Arbeiten aus vier Jahrzehnten sind in der Gehrmannschen Werkstatt versammelt. Nach dem Malen, Zeichnen und Radieren hat er sich nun wieder der Lithografie zugewandt. Sein bedeutendes graphisches Werk bewegt sich außerhalb des Zeitgeists. Dafür gab es nun den renommierten Preis.
+
Arbeiten aus vier Jahrzehnten sind in der Gehrmannschen Werkstatt versammelt. Nach dem Malen, Zeichnen und Radieren hat er sich nun wieder der Lithografie zugewandt. Sein bedeutendes graphisches Werk bewegt sich außerhalb des Zeitgeists. Dafür gab es nun den renommierten Preis.

Kultur

Friedrichsdorf: Ein Kunstleben für das Großformat

  • VonOlaf Velte
    schließen

Der Künstler Eckhard Gehrmann aus Friedrichsdorf erhält den Ilse-Hannes-Preis. Für ihn ist es ein "Ansporn zum Weitermachen".

Friedrichsdorf -Nur wenige Tage ist es her, dass die großformatigen Arbeiten wieder den Heimweg nach Friedrichsdorf angetreten haben. Noch ist im Erdgeschoss des Mädchenpensionats Puttkamer aufgereiht, was dem Nebbienschen Gartenhaus in Frankfurt jüngst inneren Glanz verliehen hat. Kunstwerke aus vier Jahrzehnten: Lithografien, Holzschnitte, Radierungen.

Immerhin eine Präsentation aus triftigem Grund. Eckhard Gehrmann ist der diesjährige und 15. Preisträger des renommierten Ilse Hannes-Preises. Die gleichnamige Gesellschaft hat Preisgeld und Ausstellung gewährt, um "ein bedeutendes grafisches Werk" zu ehren, gleichsam ein Werk, das sich außerhalb des Zeitgeistes bewegt und deutschlandweit ohne Beispiel ist.

Vorgestellt hat der 64-Jährige neben neuen Steindrucken auch Arbeiten, die seinen künstlerischen Beginn markieren. "Die realistischen Kaltnadelradierungen aus den 80er-Jahren waren zuvor nie öffentlich zu sehen." Als Hommage an die Lebensleistung bewertet Gehrmann die Auszeichnung keinesfalls: "Für mich ein Ansporn zum Weitermachen, zu Neuem!"

Friedrichsdorf: Bildformate von 1,70 auf 1,24 Metern

Breits seit dem vergangenen Jahr hat sich der einst unter den lehrenden Fittichen von Christian Kruck und Per Kirkeby herangebildete Eckhard Gehrmann wieder seinen Anfängen zugewandt. Nach 20 Jahren des Malens und Zeichnens ist er zurückgekehrt an einen der europaweit mächtigsten Drucksteine nebst selbst gebauter Presse.

Wer den 800 Kilo schweren und die Werkstatt ausfüllenden Kalkstein in Augenschein nimmt, ahnt die körperlichen Mühen des Schaffens. Bildformate von 1,70 auf 1,24 Metern lassen sich hier drucken, wahre lithografische Großtaten.

"Ein halbes Menschenleben", so Gehrmann, "arbeite ich schon mit demselben Stein - stets die früheren Strukturen überformend." Dem Material kommt - wie immer im Friedrichsdorfer Atelier - eine entscheidende Rolle zu. Und weil "der Stein macht, was er will", hören das Kreative und das Staunen nicht auf. "Es endet ja nie." Eckhard Gehrmann will weiterhin an seinen großen Blättern bleiben - wenn auch unter veränderten künstlerischen Vorlieben. Waren vor der Jahrtausendwende "insektenähnliche" Formen vorherrschend, steht nun die Abstraktion im Vordergrund. "Immer aber ist die Natur meine Inspiration", so der Lithograf, in dessen Mappen sich tausende von Formbeispielen gesammelt haben.

Friedrichsdorf: Ein Leben für den Stein

Für die aktuelle Serie "Palimpsest" soll das Formale noch weiter reduziert, die "Familie von Drucken" dadurch noch mehr ausgedehnt werden. Bei all diesen Schöpfungen - "vom Ergebnis her wenig plan- und vorhersehbar" - ist Eckhard Gehrmann kein Einsiedler, alles andere als ein Eigenbrötler.

Schon seit langem wirkt er auch als Dozent für, zum Beispiel, die Freie Kunstakademie Frankfurt oder die Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Sein auf handwerklichem Geschick basierendes Wissen gibt er zudem im Rahmen der Musisch bildnerischen Werkstatt Friedrichsdorf (MbW) weiter. Neue Workshops gehen ab August an den Start.

In seiner besonnenen, geduldigen Art ist alles geborgen: Vermitteln und Erschaffen speisen sich bei Eckhard Gehrmann aus derselben Quelle, aus einem tiefen Verständnis für Zeit und Materie. Die Werke im Mädchenpensionat sprechen davon. Von Olaf Velte

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare