"Die Ausbaustufe ist extrem": Revierförster Philipp Gerhardt auf der wilden Mountainbike-Strecke im Wald.
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"Die Ausbaustufe ist extrem": Revierförster Philipp Gerhardt auf der wilden Mountainbike-Strecke im Wald.

Ärger im Wald

Friedrichsdorf: Wildes Vergnügen contra Naturschutz

  • Klaus Späne
    vonKlaus Späne
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Selbst gebaute Mountainbike-Strecken sind in der Corona-Zeit an vielen Orten entstanden. Auch im Friedrichsdorfer Wald. Die Forstleute sind davon alles andere als begeistert.

Friedrichsdorf -Eine lange Schneise schlängelt sich durch den Wald vom Lochmühlenweg aus bis kurz vor den Bornberg. Künstliche Schanzen aus Brettern und Baumstämmen, Vertiefungen und Aufschüttungen kennzeichnen die Anlage, an einer Stelle verzweigt sich der Weg ähnlich einem Fluss zu zwei Armen, die um einen Baum herumführen und wieder zusammenlaufen. Man kann sich gut vorstellen, wie Mountainbiker mit Karacho runtersausen und den Thrill rasanter Fahrt und Sprünge genießen.

Eine Menge Arbeit und auch ein gewisses Konzept steckt hinter dem Trail für Geländeräder, um die es sich handelt. Das sieht auch Philipp Gerhardt so. "Die Ausbaustufe ist extrem", stellt der Revierförster fest, als er das Konstrukt zum ersten Mal unter die Lupe nimmt, und fügt hinzu: "Die Leute haben richtig Energie hineingesteckt." Zu sehen unter anderem auch an einem Unterstand, den die Erbauer angelegt haben. Ohne Genehmigung, versteht sich, und inmitten des Friedrichsdorfer Stadtwalds mit vielen alten Eichen.

Gerhardt macht trotz eines gewissen Respekts für den kreativen Kraftakt keinen Hehl daraus, was er davon hält: nichts. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen natürlich die Unfallgefahr, vor allem aber den Eingriff in die Natur, der damit verbunden ist. "Die Leute machen sich keine Gedanken darüber, ob sie die Wurzeln verletzen, ob sich das auf die Stabilität eines Baums auswirkt." Er sieht darin auch den Ausdruck eines gewissen Zeitgeists der Rücksichtslosigkeit.

Das unterstreicht auch Hubertus Behler-Sander, Bereichsleiter beim Forstamt Königstein. Er spricht von einer Verletzung des Eigentumsrechts und einem Eingriff in Natur und Landschaft, der genehmigungspflichtig sei. Dies alles vor dem Hintergrund, dass wilde Mountainbike-Strecken generell in der Corona-Zeit fast wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Der Trail im Dillinger Forst ist dabei insofern eine Besonderheit, als es ihn schon länger gibt, er aber eine Renaissance erlebt hat und dabei sichtbar ausgebaut wurde, nachdem die Pandemie ausgebrochen war.

Strecke wird dichtgemacht

Und wie bei vielen ähnlichen Anlagen ist die Sache schwer zu handhaben. Klar, ein Revierförster kann nicht überall sein. Hinzu kommt, dass dem Forstamt in der Regel nicht bekannt ist, von wem die Rennstrecken angelegt wurden und wie oft sie genutzt werden. Schwer zu unterbinden ist das Ganze außerdem. Blockieren die Förster die Trails mit Baumstämmen und Ästen, sind sie bald wieder offen. Und manchmal wird das Absperrmaterial gar für neue Hindernisse verbaut.

Bei aller Kritik an dem Phänomen illegale Trails bringt Philipp Gerhardt sogar ein gewisses Verständnis für die Motivation der Erbauer auf. Die Leute hingen oft zu Hause herum, könnten wenig machen. Er sei froh, wenn die Leute in den Wald gingen. Zugleich müsse er auf den Forst und seine Funktionen achten - als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Wasserlieferanten, als Erholungsraum für Menschen.

Das soll demnächst wieder im Vordergrund stehen, denn Gerhardt will die Strecke in den nächsten Wochen dichtmachen. Per Radlader sollen Barrieren installiert werden. Vorher hängt er entsprechende Schilder auf. Von Julia Lindner und Klaus Späne

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