VdK-Projekt

Kinder lernen, wie sich das Leben der Senioren anfühlt

Der VdK hat sich vom ehemaligen Kriegsgeschädigten-Verband zu einem wichtigen Sozialverband gewandelt. Schon seit über zwei Jahrzehnten berät der Verband seine Mitglieder zu sozialrechtlichen Fragen wie Rente, Gesundheit oder Behinderung. Der VdK Ortsverband Köppern ist dabei mustergültig in einem generationenübergreifenden Projekt.

Irmtraud Wiesner ist immer noch Feuer und Flamme vom Vorleseprojekt „Käpt’n Kork fliegt davon“. Wenn sie davon erzählt, sprudelt ansteckende Begeisterung aus ihr heraus: „Wir bekommen so viel positives Feedback von Erzieherinnen und Eltern“, freut sich die Rentnerin über den Erfolg des Projekts, das vor gut einem Jahr eingeführt, mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden ist: In fast allen Kindereinrichtungen aller vier Stadtteile Friedrichsdorfs haben die ehrenamtlichen VdK-Vertreter den Mädchen und Jungen die Geschichte vom grünen Papageien namens Käpt’n Kork vorgelesen und sie damit auf einen kurzen Ausflug in eine – fast – barrierefreie Umgebung mitgenommen.

Denn in der Geschichte von Bettina Olbrecht, mit Illustrationen von Kirsten Höcker, geht es um Barrierefreiheit. Es war Wiesners Idee, Olbrechts Geschichte für Kinder erlebbar zu machen und in die Kinder-Einrichtungen zu bringen. Das Vorlesen des Kinderbuches an sich ist nur ein Teilaspekt des Projekts, der Sensibilisierungs-Parcours das Herzstück. „Die Ideen dafür haben wir uns beim Landesverband Bayern geholt“, das benachbarte Bundesland führe ein solches Programm bereits in den Schulen durch, so Kremser. Mittels Augenbinde, Blindenstock, Kopfhörern, Rollstuhl oder Rollator erfahren die Kinder am eigenen Leib, wie es sich anfühlt alt oder in der Bewegung eingeschränkt zu sein und wie es ist, auf Hilfsmittel angewiesen zu sein. Die Kinder werden sensibilisiert für solche Themen und gehen aufmerksamer durch das Leben, so die Idee, die aufzugehen scheint: „Die Kinder stellen schnell die Verbindungen zur eigenen Familie her“, so Wiesner und suchen nach Parallelen in ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis.

Manchmal hat das „Käpt’n Kork“-Team auch „Gert“ dabei, den bewegungseinschränkenden Anzug, der sei aber erst für Kinder im Grundschulalter geeignet, erklärt Jürgen Kremser, Bezirksjuniorenvertreter des Kreisverbands VdK, der beim „Käpt’n Kork“-Projekt auch selbst mit anpackt. „Köppern ist der Vorzeigeverband des Kreisverbands“, ergänzt er.

Auch wenn der Altersdurchschnitt der 127 Köpperner Mitglieder drei Jahre über dem landesweiten Altersdurchschnitt, hier sind es 65 Jahre, liege, „unser ältestes Mitglied ist 102 Jahre alt“, sagt Timm Bruder, Vorsitzender des Ortsverbands, so vertreten die Mitglieder die Werte des Verbands und machen Werbung: „Wir haben ein starkes Dienstleistungsangebot“, so Kremser. Zwar mögen die drei blauen Buchstaben „VdK“ immer noch ausgesprochen „Verband der Kriegsbeschädigten“ bedeuten, so haben sich doch ihre Aufgaben im Laufe der Zeit gewandelt – nicht aber ihre Werte: Die soziale Gerechtigkeit stand schon immer im Fokus. Der Verband engagiert sich für Inklusion und Barrierefreiheit, für Menschen mit und ohne Behinderung, für eine solidarische Gemeinschaft und begleitet Jugendliche mit Handicap in eine berufliche Zukunft.

Nach den Herbstferien beginnt der Verein ein neues „Käpt’n Kork“-Projekt in der Hardtwaldschule in Seulberg. Dann wird Irmtraud Wiesner das Buch, die Plakate, einige Luftballons, Puzzles oder Malvorlagen einpacken – und natürlich Käpt’n Kork, den grünen Stoffpapagei.

Mehr Infos zum VdK Köppern gibt es im Internet unter .

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