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Friedrichsdorfer Partnertausch mit Strahlkraft

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Von: Klaus Späne

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Stab- und Generationswechsel: Kerstin Daudert sorgt für die geordnete Übergabe der Nordlicht-Geschäfte an Nils Brucker.
Stab- und Generationswechsel: Kerstin Daudert sorgt für die geordnete Übergabe der Nordlicht-Geschäfte an Nils Brucker. © jp

Arnold verkauft Nordlicht an Westiform Gruppe - Alle Mitarbeiter werden übernommen

Friedrichsdorf -Besucher der Fußballarena der Frankfurter Eintracht bekommen regelmäßig auch ein großes Stück made in Friedrichsdorf mit. Nein, nicht, dass auf dem Rasen ein Talent aus der Hugenottenstadt mit dem Ball zaubern würde. Wobei Zauber trifft es schon ganz gut, wenn man die Installation auf dem Stadiondach betrachtet. Besonders abends, wenn der Schriftzug "Deutsche Bank Park" in blauer Farbe den Fans den Weg zu den Heimspielen des Bundesligisten leuchtet. Verantwortlich dafür ist die Firma Nordlicht.

Es dürfte nicht die einzige Duftmarke bleiben, den das Unternehmen aus der Industriestraße in Rhein-Main und darüber hinaus gesetzt hat. Garant dafür soll ein Eigentümerwechsel sein, der zum Anfang des neuen Jahres vollzogen wurde. Seit diesem Zeitpunkt gehört der Spezialist für Lichtgestaltung und Lichtplanung zur Westiform Gruppe. Das Unternehmen mit Sitz im südbadischen Ortenberg erwarb Nordlicht von der Arnold AG. Ein geräuschloser Deal, der nach Informationen aus den jeweiligen Unternehmen von allen Beteiligten erwünscht war und forciert wurde.

Zugang zum Markt der Lichtplanung

"Es hat gepasst", fasst Nils Brucker kurz und knapp die Ausgangsbedingungen zusammen. Nordlicht habe Potenzial, sagt Brucker, der seit dem 1. Januar als neuer Geschäftsführer von Nordlicht fungiert. Nicht nur das: Als quasi Manufaktur für Lichtkunst und Illuminationen, die auch mit Architekten zusammenarbeitet, sei Nordlicht eine Erweiterung des Gruppen-Portfolios. Westiform, ein international agierender Hersteller und Vertreiber von visuellen Kommunikationsmitteln, sei bislang klassisch auf Großserie fokussiert, vor allem im Automobilbereich, sagt Brucker. Und in einer offiziellen Mitteilung heißt es: Nordlicht eröffne nun "einen etablierten Zugang in den Markt der Lichtplanung- und -gestaltung". Nicht zu vergessen ein weiterer Faktor, der bei dem Kauf eine große Rolle gespielt hat.

Mit der Neuerwerbung ist die Holding gleichzeitig erstmals im Rhein-Main-Gebiet präsent, einener der wirtschaftlich stärksten Regionen des Landes. Zudem strategisch günstig in der Mitte Deutschlands gelegen. Das ist natürlich spannend für ein Unternehmen auf Expansionskurs oder wie Brucker sagt: "Das hilft uns, ganz andere Märkte zu erschließen." Und man wolle Synergien schaffen innerhalb der Firmengruppe. Alles unter der Prämisse, dass Nordlicht als selbstständiges Unternehmen unter dem Dach der Gruppe den bisherigen Weg weiter verfolgen soll.

Eine Menge Kontinuität also, die da angestrebt wird. Das gilt vor allem auch für die bisher zehn Mitarbeiter von Nordlicht, darunter viele, die mehr als zehn Jahre im Betrieb sind. Sie alle werden übernommen, bekommen vielleicht sogar Zuwachs. Brucker spricht von einem Wachstum, das man anvisiere. Ausgangspunkt soll das Jahresergebnis 2021 von Nordlicht sein. Dieses verzeichnete einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro.

Kerstin Daudert verlässt Firma

Dennoch bleiben bei diesem Manöver Änderungen nicht aus (siehe auch Box unten links). Das betrifft zunächst die Geschäftsführung von Nordlicht. Dort scheidet Kerstin Daudert nach fünf Jahren an der Spitze aus. Bis April bleibt die Köppernerin noch als zweite Geschäftsführerin an Bord, um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten. Dauderts Abgang selbst hat nichts mit der geänderten Situation zu tun, sondern hat persönliche Gründe.

"Ich möchte mich mehr auf die Familie konzentrieren", sagt Daudert. Außerdem wolle sie das Projektgeschäft weitermachen. Ganz ohne Wehmut gibt die Geschäftsführerin aber das Ruder nicht aus der Hand. "Die Entscheidung war für mich nicht leicht. Das Herzblut hängt dran." Sie habe die letzten fünf Jahre viel Kraft und Energie reingesteckt, "dass wir da stehen, wo wir stehen". Umso mehr freue sie sich, dass Nordlicht nun "eine so schöne Familie" gefunden habe. Und auch dass alle Mitarbeiter an den neuen Eigentümer übergeben würden. Von der geänderten Konstellation verspricht sie sich auch einiges für die Zukunft des Unternehmens. Mit dem Verbund Westiform habe man ganz andere Möglichkeiten des Wachstums, sagt Daudert. Ein Grund für die optimistische Prognose ist auch, dass der bisherige Besitzer, die Firma Arnold, sich wohl aus dem Projektgeschäft zurückgezogen hat. Keine ideale Basis für die Weiterentwicklung. Daher habe man auch angefangen, neue Partner zu suchen. Das sieht man auch beim bisherigen Eigentümer ähnlich.

"Wir haben uns in den letzten Jahren strategisch stark fokussiert und strukturell verändert", sagt Arnold-Vorstandsvorsitzender Uwe Arnold. "Das Geschäft der Beschilderungen, wo wir mit Nordlicht große Synergien durch deren Expertise im Bereich Lichtgestaltung realisieren konnten, haben wir in diesem Zuge aufgegeben." Man freue sich, dass mit Westiform ein perspektivisch hervorragend passender Erwerber gewonnen werden konnte.

Und wie sieht die weitere Zukunft unter geänderten Vorzeichen aus? "Wir haben ein paar interessante Anfragen in der Pipeline, darunter auch internationale", sagt Nils Brucker. Mehr verraten könne er aber noch nicht.

Bleibt das Unternehmen in Friedrichsdorf?

Mit dem Eigentümerwechsel wird auch ein Standortwechsel einhergehen. Das kündigte der neue Geschäftsführer Nils Brucker an. Es gebe einen Deal mit Arnold, aus der Immobilie in der Industriestraße herauszugehen. Derzeit habe man aber noch keinen Nachfolgestandort im Blick. "Wir sind noch in der Sondierungsphase", sagte Brucker. Es solle aber auf jeden Fall im Rhein-Main-Gebiet sein. Wichtig sei eine Anbindung an die Autobahn, sagte Noch-Co-Geschäftsführerin Kerstin Daudert. Benötigt würden Büroräume und Lagerfläche. Dabei will man auch flächenmäßig etwas kleiner werden. Wichtig sei auch die gute Erreichbarkeit für die Mitarbeiter. Auch Friedrichsdorf ist laut dem Geschäftsführer eine ernsthafte Option. Hört sich an, als gebe es eine Menge zu besprechen, wenn Bürgermeister Lars Keitel (Grüne) vorbeikommt. Der hat sich bereits zum Antrittsbesuch angekündigt.

Es wäre übrigens nicht der erste Umzug in der Geschichte des 1949 gegründeten Traditionsunternehmens. Der letzte datiert auf das Jahr 2015. Damals zog Nordlicht vom bisherigen Standort Offenbach nach Friedrichsdorf. Vorausgegangen war die Übernahme des Lichtgestalters, der zuvor wegen eines Liquiditätsengpasses in Insolvenz geraten war, durch die Firma Arnold. Eine Konsequenz war, dass Nordlicht eine Halle der Firma Arnold in der Industriestraße bezog.

Auf Expansionskurs

Die Westiform-Gruppe aus Ortenberg ist ein international agierender Hersteller und Vertreiber von visuellen Kommunikationsmitteln wie Leuchtwerbeanlagen, POS-/Shopfitting-Elementen, technischen Kunststoffteilen und Digital Signage Elementen. Westiform befindet sich auf Expansionskurs. Vor Nordlicht vergrößerte man im Mai 2021 das Firmenportfolio durch die Übernahme des Geschäftsbereichs "Kommerzielle Beleuchtungsschilder", auch Corporate Design Elements genannt, von der Swarco Dambach GmbH. Das Unternehmen firmiert unter dem Namen Dambach CDE GmbH.

Westiform selbst war im Oktober 2019 in die Insolvenz gerutscht. Als Grund wurden starke Umsatzrückgänge insbesondere mit den bisherigen Hauptkunden im Automobilbereich angegeben. In der Folge übernahm im Juli 2020 der Finanzinvestor Pentapart den Geschäftsbetrieb des Lichtwerbeherstellers. 140 Mitarbeiter der vormals etwa 220 Mitarbeiter wurden übernommen. Der Teil des Unternehmens in Ortenberg firmiert seitdem als Westiform Germany GmbH. Zuvor war Westiform ein deutsches Tochterunternehmen der Westiform Gruppe mit Hauptsitz in der Schweiz.

Von Klaus Späne

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