Blick von oben: So wird das vierte Brücken-Bauteil von zwei Kränen an seinen Platz gehievt.
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Blick von oben: So wird das vierte Brücken-Bauteil von zwei Kränen an seinen Platz gehievt.

Wochenlange Planung

Spektakuläre Baustelle: Hellgraue Riesen-Riegel aus Stahlbeton schweben in Friedrichsdorf ein

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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In Friedrichsdorf nimmt die neue Zufahrts-Brücke für die erweiterte Autobahn-Rastanlage Schäferborn Formen an.

  • Spektakuläre Baustelle in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis)
  • Die Bauarbeiten für die Zufahrts-Brücke der erweiterten Autobahn-Rastanlage sind in vollem Gange
  • Wochenlang dauerten die Vorbereitungen

Friedrichsdorf - Der tonnenschwere Brückenbalken hebt ab und schwebt langsam nach vorn. Zahlreiche Schaulustige sind am frühen Samstagabend per Fahrrad gekommen und fotografieren das Spektakel. An der Brückenbaustelle neben der Autobahn 5 bei Burgholzhausen müssen insgesamt vier Fertigbauteile aus Stahlbeton auf die Brückenpfeiler, die korrekt "Widerlager" heißen, gesetzt werden. Zwei riesige dottergelbe Kräne sind dafür zu beiden Seiten installiert. Der Untergrund für die schweren Maschinen musste eigens aufgeschüttet und befestigt werden.

Die künftige Brücke verläuft parallel zur Autobahn und überspannt die Landstraße 3057. Diese wiederum ist wegen der Bauarbeiten von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen komplett gesperrt. Und zwar zwischen der Einmündung Kurhessenstraße und der Kreisstraße 766. Auch der Autobahn-Standstreifen und die rechte Spur in Richtung Kassel sind jetzt auf einer Länge von rund 500 Meter für den normalen Verkehr tabu. Der Platz wird zum Bauteile-Einheben gebraucht. Während der gesamten Bauzeit ist zudem der Geh- und Radweg entlang der Landstraße unter der bereits bestehenden Autobahnbrücke gesperrt.

Spektakuläre Baustelle in Friedrichsdorf: 34 Meter lang und 116 Tonnen schwer ist jeder Balken

Über die neue Brücke sollen künftig Lastwagen und Pkw auf den Autobahnparkplatz Schäferborn rollen, der derzeit erweitert wird. 75 Lkw werden dort Platz finden. Nachts, wenn die Pkw-Stellplätze freigegeben sind, passen sogar 100 Lastwagen auf die 28 000 Quadratmeter große Anlage. Zudem werden neue Toiletten gebaut. Ein Raststätten-Restaurant dagegen ist nicht vorgesehen. Die Erweiterung ist trotzdem enorm. Auf den alten Parkplatz hatten nur sieben Lastwagen gepasst. Ende des Jahres soll alles fertig sein. Allein für die Brücke sind 2,7 Millionen Euro vorgesehen. Bauherr ist das Land Hessen.

Gewichtige Ladung: Ein Lastwagen-Gespann liefert einen Beton-Brückenbalken an.

"34 Meter lang und 116 Tonnen schwer ist jeder der Beton-Brückenbalken", berichtet Hessen-Mobil-Sprecher Andreas Mehring. Per Großraum-Schwertransport sind die vier Riesen-Riegel am Samstag gegen 5.30 Uhr aus Erfurt eingetroffen. Über sie wird künftig die Fahrbahn laufen.

Jedes Bauteil ist auf einem eigenen Lastwagen mit "Nachläufer" gereist. Letzterer ist eine Art Anhänger, auf dem das hintere Ende des neuen Brückenstücks aufliegt. Und auch wenn es nicht danach aussieht, kann der Nachläufer vom Lkw-Führerhaus aus gesteuert werden. Meist lenkt aber der Fahrer des Begleitwagens, der hinter dem Laster herfährt, den Anhänger per Fernbedienung. Wie schnell man mit so einem Gespann, das insgesamt 46 Meter lang ist, rollen kann? "Ganz normal, 80 Kilometer pro Stunde", sagt der Mann. Und ja, man komme damit auch um die Kurve.

Aufwärts: Der Brückenbalken wird mit Hilfe vom zwei Kränen vom Lastwagen, der auf dem Autobahn-Standstreifen hält, gehoben.

Spektakuläre Baustelle in Friedrichsdorf: „Die wochenlange Vorbereitung hat sich gelohnt.“

Zwei der Laster warten jetzt noch auf dem Autobahn-Standstreifen. Der erste Balken liegt schon richtig. Den zweiten, der um 18.50 Uhr mit Hilfe der 500-Tonnen-Kräne vom Lastwagen gehoben wurde, hat Lkw-Fahrer Mike Jägle um 18.25 Uhr vorgefahren. Dann haben Arbeiter das Bauteil gelöst und mit schweren Ketten an den Armen der beiden Monster-Kräne vertäut. Knochenarbeit ist das, sagt einer. Vorsichtig und langsam hieven die Kräne die Last vom Autobahn-Standstreifen durch die Luft über die Landstraße bis zu ihrem künftigen Platz auf den Widerlagern.

Gelandet: Der Brückenbalken (rechts im Bild) sitzt auf dem Widerlager und wird eingepasst.

Um 18.55 Uhr senkt sich der Balken nach unten. An jedem Widerlager stehen zwei Männer, die ihn in die richtige Position schieben. Um 19.15 Uhr fehlen noch rund zehn Zentimeter. "Man kann so ein Teil in der Tat fast auf den Millimeter genau justieren", erklärt Diplomingenieur Hans-Georg Beil von Hessen Mobil, der sich speziell um die Brücke kümmert. Nachgemessen wird mit einem ganz normalen Zollstock. Mit einer Wasserwaage überprüft ein Mann, ob das Teil ordentlich sitzt.

Um 19.25 Uhr schließlich ist es vollbracht. Brückenbalken Nummer zwei hat seinen endgültigen Platz gefunden. Die Kräne wenden ihre Arme ab und drehen sie wieder in Richtung Autobahn-Standstreifen, wo das dritte Bauteil schon auf einem Lkw wartet. Alles geht glatt, auch mit Bauteil Nummer vier. Und Beil sagt erleichtert: "Die wochenlange Vorbereitung hat sich gelohnt."

Von Christiane Paiement-Gensrich

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