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Eine kleine Erinnerung an die Stippvisite bei der Ökosiedlung für Delegationsleiter Sifang Eiao (Mitte) und seine Mitreisenden.

Besuch einer Delegation

Friedrichsdorfer Ökosiedlung lockt Chinesen an

Die Ökosiedlung ist längst nicht nur ein Leuchtturmprojekt für Friedrichsdorf. Der ambitionierte Siedlungsbau strahlt mittlerweile bis nach China, wie sich am Donnerstag beim Besuch einer Delegation aus Fernost zeigte. Auch der Bürgermeister ist bereits sprachlich für solch exotische Gäste gerüstet.

„Ni Men Hao“, übersetzt „Guten Tag“ – es sind ungewohnte Töne, die Horst Burghardt und Ulrich Nützel am späten Donnerstagmorgen im großen Sitzungssaal des Rathauses von sich geben. Aber klar man hat ja keine Stadtverordneten vor sich. Auch wenn für manche Politiker der Opposition das eine oder andere chinesisch klingen dürfte, was das grüne Stadtoberhaupt von sich gibt. Nein, in diesem Fall ist der Adressat eine Delegation aus China. Genauer gesagt stammen die elf Männer und eine Frau aus der Stadt Qingdao.

Gekommen sind sie, um sich über ein Prestigeprojekt der Stadt zu informieren. Konkret geht es um die Ökosiedlung, die zwischen Kernstadt und Köppern immer mehr Gestalt annimmt. Nicht dass sich chinesische Investoren in großem Stil in die neue Siedlung einkaufen möchten, wie man das vom Frankfurter Immobilienmarkt hört. Vielmehr stammen die Herren und die Damen von einem deutsch-chinesischen Gemeinschaftsprojekt namens Ökopark. Mit Fragen gelöchert

Dieser dient ausschließlich dem Gewerbe. Zielsetzung ist schwerpunktmäßig die Ansiedlung internationaler Unternehmen, die umweltfreundlich und nachhaltig produzieren. Von deutscher Seite seien Firmen wie Siemens und Continental an Bord, erklärt das weibliche Mitglied der Delegation namens Wang Yueqian. Und das Ganze spiele sich auf einer Fläche von 35 Quadratkilometern ab. Also in einer rund 300-fach größeren Dimension, wie Frank Bösch, Geschäftsführer des Investors Frank-Gruppe, respektvoll angesichts der Größenunterschiede zwischen dem Projekt im Taunus sowie dem in der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole im Osten Chinas ausrechnet.

Dies alles ist erst am Ende des über zweistündigen Gesprächs zu erfahren. Zuvor liefern Stadtplaner Ulrich Nützel, Frank Bösch und Thomas Hermes von der Frank-Gruppe den Gästen einen Abriss von Entstehung, Philosophie, Ablauf und Ausgestaltung des ambitionierten Städtebauprojekts, das bis zum Jahr 2022 fertig sein soll.

Die Chinesen verfolgen die Vorträge, die von Dolmetscherin Hui Cong übersetzt werden, stumm und aufmerksam. Aber nicht untätig. Es werden Notizen gemacht, das ein oder andere Mal wird eine der an die Wand projizierten Folien per Smartphone abfotografiert.

Damit nicht genug. Im Anschluss sind die Besucher aus Qingdao gar nicht zu bremsen, als es darum geht, Fragen zu stellen. Was für eine Bepflanzung sei auf den Dächern vorgesehen, die begrünt werden sollen? Wie funktionieren Wärmepumpe und Eisspeicher, die zu den zentralen Elementen der Energieversorgung gehören? Wo gibt es Photvoltaikanlagen? Wie teuer sind die Häuser im Vergleich zu konventionellen Gebäuden? Gibt es eine Förderung durch Land und Stadt? Wer kontrolliert die Einhaltung von Sicherheitsstandards? Mit solchen Detailfragen löchern die Chinesen die Verantwortlichen von Stadtverwaltung und Investor.

Diese geben bereitwillig Auskunft, So ist zu erfahren, dass die Dächer mit immergrünen Pflanzen bestückt werden sollen, die Regenwasser aufnehmen sollen. Dass der komplette Strombedarf der Siedlung in Eigenregie gedeckt werden soll. Oder dass es eine Förderung von Land und Stadt für die Energiezentrale und für die Seniorenwohnungen sowie zinsgünstige Kredite für die sogenannten KfW-Häuser gibt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Crashkurs auf Youtube

Nach all der Theorie soll es aber noch einen Blick auf den Bau geben. Nach der ausufernden Fragerunde bleiben dafür jedoch nur noch wenige Minuten Zeit. Ein kurze Fahrt mit dem Kleintransporter nach einem Gruppenfoto im Rathaus, Übergabe eines kleinen Gastgeschenks, mehr ist nicht mehr drin. Man müsse noch ein Projekt in Kelsterbach besuchen, sagt ein männliches Mitglied der Delegation. Friedrichsdorf, erzählt Wang Yueqian, sei nur eine Station auf der 14-tägigen Deutschlandreise der Gruppe gewesen. „Wir waren vorher in Freiburg und haben dort Seminare und Projekte besucht“, berichtet sie. Generell sei man nach Deutschland gekommen, um Anregungen für den Ökopark in Qingdao zu bekommen.

Fehlt noch die Information, warum Horst Burghardt Chinesisch spricht. „Ich hab’s nur aufgeschrieben“, bekennt der Bürgermeister, „eben auf Youtube geguckt“ – und auf einen gelben Post-it-Zettel notiert. Die Gäste hat’s gefreut.

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