Gibt's was zu fressen? Man kann ja mal gucken. Drei der fünf kleinen Turmfalken, die in Toni Turanos Blumenkasten hausen. HIn und wieder kommt der elterliche Lieferservice tatsächlich vorbei und bringt eine leckere Maus.
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Gibt's was zu fressen? Man kann ja mal gucken. Drei der fünf kleinen Turmfalken, die in Toni Turanos Blumenkasten hausen. HIn und wieder kommt der elterliche Lieferservice tatsächlich vorbei und bringt eine leckere Maus.

Wohngemeinschaft mit Greifvögeln

Im Blumenkasten von Toni Turano aus Friedrichsdorf lebt eine Falken-Familie

  • Klaus Späne
    vonKlaus Späne
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Bei Toni Turano aus Friedrichsdorf haben sich Greifvögel eingenistet: Gleich fünf junge Falken hocken seit Wochen im Blumenkasten auf seinem Balkon.

Friedrichsdorf – Toni Turano ist um die Aussicht vom Balkon seiner Wohnung in der Ostpreußenstraße zu beneiden. Völlig ungehindert kann er von dort aus den Blick über die Dächer der Stadt und die Wipfel der Bäume bis zum Taunuskamm schweifen lassen. Klar, wenn man im neunten Stock eines Hochhauses wohnt. Seit etwa zwei Monaten aber hat Turano nicht viel davon. Und das liegt an den Gästen, die sich bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes eingenistet haben.

Genauer gesagt handelt es sich um fünf weiß-braune Federbündel mit großen Augen und gelben Füßen, die in einem seiner Blumenkästen logieren. Meist, vor allem wenn es windig und regnerisch ist, kuscheln sie sich unter den Margeriten zusammen. Dazwischen machen sie hin und wieder mal einen Ausflug in den Nachbarkasten. Und wenn Toni von der Couch im Wohnzimmer pfeift, gucken sie neugierig in seine Richtung.

Friedrichsdorf (Taunus): Turmfalken leben seit Mitte Juni auf Balkon

Vor dem Balkon von Toni Turano aus Friedrichsdorf ist reichlich Platz für erste Flugversuche der Falken-Küken.

Dass aus ihnen einmal mal schlanke, pfeilschnelle Turmfalken werden mit einer Größe von 34,5 bis 36 Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu 76 Zentimetern, lässt sich allenfalls erahnen. Vor allem, wenn die beiden Elternvögel ab und zu mit einer Maus oder sonstigem Futter zurückkommen. „Dann spielen alle verrückt“, sagt Turano, der seine Untermieter in den vergangenen Wochen kennengelernt und lieben gelernt hat.

Angefangen hat alles recht unspektakulär mit einem Vogel, den er kaum richtig gesehen hatte. Dann war plötzlich ein kleines Loch in der Blumenerde, in dem zwei, drei Tage später, das war etwa Mitte Juni, drei Eier lagen. Zwei weitere kamen hinzu, die von der Mutter ausgebrütet wurden. Das war's dann auch mit der Balkonbenutzung durch Turano, der die Vögel nicht weiter beim Brutgeschäft stören wollte.

Greifvögel im Taunus: Falken nisten sich bei Toni Turano aus Friedrichsdorf ein

Nur vom Schlafzimmer aus hat er die Tiere fotografiert, und mittlerweile wagt er auch hin und wieder mal raus, um den Pflanzen auf dem Balkon etwas Wasser zu geben. Das allerdings sehr vorsichtig von der Seite durch ein speziell installiertes Rohr. An Aufräumen oder seine alte, gelbe Vespa herrichten, was er eigentlich vorhatte, ist aber im Moment nicht zu denken.

Dennoch, man hat sich ein Stück weit aneinander gewöhnt. „Wenn ich auf dem Sofa sitze und pfeife, gucken sie neugierig“, erzählt er und ein wenig schwingt dabei so etwas wie Co-Vater-Stolz mit. „Ich bin tierlieb“, sagt Turano von sich selbst. Das sei schon in seiner Heimat in der italienischen Region Kalabrien so gewesen. Vor Jahren hatte er mal zwei Tauben auf dem Balkon und nun halt Greifvögel. Und er hat sich mit Falco tinnunculus auseinandergesetzt, so die Gattungsbezeichnung für den häufigsten Falken in Mitteleuropa. Von daher weiß er, dass sich der Turmfalke Städte als Lebensraum erobert hat und 2007 Vogel des Jahres in Deutschland war.

Friedrichsdorf: Nach knapp einem Monat zieht die Falken-Familie aus

Ein Falke sitzt auf dem Blumenkasten eines Friedrichdorfers.

Nun verfolgt er täglich wie sich die Fünferbande im Blumenkasten langsam entwickelt. „Die haben alle unterschiedliche Gesichter“, hat er beobachtet. Nein, Namen hat er den Jungen keine gegeben. Hätte auch keinen Zweck, denn die Wohngemeinschaft ist zeitlich begrenzt. Zwischen 25 und 28 Tagen dauert es, bis die Jungtiere ausfliegen und sich dann aus rund 40 Metern Höhe in die Lüfte schwingen. Und wer weiß, vielleicht kommen sie ja irgendwann zurück. Jemand habe ihm erzählt, dass das vorkomme, wenn sich die Tiere an etwas gewöhnt hätten, sagt Toni Turano. (Von Klaus Späne)

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