Die Kamera unter dem Außenspiegel überwacht den toten Winkel.
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Die Kamera unter dem Außenspiegel überwacht den toten Winkel.

Feuerwehr Friedrichsdorf

Kamera gegen den toten Winkel

  • VonAlexander Wächtershäuser
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Vier Friedrichsdorfer Feuerwehrfahrzeuge mit Abbiege-Assistenten ausgestattet

Friedrichsdorf -Man müsse ja nicht unbedingt warten, bis etwas passiert, meint Maximilian See, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Seulberg. Damit spielt er auf die neuen Abbiege-Assistenz-Systeme an, mit denen vier Einsatzfahrzeuge der Friedrichsdorfer Feuerwehr ausgestattet wurden. Außer der Drehleiter der Seulberger Wehr wurde auch jeweils ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehren Friedrichsdorf, Burgholzhausen und Köppern damit ausgerüstet.

Der Abbiege-Assistent soll das Abbiegen der großen Fahrzeuge deutlich sicherer machen. Dabei wird mit einer außen am Fahrzeug angebrachten Kamera der tote Winkel der Fahrzeuge - See: "Da kann man noch so viele Spiegel anbringen, einen toten Winkel gibt's irgendwie immer!" - überwacht. Von der Kamera wird das Bild auf einen Monitor in der Fahrerkabine nahe des Beifahrersitzes übertragen. Taucht nun im Bereich der Kamera ein Hindernis, ein Fußgänger oder ein Radfahrer auf, dann gibt das Gerät sowohl einen akustischen als auch optischen Warnhinweis.

Man sollte die Gefahr, die von einem toten Winkel ausgeht, gerade bei einem so großen Fahrzeug nicht unterschätzen, meint See. Denn nach Schätzungen von ADFC und Unfallforschung der Versicherer können durch elektronische Lkw-Abbiege-Assistenten über 60 Prozent der schweren Unfälle verhindert werden. In Deutschland könnten danach jährlich etwa 28 Unfälle mit getöteten und 160 mit schwer verletzten Radfahrern durch rechtsabbiegende Lkw vermieden oder zumindest die Unfallfolgen deutlich gemildert werden.

Bislang gab es bei der Friedrichsdorfer Wehr noch keine Unfälle beim Abbiegen, aber es sei ja besser, vorab etwas zu unternehmen, als erst dann, wenn sich ein Unfall ereignet und eine Person möglicherweise zu Schaden gekommen sei.

Zudem hat der Abbiege-Assistent noch einen weiteren ganz praktischen Vorteil. "Man darf nicht vergessen: "Unsere Einsatzkräfte können natürlich die Fahrzeuge sicher steuern, es fehlt aber an der täglichen Routine eines Lkw-Fahrers", gibt der Seulberger Wehrführer zu bedenken. Hinzu komme dann noch die Stresssituation einer Einsatzfahrt. Wenn es dann schnell gehen muss, und kleinere Straßen auch mal zugeparkt sind, sei so ein Monitor sehr praktisch, um ganz genau sehen zu können, wie viel Platz noch zu dem geparkten Auto sei.

Ganz billig sind diese Abbiege-Assistenten allerdings nicht. Rund 3000 Euro kostet so eine Vorrichtung. Da kam es gelegen, dass es dafür auch Fördermittel des Bundes gibt. Danach werden die Einbaumaßnahmen mit rund 80 Prozent bezuschusst, maximal aber mit 1500 Euro. Das bedeutet, das die Friedrichsdorfer Wehren, respektive die Stadt Friedrichsdorf etwa die Hälfte der Anschaffungskosten aus eigener Kraft stemmen muss. "Für diese Investition in die Sicherheit war die Stadt auch sofort bereit", unterstreicht See.

Man werde jetzt erst einmal schauen, ob und wie sich die Abbiege-Assistenten im Feuerwehralltag bewähren. Sollte das der Fall sein, könnten nach und nach weitere noch Fahrzeuge damit nachgerüstet werden, darunter auch das neue Löschfahrzeug, das die Freiwillige Feuerwehr Seulberg im kommenden Jahr erhalten soll. Immerhin läuft das Förderprogramm noch bis zum Jahr 2024. Von Alexander Wächtershäuser

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