Revierförster Philipp Gerhardt zeigt im Spießwald eine der Eichen, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind
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Revierförster Philipp Gerhardt zeigt im Spießwald eine der Eichen, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind

Gefährliche Schädlinge im Wald

Haarige Raupen mit Haken und Nesselgift treiben in Friedrichsdorf ihr Unwesen

  • vonKatja Schuricht
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Förster entdeckt im Spießwald Nester von Eichenprozessionsspinnern

Friedrichisdorf -Sie sehen aus wie harmlose Raupen. Doch wer in diesen Tagen beim Waldspaziergang unbeabsichtigt Kontakt mit den Eichenprozessionsspinnern oder auch nur mit ihren Flimmerhärchen hat, die durch den Wind in die Luft getragen werden, der muss nach spätestens 24 Stunden mit einem unliebsamen Souvenir rechnen: stark juckender Hautausschlag in Form von Quaddeln oder Pusteln, der mehrere Tage anhält. "Wie der Einzelne darauf reagiert, kann man nicht abschätzen. Aber im schlimmsten Fall kann es zu Atemnot oder einem allergischen Schock kommen", erklärt Philipp Gerhardt. Der Friedrichsdorfer Revierförster kennt sich bestens aus mit den Schädlingen mit dem langen Namen.

"Jetzt und noch bis in den Juli hinein ist wieder die Zeit, in der die Eichenprozessionsspinner für den Menschen gefährlich werden können", erklärt Gerhardt. Besorgte Bürger haben ihm bereits verschiedene Stellen vor allem im Spießwald gemeldet, an denen sie Nester der Raupen entdeckt haben. Aber auch in Parks oder auf Spielplätzen - überall dort, wo Eichen an sonnigen und warmen Plätzen stehen - lauert die Raupengefahr. Deshalb hat die Stadt bereits Abwehrmaßnahmen getroffen, wie das Garten- und Tiefbauamt kürzlich mitgeteilt hat. Um einem Massenbefall an Eichen im Stadtgebiet und auch auf Spielplätzen zuvorzukommen, habe man die Insekten bereits im vergangenen Jahr mit Bioziden bekämpft.

Eichen droht Kahlfraß

Der Revierförster erklärt, was es mit dem Namen auf sich hat: "Der Name Eichenprozessionsspinner kommt daher, dass die Tiere sich von ihrem Nest aus, das sich am Stamm oder einer Astgabel befindet, gemeinsam in einer Art Prozession auf Nahrungssuche begeben." Die nachtaktiven Raupen kriechen in den Abendstunden in einer Art Gänsemarsch bis zur Baumkrone zum Fressen und kehren im Morgengrauen wieder zurück. Bis zu 30 Tieren können nebeneinander eine gut zehn Meter lange Prozession bilden. Das kann im schlimmsten Fall Kahlfraß für die Eichen bedeuten.

"Passiert das nur in einem Sommer, kann sich der Baum wieder regenerieren. Wird eine Eiche allerdings zwei- oder dreimal hintereinander vom Eichenprozessionsspinner befallen und kahlgefressen, kann das der Baum nicht mehr so gut verkraften." Vor allem an den Eichen am Rand des Spießwalds am Ortseingang zu Köppern sind derzeit die Gespinstnester zu finden.

Die Entwicklung der Raupen umfasse sechs Stadien. "In diesen Tagen befindet sie sich in der Phase ihrer dritten Häutung", so der Förster. "Von diesem Stadium an sind sie für den Menschen gesundheitsgefährdend. Denn nun entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein." Am Ende des sechsten Larvenstadiums erreichen die Raupen eine Körperlänge von bis zu vier Zentimetern.

Ende Juli, schätzt Gerhardt, beginnen sie mit der Verpuppung. Dazu spinnen sie sich in ockerfarbene Kokons und bilden ein sehr großes Gespinstnest. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen dann die Falter. "Die Trockenheit begünstigt das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners", so Gerhardt. Der Schädling kommt an allen Eichenarten vor, außer an Stiel- und Traubeneiche auch an der amerikanischen Roteiche.

Spaziergänger, die an einer Eiche ein Gespinst sehen, können Gerhardt gerne per E-Mail darüber informieren. "Es besteht allerdings kein Grund, die Feuerwehr zu rufen, wie es bereits besorgte Bürger getan haben", sagt er. Die sei dafür nicht zuständig. Er selbst werde in den kommenden Tagen ein besonderes Augenmerk auf die Eichen in seinem Revier haben. "Wenn es Gebiete gibt, wo besonders viele Gespinste sind, könnte man überlegen, die dortigen Wege vorsichtshalber zu sperren", meint er. Angedacht sei auch, im Wald feste Schilder aufzustellen, um die Spaziergänger für das Thema zu sensibilisieren.

Eichenprozessionsspinner habe es schon immer gegeben. "Sie sind nur in den vergangenen Jahren durch ihr vermehrtes Aufkommen durch die trockenen Sommer in den Fokus gerückt", sagt Gerhardt. Insgesamt seien die trockenen Sommer für die starke Vermehrung aller Forstschädlinge mitverantwortlich. "2020 ist ein gutes Jahr, um Insekt zu sein, und ein schlechtes Jahr, um Baum zu sein", bringt er es auf den Punkt.

Unvorstellbar: Eine Altraupe besitzt bis zu 700 000 Brennhaare. Sie sind fast unsichtbar und dringen leicht in Haut und Schleimhaut ein. Dort setzen sie sich mit ihren Häkchen fest. "Gefährlich kann es werden, wenn man direkten Kontakt mit einer Raupe hat", warnt Revierförster Philipp Gerhardt. Hinzu komme, dass von Häutungsnestern am Baum und Verpuppungsgespinsten am Boden ganzjährig Gefahr ausgehe. Die Brennhaare könnten an Kleidung und Schuhen haften bleiben. "Das löst eine allergische Reaktionen aus. Daher ist es wichtig, die Kleidung, die man im Wald getragen hat, separat zu waschen." Als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt der Förster allen Spaziergängern, auf den Wegen zu bleiben. "Vor allem Kinder sollten nicht unbedingt zwischen Eichenstämmen spielen und klettern oder durch das Unterholz gehen."Wer einen Befall einer Eiche mit Gespinsten des Eichenprozessionsspinners melden möchte, kann eine Mail an Philipp.Gerhardt@forst.hessen.de schicken. Von Katja Schuricht

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