bei anderen publikumswirksamen Aktionen wie Spatenstich, Grundsteinlegung und Vertriebsstart habe man darauf verzichtet, Kunden einzuladen. Vielleicht beim zweiten Bauabschnitt.

Apropos: Kurzer Blick auf die rechte Seite des Hohen Wegs. Noch nicht viel zu sehen. Erdhügel türmen sich auf, Eine asphaltierte Straße verläuft den Hang hoch, verzweigt sich oben nach rechts und links. Es ist die künftige Karl-Herbert-Scheer-Straße, benannt nach dem aus Friedrichsdorf stammenden Mitbegründer der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. Rechts und links davon sollen 29 Reihen, Doppel- und frei stehende Einfamilienhäuser entstehen. Die Erschließungsarbeiten sind abgeschlossen, Kanäle, Leitungen für Telefon und Strom angelegt. Auch die Bauanträge sind gestellt - im Anschluss an die Genehmigungen geht's in den Vertrieb, sagen die BPD-Verantwortlichen. Und der Bau selbst startet, wenn eine gewisse Vorverkaufsquote erreicht ist.

Baugebiet in Friedrichsdorf: Anwohner sind skeptisch

Manche Anwohner in Taunusstraße und Hoher Weg dürften das mit gemischten Gefühlen betrachten. Schon den ersten Bauabschnitt begleiten sie mit Skepsis, wie sie am Bauzaun erzählen. Lärm, Sorge um die Aussicht, der künftige Verkehr sind vielgehörte Argumente. Immerhin ein Trostpflaster gibt es. Durch die neue Siedlung entstehen etwa 60 öffentliche Parkplätze, die künftig Schwimmbadbesuchern und Vereinen zur Verfügung stehen. Auch das bekanntlich ein Problem. (Klaus Spähne)

Erst kürzlich stürzte ein Haus in der Nähe von Friedrichsdorf nach einem lauten Knall ein.

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