Ein Komödianten-Paar mit schwarzen Commedia-dell'Arte-Masken, gemalt von Huiza Müller-Lim.
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Ein Komödianten-Paar mit schwarzen Commedia-dell'Arte-Masken, gemalt von Huiza Müller-Lim.

Hoffnung auf neue Kleinkunst-Saison

Groteske Gestalten an Friedrichsdorfer Gewölbe-Mauer

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Wir zeigen die Wandmalereien aus Garniers Keller

Friedrichsdorf -Das waren noch Zeiten, als die Gäste in Garniers Keller bei einem guten Glas Rotwein Kabarettkünstler und Musiker live erleben konnten. Da saß man, wie in der guten Stube, am Tisch, unterhielt sich mit womöglich völlig fremden Menschen und ließ den Blick gelegentlich über die Wände des Kellergewölbes schweifen. Unwillkürlich verweilte das Auge bei der einen oder anderen Wandmalerei. Weil der Keller derzeit Pandemie-bedingt geschlossen ist, zeigen wir heute wenigstens - zur Erinnerung und in der Hoffnung auf eine neue Kultur-Saison - die Bilder aus dem Kleinkunst-Saal.

Am auffälligsten sind die drei Figuren, die an Commedia dell'Arte-Gestalten erinnern. Gleich rechts vom Eingang ist ein sich umarmendes Paar auf die Wand gebannt: Eine schöne Frau mit rotem Haar und Hut, die eng zusammen mit einen Mann steht, der einen Feder-geschmückten Turban auf dem Kopf trägt. Seine angedeutete gelb-grüne Halskrause könnte zu einem Harlekin-Kostüm gehören. Beide tragen schwarze Commedia-dell'Arte-Masken mit langen Nasen. Der Blick der Frau wirkt wie entrückt, der des Mannes dagegen ein wenig gierig.

"Das Bild hat die Friedrichsdorfer Künstlerin Huiza Müller-Lim vor einigen Jahren geschaffen", berichtet Anthony El-Haddad, Pächter von Garniers Keller. Damals hatte er sich dafür entschieden, die gewölbten Wände bemalen zu lassen, weil es schwierig war, Bilder oder Plakate aufzuhängen.

Das bekannteste unter den Keller-Bildern stammt ebenfalls von Müller-Lim: Ein bisschen frivol ist die nackte Männergestalt, die einen Degen wie einen Phallus zwischen den Beinen hält. Auf die Spitze der Waffe ist auch noch ein roter Apfel gespießt. Der sonderbare Geselle hat eine lange Hakennase, ein spitzes Kinn und spitze Ohren, so als wäre das ganze Gesicht mit einer Komödianten-Maske verschmolzen. Auf dem Kopf trägt er ein Käppchen mit Feder. Und die nackte Haut seines Körpers scheint zugleich sein Narrenkostüm zu sein. Denn auf dem runden Bäuchlein prangen dicke rote Knöpfe. Soll der Zuschauer den bloßen Darsteller mit seiner Phantasie bekleiden? "Das Bild führt immer wieder zu Diskussionen, es irritiert und musste für manche Darbietungen sogar zugehängt werden", verrät El-Haddad.

In einer Fensternische neben der Theke ist eine weitere groteske und fast nackte Gestalt zu sehen: ein dickbauchiger Gnom in brauner Badehose. Um den Hals trägt er eine giftgrüne Krawatte. Haare hat er nicht, dafür aber spitze Ohren und statt Füßen Krallen. Den Namen des Künstlers weiß El-Haddad nicht mehr, nur dass er ein Bekannter von Müller-Lim ist.

Die Nische nebenan zeigt einen muskulösen Männerrücken in Monochrome-Technik, inspiriert von einem alten Meister. Den habe damals eine Biologie-Studentin gemalt.

Und dann sind da noch die dezenten weichgezeichneten Schattenrisse von Instrumenten wie E-Gitarre, Horn, Schlagzeug, Becken, Geige und Kontrabass an der rechten Gewölbe-Seite. Man erkennt sie eigentlich nur, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird. Oder wenn man die Mauer sehr lange betrachtet. "Sie sind so angeordnet, dass sie das Wort ,Jazz' ergeben", sagt El-Haddad. "Auf die Wand gebracht hatte sie der Friedrichsdorfer Künstler Sebastian Heinrich."

Wenn Sie, liebe Leser, weitere Details zu den Wandmalereien in Garniers Keller berichten möchten, dann schreiben Sie uns per E-Mail an: tz-friedrichsdorf@fnp.de.

Von Christiane Paiement-Gensrich

Bizarrer Geselle mit Degen und Federhütchen.
"Hauptsache grüne Krawatte", scheint die Devise dieses krallenfüßigen Kerls zu sein.
Ein muskulöser Männer-Rücken ist in eine Nische gebannt. Sein Gesicht wendet der Gezeichnete ab. Unten rechts stehen die Initialen "SR".
Trompete und E-Gitarre formen den Buchstaben "J" des Wortes "Jazz". Das Schlagzeug rechts daneben steht natürlich für den Buchstaben "a".

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