Blauer Himmel, aber noch kein Freibadwetter: Im Sommer wird es hier wieder voller.
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Blauer Himmel, aber noch kein Freibadwetter: Im Sommer wird es hier wieder voller.

Schallschutz für Neubaugebiet Hoher Weg

Haushohe Mauer soll ins Schwimmbad

  • VonDieter Becker
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Das künftige Wohngebiet „Hoher Weg“ zählt neben der Öko-Siedlung am Petterweiler Holzweg bald zu den größten Baustellen in der Hugenottenstadt. Besonders auf dem kreiseigenen Grundstück „Hoher Weg – Süd“, wo seit Jahren die einstige Philipp-Reis-Schule vor sich hingammelt, besteht Handlungsbedarf. Trotzdem traten der Bauausschuss und der zuständige Ortsbeirat bei der Beschlussfassung des zur Entwicklung erforderlichen städtebaulichen Vertrags am Mittwoch erst einmal auf die Bremse.

Die Dimensionen, die das Wohngebiet am Dillinger Hang in nicht allzu ferner Zukunft einnehmen wird, sind enorm. Allein auf dem 33 000 Quadratmeter großen Teilabschnitt „Hoher Weg – Süd“, der sich vom Freibad über den Hohen Weg bis weit über die Grundstücksgrenze der Peter-Härtling-Schule hinaus erstreckt, könnten bis zu 112 Wohneinheiten entstehen und rund 260 Menschen ein neues Zuhause bieten. Auf dem Areal residierte bis zum Jahr 2012 die Philipp-Reis-Schule, doch in der Zwischenzeit verfallen die Gebäude zusehends. Schlimmer noch: Die Ruinen bergen auch Gefahren, weil sie wiederholt von einbrechenden oder gar zündelnden Vandalen heimgesucht wurden. Eigentümer des Grundstücks ist der Hochtaunuskreis, der das Gelände von dem Frankfurter Investor BPD Immobilienentwicklung GmbH entwickeln lassen möchte.

So sollen auf der Brache voraussichtlich 15 Einzelhäuser, zwei Doppelhaushälften, acht Reihenhäuser und drei Geschosswohnungshäuser entstehen. Die Bauleitplanung für das Gebiet allerdings obliegt der Stadt Friedrichsdorf, die den Bebauungsplan „Hoher Weg – Süd“ aufgestellt hat und zu dessen Durchführung nun mit BPD einen städtebaulichen Vertrag abschließen muss.

Spaßbecken zu laut

Darin wird unter anderem die Erschließung des Areals, die Ausführung der Bauten und deren energetische Versorgung sowie die Übertragung von Straßen und Grünflächen an die Stadt geregelt. Im vorliegenden Entwurf, der am Mittwoch im Bauausschuss und im Friedrichsdorfer Ortsbeirat zur Abstimmung stand, sind darüber hinaus Lärmschutzeinrichtungen im Bereich des Freibades vorgesehen. Denn vor allem am sogenannten „Spaßbecken“ überschreitet der Badelärm zu Spitzenzeiten die in der Bundesimmissionsschutzverordnung für Wohngebiete festgelegten Grenzwerte. Das haben schalltechnische Untersuchungen ergeben, die im Rahmen des Planungsverfahrens vorgenommen worden waren.

Zur Lösung des Problems sieht der städtebauliche Vertrag in der aktuellen Fassung vor, im nördlichen Bereich der Liegewiese im Freibad eine „Ruhezone“ auszuweisen. Dort dürften die Wasserratten zwar weiterhin sonnenbaden, aber eben nicht lärmen. Ballspiele, Frisbee und ähnliche Betätigungen wären tabu. Während diese Ruhezone im Bauausschuss kaum kritisiert wurde, stieß die zweite Maßnahme zur Lärmminderung auf heftige Kritik: die vorgesehene Errichtung einer Schallschutzwand. Den Plänen zufolge soll nämlich am Rand des Spaßbeckens auf Kosten des Investors eine geschwungene Wand als „naturnahe Kunstfelsstruktur in natursteingerechter Colorierung“ mit Sitznischen und einem Kletterbereich installiert werden. Die vorhandene Wasserrutsche würde durch eine Öffnung durch die Wand hindurchführen. Das Bauwerk würde zur Auflockerung Felspflanznischen und Begleitpflanzungen im Umfeld erhalten.

Das Problem: Die Schallschutzwand müsste mehr als 50 Meter lang und bis zu acht Meter hoch werden, was im Bauausschuss den Stadtverordneten Stephan Schlocker (CDU) auf den Plan rief. Der Christdemokrat nannte die geplante Wand einen „massiven Baukörper“ und kritisierte, dass dem Freibad und den Badegästen für das Bauvorhaben eines Dritten (des Hochtaunuskreises) Nachteile entstünden. Außerdem wies er darauf hin, dass der rückwärtige Bereich der Wand nicht einsehbar sei und Eltern ihre Kinder daher nur eingeschränkt beaufsichtigen könnten.

Guido Barthels (FDP) schloss sich dieser Kritik an und machte zudem auf Verletzungsgefahren an der Kletterwand aufmerksam. Die beiden Oppositionspolitiker forderten einmütig, entweder die geplanten Wohnhäuser mit Schallschutz auszustatten oder aber eine Lärmschutzwand innerhalb des Baugebiets, also auf dem Grund und Boden des Landkreises, zu errichten. Durch die Ablehnung der Lärmschutzwand auf dem Freibadgelände werde der Kreis in die Pflicht genommen, Alternativen zu entwickeln, ergänzte Schlocker, der als Beispiel die Möglichkeit eines terrassierten Lärmschutzes innerhalb des Baugebiets ins Gespräch brachte.

Einzige Lösung?

Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) machte auf die vorhandenen Schallgutachten und „intensive Beratungen“ mit dem Regierungspräsidium sowie der Unteren Immissionsschutzbehörde aufmerksam und bezeichnete die vorgeschlagene Lösung als „einzig gangbaren Weg“. Demgegenüber würde die Höhe einer Schallschutzwand auf dem kreiseigenen Gelände zwischen 18 und 25 Meter betragen, was auf die topografischen Verhältnisse am Dillinger Hang zurückzuführen sei. Eine solche Wand mitten in der Stadt sei „indiskutabel“, betonte er. „Wenn wir nicht mitmachen, ist der Bebauungsplan nicht umsetzbar.“

„Wir tun uns schwer mit der Beschlussvorlage“, stellte die FWG-Fraktionsvorsitzende Claudia Schlick fest und beantragte eine Sitzungsunterbrechung. Beratungsbedarf hatte kurz zuvor auch Tanja Martinek (Grüne) signalisiert und ebenfalls eine Unterbrechung beantragt. Schließlich schlug der Ausschussvorsitzende, Lars Keitel (Grüne), vor, den Tagesordnungspunkt zu vertagen und zeitnah eine Sondersitzung des Bauausschusses einzuberufen. Dazu soll der Schallschutzsachverständige und Diplom-Ingenieur Guido Kohnen eingeladen werden und erörtern, was in Sachen Lärmschutz für das Baugebiet „Hoher Weg – Süd“ machbar sei.

Übrigens: Der Ortsbeirat Friedrichsdorf hatte die Beschlussvorlage in seiner Sitzung aufgrund der Lärmschutz-Pläne abgelehnt.

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