1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Friedrichsdorf

Friedrichsdorf: Die Dillinger-Kerb ist zurück!

Erstellt:

Von: Klaus Späne

Kommentare

Muntere Truppe: die Dillinger Kerbeburschen bei der letzten Vorkerb 2019. In diesem Jahr dürfen sie wieder normal feiern.
Muntere Truppe: die Dillinger Kerbeburschen bei der letzten Vorkerb 2019. In diesem Jahr dürfen sie wieder normal feiern. © p

Erstmals seit 2019 wird das Kultstraßenfest wieder gefeiert. Die Preise sind gestiegen, aber dafür steht ein Jubiläum an - und ein verbotener Party-Song auf der Playlist.

Dillingen - Natürlich, ohne Gustav Schneider läuft nichts bei dem großen Ereignis. Besser gesagt nicht ohne die "Gustav-Schneider-Arena", benannt nach dem verstorbenen Dillinger Urgestein. Unübersehbar verkündet ein Banner am Zaun des Anwesens in der Dillinger Straße vom großen Ereignis. Am Samstag, 23. Juli, ist es so weit: Vorkerb, seit Jahr und Tag das traditionelle Präludium der Dillinger Kerb. Unter der Regie der Kerbebienen und "in gemütlicher Runde", wie es Daniel Meyer, Chef der Dillinger Kerbeburschen, ausdrückt. Will heißen: Dillinger, Mitglieder befreundeter Vereine und befreundete Kerbeburschen.

Vor allem aber unter anderen Vorzeichen als im vorigen Jahr, als man quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in mehr oder weniger geschlossener Gesellschaft feierte. Keine Werbung, nur mit ein paar Auserwählten, die zudem auch zwei Mal geimpft oder frisch getestet waren, am Eingang lagen zusätzlich Corona-Selbsttest. Die anschließende Kerb selbst fiel dann bekanntlich ins Wasser - zu riskant, wie so viele andere Feste in Friedrichsdorf und andernorts. Davon kann dieses Jahr keine Rede sein.

Treffen mit Daniel Meyer am Brunnen beim Dillinger Dom. Keine Spur von Nervosität angesichts des Neustarts nach der Durststrecke von gleich zwei ausgefallenen Ausgaben des Kultstraßenfests hintereinander. "Wir freuen uns drauf", sagt Meyer, dessen Kerbeburschen zusammen mit den Dillinger Freunden das Orga-Team bilden. Klar, habe man sich erst wieder in die Materie hineindenken müssen. Aber gleich wieder reingefunden. Über die Jahre sei halt viel Routine entstanden. Nur beim Arbeitsaufwand habe es Veränderungen gegeben. Den versuche man zu reduzieren, "ohne an Qualität zu verlieren". Zum Beispiel bei der Bühne für die beiden Live-Bands, die auf der Kerb auftreten. Wurde bisher in Eigenregie aufgebaut, nun lässt man aufbauen. Ansonsten helfen auch die Damen der Kerbebienen und teilweise noch ein paar Nachbarn tatkräftig mit.

Während der Pandemie sind die Fixkosten gestiegen

Erwähnt werden muss noch eine andere Veränderung von außen, mit der die Dillinger wie auch andere Veranstalter konfrontiert sind: Die Fixkosten fallen höher aus, da etliche Preise in der Corona-Zeit gestiegen sind. Das betrifft die Bands, die teurer geworden sind. Aber auch die Preise für Würste und Getränke sind nicht mehr dieselben. Auf der Kerb wollen sie jedoch die Getränke auf bezahlbarem Niveau halten, das Bier kostet daher 2,50 Euro, andernorts ist es teurer.

