Vor dem Testzentrum am Houiller Platz (v. l.): Stefanie Adamovic, Astrid Becker, Stefano Fadda und Alissa Lerch.
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Vor dem Testzentrum am Houiller Platz (v. l.): Stefanie Adamovic, Astrid Becker, Stefano Fadda und Alissa Lerch.

Strategien gegen Corona

Friedrichsdorfer Händler hoffen auf baldige Öffnung ihrer Geschäfte

  • vonOlivera Glicoric-Fürer
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Gewerbeverein hätte gern das "Tübinger Modell" in der Hugenottenstadt

Friedrichsdorf -Am Montag vor Ostern waren die Termine für die laufende Woche so gut wie ausgebucht, Gründonnerstag gab es in zwei Testzentren Friedrichsdorfs keinen freien Termin mehr. Nur in Köppern konnte man auch ohne Termin hingehen, das Zentrum hat sogar feiertags geöffnet. "Die Testzentren werden gut angenommen", weiß Stefano Fadda, Vorsitzender des Gewerbevereins Aktives Friedrichsdorf und Inhaber des italienischen Feinkostladens "Divertimento". Und er sagt: "Wenn wir als Einzelhändler nicht bald eine Perspektive bekommen, dann kann ich mein Geschäft schließen."

Perspektive, Ladenöffnungen und Tests, das passt gut zusammen, finden seine Vorstandskolleginnen Alissa Lerch und Stefanie Adamovic. Sie hoffen auf das sogenannte Tübinger Modell, wonach sich Bürger auf Corona testen lassen können und dann mit ihrem negativen Test einen Tag lang Restaurants und Geschäfte besuchen dürfen. Bad Homburg hatte sich darum beworben, eine solche Modellstadt zu werden, die Landesregierung hat jedoch abgelehnt, das wurde vorige Woche entschieden. Oberursel und Neu-Anspach haben sich ebenfalls als Modellstadt beworben", erzählen sie. "Das würde den Menschen ein Stück Lebensqualität zurückgeben", findet Adamovic. Natürlich müssten auch bei solchen Öffnungen die Hygieneregeln eingehalten werden: Maske tragen, Abstand halten und Registrierung zur Nachverfolgung.

Ein weiterer Dämpfer ihrer Euphorie: In Friedrichsdorf laufe die Anfrage schleppend, kritisieren sie. Aber ein Gespräch mit Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) sowie seinem frisch gewählten Nachfolger Lars Keitel (Grüne) stehe noch aus. "Solche Anträge müssen von der Verwaltung an den Hochtaunuskreis gestellt werden." So sei das Prozedere, da könne der Gewerbeverein allein nichts ausrichten. Ihre größte Befürchtung ist, dass einkaufslustige Kunden in die Nachbarkommunen zum Shoppen abwandern. Daher haben sie sogar die Idee, den Radius auszuweiten, damit Kunden mit Tagesticket beispielsweise in Friedrichsdorf und Bad Homburg einkaufen könnten. "Wir wollten doch die ganze Zeit, dass wir mehr testen", sagt Adamovic. Die Akzeptanz der Testungen in der Bevölkerung sei groß. Warum also nicht das negative Testergebnis in ein positives Shoppinggefühl umwandeln?

Frühlings-Shop öffnet später

"Corona wird uns noch eine Weile beschäftigen", ergänzt Lerch, längerfristig brauche man neue Strategien. Doch die Friedrichsdorfer Gewerbetreibenden beschweren sich wenig, sie blicken optimistisch nach vorne, Auftrieb gebe ihnen der geplante Bio-Supermarkt und der Umzug der Stadtbücherei an den Houiller Platz.

