Montag geht es los

Friedrichsdorfer Gewerbeverein bringt Lieferservice an den Start

Mit dem Lieferservice „Friedrichsdorf bringt’s“ wollen der Gewerbeverein Aktives Friedrichsdorf und die Stadt den Einzelhandel stärken und dem Angebot der Online-Händler entgegentreten. Ab Montag können Kunden aus Friedrichsdorf, Bad Homburg, Wehrheim und Rosbach sich ihre Einkäufe aus 15 Läden in der Hugenottenstadt bequem nach Hause liefern lassen.

Die Tendenz ist eindeutig: Immer mehr Menschen bestellen online und lassen sich die Waren nach Hause liefern. Großer Verlierer des Paradigmenwechsels im Einkaufsverhalten ist der Einzelhandel. Seit Jahren klagen inhabergeführte Läden über Umsatzeinbußen. Geschäfte müssen schließen, Arbeitsplätze fallen weg und Experten warnen vor einer Verödung der Innenstädte.

Auch in Friedrichsdorf ist dies nicht unbemerkt geblieben. „Gemeinsam mit der Stadt diskutieren wir schon lange über die Situation des Einzelhandels und überlegen, wie wir den Einkaufsstandort Friedrichsdorf stärken können“, sagt der Schriftführer des Gewerbevereins Claus Hagenhoff. In dem Zusammenhang seien etwa die „Friedrichsdorf-Card“, eine seit September 2017 erhältliche Rabattkarte mit rund 60 Akzeptanzstellen, Geschenkgutscheine und unentgeltlich nutzbare Parkplätze entstanden.

Am kommenden Montag startet mit dem Lieferservice „Friedrichsdorf bringt’s“ das nächste Projekt des Vereins. Die Idee ist denkbar einfach: Kunden müssen ihre Einkäufe nicht mehr persönlich in den Geschäften abholen, können sich die Waren stattdessen bequem nach Hause liefern lassen. „Verbraucherumfragen, die wir im vergangenen Jahr durchgeführt haben, haben ganz klar gezeigt, dass sich die Friedrichsdorfer so etwas wünschen“, sagt Hagenhoff. Insbesondere ältere Menschen hätten sich dahingehend geäußert.

Rund 15 Geschäfte in Friedrichsdorf-Stadt und Köppern machen mit, darunter Buchhandlungen, Metzgereien, Apotheken oder Blumengeschäfte. „Uns war wichtig, spartenübergreifend alle Grundbedürfnisse zu befriedigen“, erklärt Vereinsvorsitzende Ulrike Schmidt-Fleischer. Bis 15 Uhr können Kunden persönlich vor Ort oder telefonisch die Waren bestellen. Einige Händler bieten die Möglichkeit per Mail oder WhatsApp Aufträge aufzugeben. Geliefert wird noch am selben Tag zwischen 16 und 20 Uhr (nur werktags). Die Lieferung erfolgt unentgeltlich, der Kunde kann sich einen Wunschzeitpunkt aussuchen. Abgerechnet wird mit dem Händler, die Zahlungsmodalitäten werden individuell vereinbart.

„Für die Lieferfahrten nutzen wir die Flotte des E-Car-Sharing-Anbieters mobileeee. Das ist umwelt- und klimafreundlich“, sagt Schmidt-Fleischer. Einen ständigen Fahrer hat man bereits engagiert. Die Händler zahlen eine monatliche Pauschale, davon sollen laut Verein die Kosten (6 Euro pro Stunde für das E-Mobil plus Gehalt des Fahrers) gedeckt werden.

Auch die Stadt hat sich finanziell beteiligt. „Wir bezahlen die einmalig anfallenden Kosten für Werbeagentur und -kampagne“, sagt Uwe Hild vom Amt für Wirtschaftsförderung. Großflächig soll nach der Landtagswahl am 28. Oktober auf Plakaten, online und in Anzeigen auf das neue Angebot aufmerksam gemacht werden. Beauftragt wurde die Agentur „scheitza+scheitza“, welche bereits Flyer und für jedes Geschäft individuell gestaltete Aufkleber entworfen hat. Letztere können die Händler vor dem Laden aufs Trottoir kleben.

Einen übergreifenden Web-Auftritt des Projektes gibt es nicht. „Wir wollen uns bewusst von den Online-Anbietern abgrenzen und die klassische Händler-Kunden-Beziehung in den Vordergrund stellen“, erklärt Schmidt-Fleischer. „Friedrichsdorf bringt’s“ sei ein Gegenentwurf zu Amazon und Co. „Wir kombinieren die bequeme Lieferung nach Hause mit der individuellen Kundenberatung im Geschäft. Wer den Besitzer persönlich kennt, weiß, was er bekommt.“ Gerade bei leicht verderblicher Ware sei dies ein Vorteil, könne man sich beim Online-Einkauf doch nie sicher sein, ob die Kühlkette eingehalten werde.

In den sozialen Netzwerken sei das Projekt bislang auf positive Resonanz gestoßen, so Schmidt-Fleischer. „Viele Nutzer unserer Facebook-Seite waren überaus angetan von der Ankündigung.“ Hild ergänzt, dass der Seniorenbeirat Friedrichsdorfs begeistert vom Projekt sei. Dort habe man sich schon seit Jahren einen Lieferservice gewünscht. Im Gewerbeverein ist man daher von einem erfolgreichen Verlauf überzeugt. Hagenhoff: „Bis Ostern nächsten Jahres läuft die Pilotphase. Wir gehen stark davon aus, dass es danach weitergeht mit dem Lieferservice.“

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