Selbst vor den WC-Kabinen hat die Entwicklung keinen Halt gemacht. Er habe wochenlang herum recherchiert und Angebote verglichen, erzählt Meyer. Ergebnis: "Teils 40 Prozent teurer." Die Preise für Kabinen 1050 statt 700 Euro. Noch ein Beispiel: die Bauzäune, die bei der Kerb vor Höfen aufstellt, um unerwünschte Besucher abzuhalten. 13 Stück benötigt man. Bedeutet im Schnitt 25 Prozent Mehrkosten.

All das wirkt sich aber nicht auf das Angebot der Kerb aus. Die wartet mit dem bewährten Mix auf: Getränkehütte der Kerbeburschen nebst Cocktailbar, Essensstand der Dillinger Freunde, Getränkepavillon, Weinstand des Gesangvereins, dazu ein kleines Schausteller-Aufgebot inklusive Schießstand. Dazu kommt als Neuerung eine kleine Hüpfburg.

"Wir stehen alle in den Startlöchern", sagt Meyer. Kommenden Dienstag und Mittwoch wird der Aufbau vorbereitet. Der geht am Donnerstag richtig los und ist am Freitag im Laufe des Tages fertig. Eröffnet wird die Kerb am selben Tag um 18 Uhr. Bei dieser Gelegenheit werden auch vier Anwärter zu Kerbeburschen geweiht. Apropos Kerbeburschen. Für die hat das Straßenfest einen besonderen Stellenwert. Schließlich feiert man das 25-jährige Bestehen der munteren Truppe.

Zu deren Aufgabe gehört auch das Aufstellen des Kerbebaums diesen Samstag um 16 Uhr zum Glockengeläut des Dillinger Doms. Das in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen, da man den Baum aus dem Wald beim Pelagiusplatz zwischen Dillingen und Saalburg holen muss.

Fehlt noch eine fundamentale Frage: Wie halten es die Veranstalter mit "Layla". Wird der Ballermann-Hit gespielt, der in Deutschland die Gemüter erregt mit Hyperventilierungstendenz vor allem in Political-Correctness-Kreisen? "Ich denke schon", sagt Daniel Meyer. Man habe darüber noch nicht diskutiert. An den Haaren herbeigezogen hält er das Thema, wenn man an die bisherigen Texte denke. Meyer: "Jeder soll hören, was er mag."

Aus Kerbeburschen werden Altkerbeburschen

Die Dillinger Kerbeburschen wurden im Jahr 1997 mit damals elf Mitgliedern gegründet. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl auf heute 35 junge Männer an, die auf der Mitgliederliste stehen. Kerbeburschen-Chef Daniel Meyer selbst ist seit 1999 dabei. In diesem Jahr werden wieder vier Anwärter zu Burschen geweiht. Das geschieht am 29. Juli, zur Eröffnung der Kerb. Mittlerweile hat man eine neue Abteilung gegründet: die Altkerbeburschen für Leute, die nicht mehr das ganze Programm der jungen Kollegen mitmachen wollen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass sie vorher zehn Jahre aktiv Kerbebursch waren. Circa 15 Altkerbeburschen gehören zur Gruppe.

Krummegasskegeln und Kerbespiele

Die Vorkerb startet diesen Samstag um 16 Uhr im Hof der Familie Halbig nach dem üblichen Kerbe-Zeremoniell: Glockengeläut, Aufstellen des Kerbebaums. Danach Fiesta inklusive Nagelturnier. Die eigentliche Kerb beginnt am 29. Juli um 18 Uhr und dauert bis 30. Juli. Zur Eröffnung gibt es eine Neubürgertaufe. An beiden Tagen wird jeweils bis 24 Uhr Musik gespielt, Ausschank bis 1 Uhr. Samstag ab 15 Uhr stehen Krummegasskegeln und Kerbespiele auf dem Programm.

So fing alles an: Kerbeburschen im Gründungsjahr 1997.
So fing alles an: Kerbeburschen im Gründungsjahr 1997. © p
Daniel Meyer und Co. stehen schon in den Startlöchern.
Daniel Meyer und Co. stehen schon in den Startlöchern. © ys

Auch interessant

Kommentare