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Holger Krieg am Rande eines Spiels im Sportpark. ?Jeder Verein wäre glücklich, wenn es noch mehr solche ,Verrückte? wie mich gäbe?, sagt der Sponsor der Sportfreunde Friedrichsdorf.

Fußball

Interview mit Holger Krieg: „Negative Kommentare prallen von mir ab“

Holger Krieg ist ein Sportfreund im wahrsten Sinn des Wortes. Er tritt als Sponsor bei den Sportfreunden Friedrichsdorf auf und sorgt mit dafür, dass der Kreisoberligist einen ambitionierten Kader zusammenstellen kann. Holger Krieg erzählt im TZ-Interview, was ihn antreibt und wie er mit Kritik umgeht.

Sponsoren sind gefragt im Amateurbereich des Fußballsports. Sie scheinen dort mittlerweile so selten wie ein vierblättriges Kleeblatt. Und wenn ein im positiven Sinn „Fußball-Verrückter“ einmal seine Schatullen öffnet und mit hohem materiellem Einsatz einen Verein weiter nach oben bringen will, kann ihm viel Misstrauen und auch Missgunst entgegenschlagen. Mancher richtet Kritik sogar eher an den Sponsor, als die Spieler, die ihre Vereinstreue vergessen und dem Ruf des Geldes folgen.

An Holger Krieg scheinen solche negativen Stimmen abzuprallen. Der Mann ist eine imposante Erscheinung, fast 2 Meter groß. Mit seiner markanten, tiefen Stimme, hört man ihn auch noch auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes, wenn er mal wieder ruft: „Mensch, spiel doch den Ball ab.“

Krieg ist mit Herzblut bei den Spielen seines Vereins dabei. Und er weiß natürlich auch, dass auf vielen Sportplätzen im Hochtaunuskreis und an vielen Fußballstammtischen in den vergangenen Wochen das Hauptthema die massiven Anstrengungen des Friedrichsdorfer Vereins sind, mit namhaften Spielern mehr zu erreichen als „nur“ die Kreisoberliga.

In höhere Regionen hat es der Verein, einer von fünf im Friedrichsdorfer Stadtgebiet, in den 44 Jahren seit seiner Gründung nie geschafft. Ohne die engagierte Arbeit der anderen Vorstandsmitglieder der Sportfreunde schmälern zu wollen, steht heute einmal der Sponsor im Mittelpunkt. Auch Holger Krieg zählt sonst zu jener Gattung von Fußballanhängern, die gerne im Hintergrund bleiben und nicht selten die Öffentlichkeit scheuten. Auf die Fragen unseres Reporters Wolfgang Kullmann gab der 53 Jahre alte Inhaber eines Automaten-Unternehmens bereitwillig Auskunft.

Herr Krieg, Sie sind ja ein bekanntes Gesicht auf den Sportplätzen unserer Region. Meist sieht man Sie bei den Vereinen, bei denen Ihr Sohn René spielt oder gespielt hat – wie beim FC Kalbach, bei der Spielvereinigung 05 oder bei Vatanspor. Was hat Sie bewogen, sich nun bei den Sportfreunden Friedrichsdorf so stark zu engagieren?

HOLGER KRIEG: Ich habe seit Jahrzehnten guten Kontakt zu dem Verein, habe selbst dort gespielt. Mit vielen Gründungsmitgliedern des Vereins, meist sind das ehemalige Kirdorfer, bin ich befreundet. Auch mein Sohn spielt seit letzter Saison dort. Ich wurde bereits im Vorjahr von Vereinsseite angesprochen und war bereit, mitzuhelfen.

Der Verein hat ja ein sehr familiäres Image und war bisher ohne höhere sportliche Ambitionen. Da langt es doch nicht, einfach nur gute Spieler zu holen, oder?

KRIEG: Das stimmt. Der Verein muss insgesamt mitwachsen. Sportlicher Erfolg allein ist nicht nachhaltig. Strukturen sind bereits verändert worden. Wir haben ein gutes Vorstandsteam aufgestellt, das die Mannschaften begleitet.

Wie groß war Ihr Einfluss als Hauptsponsor bei der Auswahl der namhaften Spieler, die geholt wurden?

KRIEG: Das geschah in engem Verbund mit Martin Schmidt, unserem Sportlichen Leiter. Wir haben gemeinsam die Verhandlungen mit den Neuzugängen geführt. Trainer Enis Dzihic (seit Anfang April bei den Sportfreunden, Anm. d. Red.) hat uns im Vorfeld seine Vorstellungen und Wünsche genannt.

Habt Ihr eigentlich auch einen Sternekoch engagiert? Neulich beim Heimspiel wurde den Besuchern statt der üblichen Bratwurst „Risotto mit Shrimps“ angeboten. Es fehlte nur noch der Champagner.

KRIEG: (lacht) Nein, Bratwurst wird es weiterhin geben. Wir hatten zum Trainingslager am Wochenende für unsere Spieler „gesundes Zeug“ im Angebot. Da gab es noch Restbestände.

Das kurzfristige Ziel ist klar: Es kann nur Meisterschaft und Aufstieg heißen. Gibt es eine mittel- und langfristige Planung? Wo soll der Weg des Vereins hinführen?

KRIEG: Wir wollen uns nach dem erhofften Aufstieg in der Gruppenliga etablieren. Von dort aus kann man die Verbandsliga anpeilen. In den höheren Klassen würde es dann auch einfacher werden, Spieler mit Perspektiven zu uns zu holen.

Wie sieht es mit dem Unterbau aus?

KRIEG: Das Augenmerk wird verstärkt auf die Jugendarbeit gelegt. Die Jugendspielgemeinschaft der Friedrichsdorfer Vereine erfährt zusammen mit unserer Jugendleitung volle Unterstützung. Die Reservemannschaft wollen wir aus der B-Klasse weiter nach oben bringen. Das bringt mehr Anreiz für junge Spieler, die es nicht auf Anhieb in die ,Erste‘ schaffen.

Wenn ein Sponsor allein oder überwiegend einen Verein trägt, so wird das mit viel Skepsis beobachtet. Wie begegnen Sie solchen Vorurteilen?

KRIEG: Jeder Verein wäre glücklich, wenn es noch mehr solche ,Verrückte‘ wie mich gäbe. Daher prallen negative Kommentare von mir ab. Auch im Amateurfußball spielen materielle Dinge immer schon eine große Rolle. Wer das leugnet, ist ein Träumer.

Haben Sie ein Vorbild im Fußballbereich, zum Beispiel einen besonders gut geführten Verein oder einen herausragenden Manager?

KRIEG: Ja, sogar in unserer Region. Michael Caspari macht beim FC Neu-Anspach seit Jahren einen überragenden Job mit großem Erfolg. Das ist ungefähr das Niveau, das wir erreichen wollen.

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