Landgrafenplatz

Historisches Gebäudeensemble mit drei Höfen wird umgestaltet

Der Landgrafenplatz verändert sein Erscheinungsbild. Das betrifft nicht nur die geplante Umgestaltung des zentralen Areals. An einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex wird derzeit schon eifrig an einem ambitionierten Projekt gearbeitet.

In der Hugenottenstraße Nummer 70 kann man zurzeit weit blicken. Vom Hof der Metzgerei Seitz aus schweift der Blick bis in die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. Die alten Stallungen und das Schlachthaus wurden im Frühjahr abgerissen. Damit fiel zugleich der Startschuss für ein ambitioniertes Bau- und Restaurierungsprojekt, für das der Bauherr, Metzgermeister Thomas Seitz, bereits 2013 mit den Planungen begonnen hatte.

Wo sich jetzt alte Ziegelsteine stapeln, leere Fenster und Türen ohne Rahmen gähnen, Handwerker an rohen Wänden über aufgestellte Baugerüste laufen, Lehmputz aufbringen und schwere Eichenbalken bearbeiten, soll bis zum kommenden Sommer ein Hotel mit zunächst sechs Zimmern und ein Restaurant mit Café entstehen. Bis Sommer 2020 soll es insgesamt 19 individuell gestaltete Hotelzimmer geben, inklusive Tagungsraum, Wellnessbereich und Garagen.

Seit 1907 befindet sich das Ensemble im Besitz der Familie Seitz. Die Ursprünge reichen weiter zurück: 1740 war im ältesten Gebäude eine Tabakfabrik untergebracht. Bei der Gestaltung der oben liegenden Wohnräume hatte der damalige Besitzer mit Farben nicht gespart. Ein Schimmer von Türkis und schwarz-weißen Bordüren sind an den freigelegten Wänden zu erblicken. Unter Farbschichten, die über die Jahre aufgetragen wurden, erzählt der üppige Stuck vom Wohlstand des ersten Eigentümers.

Thomas Seitz ist es wichtig, dass möglichst viel von der historischen Bausubstanz bleibt. „Klar, ich hätte auf komplett neu bauen können, aber das will ich nicht. Ich bin hier aufgewachsen und möchte vieles vom Alten einfach erhalten. Alles, was man jetzt sieht, bleibt stehen.“ Genau das werde später den Charme des Hotels „Drei Höfe“ samt Restaurant und Café, die beiden den Namen „Kohler“ tragen werden und so an die Urgroßeltern erinnern, schließlich ausmachen. Ganz ohne Neubau wird es aber nicht gehen. Im hintere Teil entsteht unter anderem ein Querbau mit acht Zimmer neu.

Bei einem solchen Vorhaben hat natürlich hat auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. So muss der Stuck komplett erhalten bleiben und Metallnägel sind verboten. Bei den Gefachen werden möglichst die alten Ziegel und Balken aufgearbeitet. Die Sprossenfenster müssen nach alten Vorgaben mit sechs Einzelscheiben angefertigt werden. „Und das, obwohl keiner wirklich genau weiß, ob die Fenster damals so aussahen“, meint Sitz nachdenklich.

Für solche aufwendigen, kostenintensiven Arbeiten, deren Mehrkosten, so Seitz, nur zum Bruchteil von den Zuschüssen des Denkmalschutzes gedeckt werden, braucht es Experten. Die hat sich Seitz bewusst in der Nähe gesucht. „Wir haben zuverlässige Fachleute, die sehr gute Ergebnisse liefern“, ist er überzeugt. „Firmen von weit weg, wo es mit der Absprache schwierig wird und die man später kaum noch greifen kann, wollte ich nicht.“

Eine derart großes Projekt läuft nicht ohne

Überraschung

en ab. Nicht nur, dass beim Freilegen der Wände alte Zeitungsartikel mit Titeln wie „Die Aufhebung der Vielweiberei“ zum Vorschein kamen. Fast schon dramatisch wurde es, als der Bagger bei Aushubarbeiten absackte: „Plötzlich stand er zwei Meter tiefer und wir hatten einen alten Keller gefunden“, berichtet der Bauherr. Glück im Unglück: Der Keller ist genau an der Stelle, wo später sowieso ein Aufzugschacht hin soll. Jeden Tag gebe es neue Herausforderungen, für sie Lösungen gefunden werden, so Seitz. „Das kostet alles schon Geld, Zeit und Nerven“, gibt er zu. Dennoch spürt man beim Gang über die Baustelle, wie ihn dieses Projekt gepackt hat und wie viel es ihm bedeutet.

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