Und es freue sie, dass die Vermieter sich bei all diesen Projekten entgegenkommend zeigten. Wie etwa, als die Lilien-Apotheke ein Testzentrum in dem leerstehenden Ladengeschäft, in dem bis vor kurzem noch die Boutique "Modus Eins" war, einrichten wollte. Wochentags werden dort nun Tests durchgeführt, "immer an drei Stunden täglich", erklärt Astrid Becker, Filialleiterin der Apotheke. "Wir möchten die Zeiten gerne ausweiten." Aber zunächst wollten sie schauen, wie sich die Tests etablieren. "Wir müssen das auch personell meistern." Drei Fachkräfte brauche es im Testzentrum. Die Reservierungen laufen online über eine Plattform, später könne man sich das Testergebnis in einer App aufrufen. Und sollte es hapern am Umgang mit der Technik - Apps runterladen und Ergebnisse abrufen - dann teile das Personal das Ergebnis eben kurz telefonisch mit.

Dann blicken die Gewerbetreibenden noch weiter in die Zukunft: "Wir müssen einen Plan B haben, sollte das alles doch nicht funktionieren", sollten die Inzidenzwerte so weit steigen, dass selbst das Modellstadt-Prinzip vorerst scheitert, möchten sie dennoch ein fertiges Konzept entwickelt haben, damit sie zeitig durchstarten können, wenn es wieder geht.

Ein kleiner Seufzer: Die Eröffnung des Frühlings-Shops im Taunus Carré, wieder im Pop-up-Shop-Format wie in der Adventszeit, wurde auf den 24. April verschoben - wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen. "Dabei hätte eine Eröffnung den Einzelhändlern vor Ostern, wie es eigentlich geplant war, viel gebracht", weiß Adamovic aus der Erfahrung im Winter. So habe etwa der Unverpackt-Laden in Köppern, die "Honighalle", auf diese Weise viele Neukunden gewinnen können.

Der "Store" wird in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung, Charlotte Zippe, dem Leiter des Taunus Carré und dem Gewerbeverein gemanagt. Die Stadt kommt für die Kosten auf und kümmert sich um den Kunsthandwerk-Shop. Doch die Mitglieder des Gewerbevereins nutzen die Möglichkeit für ihre eigenen Marketingzwecke: Sie können Gutscheine oder eigene Produkte verkaufen. Sie sind im Wechsel im Laden und kommen mit Kunden ins Gespräch: "Das Schöne ist, dass die Kunden die Vielfalt der Geschäfte sehen können, die es in ihrer Stadt gibt."

Schwimmkurse für Kinder

Doch nicht nur Einzelhändler oder Gastronomen profitierten von dieser Idee, auch beispielsweise eines ihrer jüngeren Mitglieder wie Cornelia Shahboub von "Mermaid Meets Relaxation": Sie bietet unter anderem Schwimmkurse für Kinder an, "Corona-safe", wie Adamovic berichtet, im Einzelunterricht: "Da sind nur sie und das Kind im Schwimmbecken." Sie freue sich auf die geplante Eröffnung und hoffe, dass nichts dazwischenkomme.

Die Testzentren

Der kostenlose Schnelltest kann einmal pro Woche in einem der Zentren, gegen Vorlage des Personalausweises beziehungsweise nach vorheriger Online-Anmeldung, durchgeführt werden.

Lilien-Apotheke am Houiller Platz: Über die Website http://www.lilien-apotheke-friedrichsdorf.de/ können Termine gebucht werden. Die Termine werden im Vierminutentakt vergeben, es gibt keine Wartezeiten.

In der Goethe-Apotheke am Taunus Carré können Termine ebenfalls online über die Zircl-Plattform ausgemacht werden: https://zircl.de/unternehmen/goethe-apotheke-im-taunus-carre/ Die Termine hier werden ebenfalls in enger Taktung vergeben. Die Testungen werden hier werktags, meistens von 10 Uhr bis 18 Uhr, durchgeführt.

In Köppern hat sich im ehemaligen Fahrradladen Riegelhof ein Testzentrum des Betreibers "Corona Hausbesuch" niedergelassen. Hier können ebenfalls kostenfreie Schnelltests durchgeführt werden, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich sagt der Betreiber. Für PCR-Tests braucht es eine Anmeldung, und zwar entweder telefonisch unter (01 57) 39 52 98 07 oder unter der E-Mail: info@corona-hausbesuch.de. Dieses Testzentrum hat auch sonn- und feiertags von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Von Olivera Gligoric-Fürer

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