+
Virtuelles Hornblasen: Lehrer Merlin Nowozamsky beim Online-Unterricht von Schülern.

Kreative Lösung in Corona-Zeiten

Friedrichsdorf: Erste Musikschule mit eigener App

Schüler und Lehrer der Friedrichsdorfer Musikschule können sich auf einer neuen Kommunikationsplattform austauschen. Eine "reale Öffnung" soll es nicht vor dem 11. Mai geben.

Friedrichsdorf - Manchmal könnte, auch wenn es unbeabsichtigt ist, das Timing nicht besser sein: Schon lange Zeit vor der Corona-Krise hatte Andreas Graf, Leiter der Musikschule Friedrichsdorf, die Verbesserung der digitalen Kommunikation auf seiner Agenda. "Jetzt haben wir unsere eigene Musikschul-App am Start", erklärt er. Damit nimmt die Schule eine Vorreiterstellung in der Musikschullandschaft ein. "Nach meinem Wissens sind wir die erste Musikschule deutschlandweit, die jetzt mit einer eigene App arbeitet", sagt Graf.

"Die App dient Lehrern und Schülern als Kommunikationsplattform und ist losgelöst vom derzeitigen Online-Unterricht", führt er aus. "Wir Lehrer können uns beispielsweise über die App Materialien oder Noten schicken, und alles wird direkt gespeichert", berichtet er. Entwickelt hat Graf die App gemeinsam mit dem Koblenzer Start-up-Unternehmen Sdui, das Apps für die Organisation und Kommunikation an Schulen entwickelt. Die Jungunternehmer hatten kürzlich erst ihr Start-up bei der TV-Show "Höhle der Löwen" vorgestellt. "Wir haben die Funktionalität der App auf unser Musikschulformat hin geändert", erläutert Graf.

Präsenzunterricht als Sahnehäubchen

Egal ob Kommunikation per App oder der virtuelle Unterricht, den das Musikschul-Team seit der Corona-Zwangspause für seine Schüler anbietet: "Den Präsenzunterricht kann kein digitales Programm und keine App ersetzen", betont Graf, "der Präsenzunterricht ist sozusagen das Sahnehäubchen. Auch wenn seit Montag dieser Woche Musikschulen wieder für Einzel- und Gruppenunterricht bis zu fünf Personen öffnen dürfen, stellt Andreas Graf aber klar: "Wir werden definitiv nicht vor dem 11. Mai öffnen, da wir noch einige Dinge klären und auch noch bauliche Veränderungen vornehmen müssen (siehe rechts). Jetzt gelte es zu prüfen, "ob die kooperierenden Einrichtungen uns die Pforten öffnen und zu welchen Bedingungen. Erst dann kann abgeschätzt werden, in welchem Umfang wir wieder öffnen können".

Fest steht, dass die Musikschule weiterhin zweigleisig mit Präsenz- und Online-Unterricht fahren wird. "Der Online-Unterricht kommt bei sehr vielen Schülern und Eltern toll an, auch hier überlegen viele, das auch nach der Krise zweigleisig weiter zu verfolgen." Der Online-Unterricht war in den vergangenen Wochen für die Einrichtung der bestmögliche Ersatz, um überhaupt für die Schüler da sein zu können. Das Feedback der Eltern gibt dem Team recht.

"Vielen lieben Dank für die Möglichkeit, den Unterricht online abzuhalten. Meine Tochter hatte gestern bereits ihre zweite Klavierstunde und ist total begeistert." Diese Nachricht hat eine Mutter kürzlich an die Musikschule geschickt. "Solche Nachrichten erfreuen uns ganz besonders", meint Lisa Wendel vom Verwaltungsteam. "Denn seit dem 16. März ist unser normales Musikschulleben nicht mehr das gleiche wie vorher." Wie leer gefegt war das Gebäude in der Bahnstraße 29. Wo normalerweise von mittags an die unterschiedlichsten Instrumente erklingen, hat gespenstische Stille geherrscht.

Gespenstische Stille im Gebäude

Nur in den Räumen des Verwaltungsteam wurde und wird nach wie vor gearbeitet. "Und bei uns herrscht eine außergewöhnliche Stimmung", stellt Lisa Wendel vom Verwaltungsteam fest. "Fast täglich müssen wir auf Neuigkeiten reagieren und haben vor allem in den ersten Tagen Telefonanrufe von besorgten Lehrern und Eltern entgegengenommen", schildert sie.

Noch bevor die offizielle Meldung der Zwangspause die Musikschule erreicht hatte, hatte Schulleiter Andreas Graf die Reißleine gezogen. "Um Schüler und Lehrer gleichermaßen zu schützen, hatten wir uns bereits am 16. März entschlossen, analog zu allen Regelschulen, den Unterrichtsbetrieb vor Ort einzustellen." Die prekäre finanzielle Situation der Lehrer, so Graf, ist uns bewusst. "Deshalb hatten wir den Lehrern vorgeschlagen, den Unterricht online abzuhalten", erzählt Wendel.

Anfängliche Skepsis wich schnell Begeisterung: "Die Lehrer geben uns mehrfach das Feedback, dass der Online-Unterricht gut, viel besser als gedacht, laufe. "Unsere Lehrer machen ihre Sa-che super, jeder ist kreativ und hat immer neue Ideen, um den Online-Einzelunterricht abwechslungsreich zu gestalten", meint Graf, der sich in einem sicher ist: "Die extrem lange Vorbereitungszeit hat sich enorm gelohnt. Alle haben sich gefreut, so endlich wieder gemeinsam Musik machen zu können. Der Online-Unterricht bringt ein wenig Normalität und Alltag direkt ins Wohnzimmer, und das noch auf absolut aktuelle, digitale Weise", sagt er. Einige Lehrer haben mit ihren Schülern Videos gedreht, diese so zusammengesetzt, so sich aus dem Einzelunterricht ein virtuelles Zusammenspiel entwickle.

Der Online-Unterricht, so das Fazit von Andreas Graf, "ist auf Dauer zwar kein vollwertiger Ersatz für den regulären Unterricht. Allerdings ist es auch jetzt noch trotz der Lockerungen eine überraschend gut funktionierende Übergangslösung. Ist die Hemmschwelle von Online-Unterricht erstmal überschritten, dann wächst die Begeisterung bei Lehrern und Schülern."

In dieser Zeit, so Graf weiter, stehe der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern erstmal im Vordergrund, auch wenn es "nur" über ein digitales Medium ist. "In Zeiten der Isolation ist die Freude bei Lehrern und Schülern groß den anderen zu sehen und zu hören." von Katja Schuricht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare