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Die gelben Blumen sind Zierde. Die Prospekte in Britta Heblichs Hand weisen auf eine Aufführung zum Weltfrauentag hin. .

Weltfrauentag

Gleichstellungsbeauftragte Britta Heblich sieht noch eine Menge Handlungsbedarf

Schriftstellerin George Sand und Komponist Frédéric Chopin waren ein Liebespaar: Ihre Briefe und seine Musik werden bald in Garniers Keller zu hören sein. Anlass dafür ist der Internationale Frauentag. Aber brauchen wir heute überhaupt noch einen solchen Tag? Friedrichsdorfs Frauenbeauftragte Britta Heblich erklärt, warum das unbedingt beibehalten werden sollte.

Vor dem Jahr 1958 durfte eine Frau nicht ohne die Zustimmung ihres Ehemannes oder Vaters einen Führerschein machen. Und wollte eine Frau arbeiten gehen, so musste sie bis zum Jahr 1977 die Erlaubnis ihres Gatten oder Vaters vorlegen. „Das war damals die Realität für Frauen“, blickt Britta Heblich, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Friedrichsdorf, auf diese finsteren Vor-Gleichberechtigungs-Zeiten zurück.

Die Frauenbewegung sei damals wichtig und notwendig gewesen, um „Meilensteine auf dem Weg zur Gleichberechtigung“ zu setzen. Dazu gehören ebenso das Frauenwahlrecht, welches in Deutschland vor 101 Jahren eingeführt worden ist, sowie das Gleichheitsgesetz, Artikel 3 des Grundgesetzes, aus dem Jahre 1949: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“

Viel selbstbewusster

Für die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz habe die Juristin und Frauenrechtlerin Elisabeth Selbert energisch gekämpft, erzählt Heblich. 45 Jahre später erfolgte die Ergänzung: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Und wie kam es zu einem internationalen Frauentag? Dieser sei aus dem Wunsch der Frauen heraus entstanden, ihren Kämpfen um Frauenrechte einen Tag zu widmen: „Damals ging es hauptsächlich um das Wahlrecht für Frauen“, sagt Heblich. In den USA sei diese Idee bereits 1908 von den amerikanischen Frauenrechtlerinnen gefordert worden, der dann 1909 in einen ersten Frauentag mündete. Im Jahr 1910 wurde die Idee von der deutschen Politikerin Clara Zetkin aufgegriffen.

„Die Frauen waren damals weltweit unglaublich gut vernetzt“, betont Heblich, angespornt vom vereinten Wunsch, mehr Rechte durchzusetzen. Am 19. März 1911 war es dann so weit: Der erste Internationalen Frauentag wurde gefeiert. Zehn Jahre später wurde der 8. März als offizielles Datum für das Ereignis festgelegt.

Und heute? „Junge Frauen und Mädchen sind viel selbstbewusster, sie kennen ihre Rechte“, sagt Heblich. Das sei eine gute Ausgangssituation, doch sie vermisse manchmal die Grundlage: „Ihnen fehlt oft das Wissen darum, was passieren musste, um so weit zu kommen.“

Noch viel zu tun

Es gebe noch weitere Meilensteine zu setzen, glaubt Heblich, zum Beispiel seien die Geschlechterrollen immer noch klassisch geprägt, das erkenne sie an der Wahl des Berufs für den „Girl’s Day“: „Die Mädchen wollten in die Kitas gehen“, doch das sei nicht Sinn der Sache. Die Stadt habe hier gegengesteuert und biete nun Schnuppertage in der IT oder anderen technischen Berufen an.

Es gebe noch so viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung, auch in Deutschland: „Vielleicht wird 2019 das Jahr des Paritätsgesetzes?“, fragt sich Heblich, weil in Brandenburg im Januar beschlossen worden sei, die Listenplätze abwechselnd an Männer und Frauen zu vergeben. Umgesetzt werden soll das Gesetz zwar erst im Sommer 2020, und ob andere Länder mitziehen, sei noch ungewiss.

Doch die Politik solle weiblicher werden, lautet ein erklärtes Ziel, welches unter anderem aus einem zweiminütigen Videoclip, veröffentlicht von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, hervorgeht: Derzeit liege der Frauenanteil im Bundestag bei etwas über 30 Prozent und das sei ein Rekordtief: „50:50 ist das Ziel“, lautet der Leitsatz der Kampagne des Deutschen Frauenrates.

Es scheint also doch noch Baustellen in der Gleichberechtigung von Frau und Mann, national und international, zu geben.

von OLIVERA GLIGORIC-FÜRER

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